Laut war die Nacht, und entsprechend schlecht hatte Uli geschlafen (ich stopfe mir ja stets die Ohren zu, daher stört mich wenig). Die mexikanischen Putzfrauen schoben laut ratternde Karren vor unserem Fenster hin und her - zumindest klang es so... aber was erwartet man von Barstow?!
Der Himmel war bewölkt, als wir erst gegen viertel nach acht aus den Federn krochen. Wir trödelten eine ganze Weile herum, ich rief unter anderem meine Mutter und Till an, um nach dem Rechten zu hören, und so starteten wir erst kurz nach zehn - bloß weg aus Barstow ! Wir wollten dem Kaff nicht mal mehr eine Chance auf Frühstück geben. In Yermo hatten wir am Vortag Peggy Sue's Diner gesehen, und der sollte nun ausprobiert werden. Im authentischen Style der 50er-Jahre präsentierte sich das Lokal aussen wie innen, das Essen war lecker und ausreichend - wenn wir auch erst wieder dachten, wir würden nicht satt.
Die Interstate 15 führte uns zurück nach Baker, dort bogen wir auf die 127 Richtung Death Valley ab. Die Wüste begann unmittelbar hinter dem Ortsausgang von Baker, aber es sollte noch einen ganze Weile dauern, bis wir das Tal des Todes erreichten.
Uli war begeistert von der beeindruckenden Landschaft und fotografierte fleißiger als je zuvor.
Langsam stieg die Temperatur an, und wir waren froh über unsere Klimaanlage.
Die Umgebung wurde immer wilder, hinter jeder Kurve warteten neue Sensationen: schroffe Felsformationen in den unterschiedlichsten Farben und Formen, bunt-blühende Sträucher und überall das flauschig-sanfte Hellgrün der Frühlingswüste.
Aahs und Oohs wechselten sich ab - wir konnten uns nicht satt sehen ! Nur Tiere wollten sich so gar nicht zeigen, und das, obwohl wir so sehr auf einen Kojoten, eine Klapperschlange oder wenigstens eine Schildkröte hofften...
Schließlich erreichten wir Death Valley Junction: einen winzigen Flecken mit dem skurrilen Opernhaus von Marta Becket, die hier seit vielen Jahren sonntags Gäste mit ihren Aufführungen erheitert.
Weiter ging es auf der 190, und bald kamen wir an die Einfahrt zum Todestal. Die Aussentemperatur betrug inzwischen kuschelige 25 °C. Wir entrichteten unseren Obolus in Höhe von 20 Dollar brav an dem dafür vorgesehenen Gerät.
Furnace Creek tauchte vor uns auf, dort hielten wir an und erstanden im winzigen Postamt Briefmarken - dieses Mal zum korrekten Preis von 1,17 Dollar/Stück ! Im General Store gab es schöne Postkarten, davon nahmen wir auch einige mit. Die Wärme begann, sich wie Hitze anzufühlen, und wir eilten in unser kühles Auto zurück, das uns zuverlässig weiter durch die herrliche Landschaft trug.
Nun war es Zeit für ein Picknick. Wir hatten noch ein paar Scheiben Brot, Butter, etwas Käse und Marmelade, dazu Apfelsaft für mich und Cola für Uli. In absoluter Stille genossen wir unser kärgliches Mahl - bis laut lärmend eine Gruppe Radfahrer neben uns auftauchte... wildes Geschnatter und Gegacker schallte durch die Gegend - dass so wenige Menschen einen derartigen Krach verursachen können, erstaunlich. Zum Glück radelte die Gruppe bald weiter, und es kehrte wieder Totenstille ein.
Eigentlich wollte ich noch Scotty's Castle sehen, aber ein Schild sagte uns, dass es nur bis 15 Uhr geöffnet hat. Es war bereits nach drei, also nahmen wir von dem Plan Abstand und fuhren weiter auf der 190 Richtung Panamint Springs.
Es ging bald ziemlich steil hinauf, Schilder am Straßenrand mahnten, die Klimaanlage abzuschalten, damit der Motor nicht überhitzt... diesem Tipp folgte ich willig und sofort ! Der Pass, den wir überquerten, war über 1500 Meter hoch - ein krasser Gegensatz zu der Tatsache, dass wir uns eben noch unter Meeresspiegel befunden hatten. Das Knacken in unseren Ohren belegte diesen Höhenunterschied eindrucksvoll.
Im Panamint Valley bogen wir auf eine winzige Nebenstrecke Richtung Ridgecrest ab, dort warnte ein Schild vor Wildeseln. Oh, wie warteten wir auf das Auftauchen dieser Esel, aber keiner zeigte sich.
Dafür gab die Natur ein Schauspiel zum Besten, das uns zum sofortigen Anhalten zwang:
Die kleine Straße verlor zwischenzeitlich sogar ihren Belag, und wir fuhren auf Schotter, eine beeindruckende Staubwolke hinter uns herziehend.
Langsam senkte sich die Sonne, die Wolken färbten sich rosa, während wir den nächsten Pass überquerten.
Bald tauchten am Horizont Lichter auf: der winzige Ort Trona wurde sichtbar - endlich wieder Zivilisation !
Bald tauchten am Horizont Lichter auf: der winzige Ort Trona wurde sichtbar - endlich wieder Zivilisation !
Ich war froh, dass Ridgecrest nur noch ein paar Meilen entfernt war, denn nun brach schnell die Nacht herein, und das Fahren wurde anspruchsvoll. In Ridgecrest folgten wir unserem Instinkt (inzwischen gut geschult, was das Auffinden von Motels angeht) und fanden "unser" Motel 6 sofort. Da die Zimmer immer gleich aussehen, hat es etwas angenehm vertrautes, dort einzuchecken - fast ein bisschen wie nach Hause kommen.
Hunger trieb uns noch mal los, wir besuchten einen riesigen Supermarkt und erstanden Salat, Nudeln mit Käse für die Mikrowelle, Chips und Avocados und noch ein paar Kleinigkeiten mehr (hungrig einkaufen gehen hat sich noch nie bewährt).
Im Motel-Zimmer aßen wir zu Abend; ich schrieb noch ein paar Postkarten, und Uli sichtete die vielen Fotos, die der Tag uns beschert hatte. Wir waren so müde von den herrlichen Eindrücken, und das Bett rief uns aufreizend laut zu, wir sollten uns doch bald in ihm ausstrecken... wie kann man da widerstehen ?!
Death Valley - immer noch, nach mehr als 26 Jahren, mit grandiosen Bildern fest in meiner Erinnerung verankert. Besonders Scotties Castle und Death Valley Junction mit Martha's Theater stehen vor meinem inneren Auge wieder auf. Aber auch die vom Wind herumgewirbelten trockenen Büsche waren sehr eindrucksvoll. Würde gern noch einmal dort sein . . . .
AntwortenLöschenJa, eine wundervolle Gegend, geradezu berauschend schön ! Wir haben es sehr genossen, all dies sehen und erleben zu dürfen. Bilder fangen die Stimmung nur unzureichend ein, man muss es gesehen und gefühlt haben.
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