Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Freitag, 31. Juli 2015

Hotter than July

Donnerstag,  30.7.15
Schweißgebadet erwache ich um kurz vor acht. Erstmal duschen! Das kühle Wasser ist herrlich, hält aber nur wenige Augenblicke vor, denn im Haus herrschen sicherlich runde 30 Grad. Jede Bewegung ist anstrengend - und selbst wenn man nur still herumsitzt ist man sofort nassgeschwitzt. Also geht alles ganz langsam... bloß keine hektischen Bewegungen. Frühstück ist angesagt, und gegen zehn erwartet P Samuel, den achtjährigen Sohn einer Freundin. Wir wollen zusammen zum Spielplatz und danach in einem indischen Lokal zu Mittag essen. Im Auto ist nicht genug Platz für alle, daher gehen Uli und ich zu Fuß. Trotz der Hitze genießen wir den Spaziergang, gibt er uns doch die Möglichkeit, den Wegesrand ganz genau unter die Lupe zu nehmen.


Vom Auto aus hatten wir bereits eindrucksvolle Blüten bewundert, die aus nächster Nähe tolle Fotomotive ergeben.



Etwa 20 Minuten schlendern wir die Hope Street hinab, bis wir die Seven Stars Bakery erreichen und dringend einen Eis-Cappuccino benötigen.


Im Geschäft bläst uns die Klimaanlage eisige Luft entgegen - fast zu kalt für die verschwitzten Körper. Man befürchtet, sich sofort etwas aufzusacken. Deswegen gehe ich lieber hinaus in die brütende Mittagshitze und warte dort auf meinen Liebsten, der bald mit zwei Bechern wieder auftaucht. Zuvor finde ich allerdings eine Gratis-Landkarte, die uns einen guten Überblick von Providence verschafft.


Weiter geht's Richtung Spielplatz, wo Samuel und L sich im Springbrunnen tummeln. Der einzige Ort, wo man es momentan aushalten kann! Schnell habe ich mich meiner Schuhe entledigt und halte meine brennenden Füße in das kühle Nass. B sitzt unter einem schattigen Baum und lernt für die bald bevorstehende HP-Prüfung. P tobt mit den Jungs herum und versucht, dabei nicht komplett durchnässt zu werden.


Eine Weile entspannen wir uns hier und beobachten mit Erleichterung, wie Wolken heranziehen und Wind aufkommt. Warmer Wind zwar, aber immerhin Wind. Die Wettervorhersage hat ein Gewitter angekündigt, das käme sehr gelegen. Die beiden Jungen sind klitschnass und müssen erstmal umgezogen werden, bevor wir Mittagessen gehen können. Zum Glück haben B und P vorgebaut und trockene Kleidung mitgebracht. Trotz der Sprachbarriere spielen die beiden recht gut miteinander - von den üblichen Kabbeleien mal abgesehen.

Ein kurzer Fußweg von etwa 5 Minuten ist zu bewältigen, dann erreichen wir das Lokal. Angenehmer Duft schlägt uns beim Betreten entgegen und regt gewaltig unseren Appetit an (als ob das notwendig wäre...). Authentische indische Küche erwartet uns.


Vorsichtshalber erwähnt P, dass die Speisen bitte nicht so scharf sein dürfen. Das obligatorische Eiswasser wird serviert, dazu bestellen P und ich Mango-Lassis - extrem lecker. L kann davon kaum genug bekommen und möchte zu gerne auch noch Samuels Getränk haben, dieser zeigt sich jedoch unwillig.


Interessant ist das Tempo, mit dem Samuel sich Vorspeisen, Getränke und Hauptgericht einverleibt. Er scheint kaum zu kauen... und plötzlich passiert, was passieren muss: im hohen Bogen erbricht der Junge sich - direkt ins Lokal!
L nimmt sofort angewidert Abstand, P verschwindet mit Samuel Richtung Rest Rooms, mehrere Bedienungen eilen mit Wischeimern herbei und putzen das Malheur weg, während wir versuchen, weiter unsere Gerichte zu genießen, was jedoch schwerlich möglich ist. Bald kommen P und Samuel zurück, und der Junge isst seelenruhig weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Erstaunlich! Wir sind noch nicht ganz mit dem Essen fertig, da taucht Samuels Mutter auf, um ihren Sohn abzuholen. Sie plaudert kurz mit P und B, dann heißt es Tschüß. Wir beenden die Runde und gehen zum Auto zurück. Alle sind mehr oder weniger geschafft, vom Wetter, vom Essen, vom Ekel der Erbrechen-Situation...

Es ist nur eine kurze Fahrt, dann erreichen wir das kühle Haus (die Klimaanlage lief während unserer Abwesenheit). Ich wasche fix eine Maschine Wäsche, welche im warmen Wind blitzschnell trocknet. Da meine Knie nach wie vor geschwollenen sind, bereite ich mir Wickel mit essigsaurer Tonerde und lege mich ein bisschen hin. Dann überkommt mich bleierne Müdigkeit, und ich schlafe prompt ein. Keine Ahnung, wie lange ich so gelegen habe... Wach werde ich von L's Geschrei.
Susan kommt, um uns Instruktionen für die nächste Zeit zu geben: sie fliegt morgen nach Los Angeles und wird vor unserer Abreise nicht zurück kommen. Wir drehen eine Runde durchs Haus und lassen uns alles Wichtige erklären, vor allem die Alarmanlage und den Sicherungskasten. Die alten Häuser sind zwar mit diversen Elektrogeräten ausgestattet, aber nicht mit entsprechenden Stromnetzen. So kann es jederzeit passieren, dass eine Sicherung heraus fliegt - da ist es gut, vorbereitet zu sein.
P hat eine Gemüsepfanne mit Reis zubereitet, dazu gibt es einen frischen Salat. Susan leistet uns beim Essen Gesellschaft und plaudert heiter über vergangene und zukünftige Reisen. Der nette Nachbar Jeff, welchen wir gestern bei dem Mini-Unfall kennen lernten, kommt auch noch dazu - eine sehr lustige und interessante Runde! Jeff berichtet von seinem Beruf als Süßigkeiten-Entwickler, was extrem spannend ist.
Endlich setzt auch der ersehnte Regen ein, Abkühlung naht... Susan zeigt uns noch eine Menge Reise-Fotos auf ihrem Laptop, und dann ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen. P, B und L bringen sie zum Busbahnhof, von wo aus sie nach Boston zum Flughafen fährt. Uli und ich klaren die Küche auf und ziehen uns dann in unser Zimmer zurück, wo ich mich ans Tablet begebe, um mein Blog weiter zu schreiben. Uli schwitzt leise vor sich hin, während es mir erstaunlicherweise mal nicht viel zu warm ist.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Lost in Providence

Mittwoch, 29.7.15
Schon beim Aufwachen ist mir furchtbar heiß! Ich muss keinen Finger rühren, und trotzdem läuft der Schweiß... das kann ja heiter werden. Da die Uhr bereits nach acht anzeigt, begebe ich mich ins Erdgeschoss. Alle sind dort versammelt, das Frühstück vorbereitet, es fehlt nur noch mein Tee. Dieser ist schnell gekocht. L zickt herum, Grund unbekannt. Vielleicht nimmt ihn die Wärme ja auch so sehr mit.


Nach dem Essen brechen Uli, P, B und L auf, sie wollen Tickets für den Bus nach New York besorgen und anschließend Ibrahim abholen, den 12-jährigen Sohn einer Freundin von P, der den Tag mit L verbringen möchte. Ich bin ganz alleine im Haus, ein Novum. Ganz entspannt dusche ich und schreibe eine eMail an Julian, der in Italien weilt, bei ähnlichen Temperaturen. Bald füllt sich das Haus wieder, vorbei ist's mit der Ruhe.

B und ich beschließen, ein bisschen shoppen zu gehen und fahren in die mall downtown. Meine sichere Ortskenntnis beeindruckt B. Dieses Mal parken wir im Parkhaus der mall, und ich bin beruhigt, dass sehr moderate Preise verlangt werden: 2 Dollar für 3 Stunden. Angenehm kühl ist es hier! Zuerst besuchen wir einen Schuhladen, denn Till benötigt neue Nikes. Ich finde einige Paare, welche ich ablichte und ihm per Mail zusende. Nebenbei stolpere ich über ein Paar, das mir gut gefällt, wie angegossen passt und obendrein reduziert ist. Nach kurzem Zögern entscheide ich mich dazu, sie zu kaufen, zumal ich neue Sneaker benötige.


B wird nicht fündig, und so schlendern wir weiter, durch die unterschiedlichsten Kleiderläden und Boutiquen. In einem Esoterik-Shop entdecke ich ein kleines Geschenk für meinen Schatz, der ja bald Geburtstag hat. Um was es sich handelt, wird hier nicht verraten - Uli liest schließlich mit ;). Hunger plagt uns, und wir suchen den food court im Obergeschoss auf. Hier gibt es diverse Lokale und jede Menge Sitzplätze. Schnell haben wir unsere Wahl getroffen: asiatisch gewürzte Leckereien, zu viel und zu süß, aber sonst ganz okay. Dort sitzend und essend diskutieren wir erneut die Sina-Problematik, für die es keine Lösung zu geben scheint.


Gut gefüllt bummeln wir weiter durch diverse Läden. In einem der Schuhläden hängt ein bezaubernder Rucksack, der sofort zu mir möchte. Bevor ich damit zur Kasse gehen kann, hat B ihn mir bereits aus der Hand gerissen und fordert mich auf, ihn ganz fix wieder zu vergessen. Ach ja, mein Geburtstag steht ja auch vor der Tür... Nun verlangt es uns nach Cappuccino bzw. Espresso. Ein entsprechender Shop ist schnell ausfindig gemacht, die Getränke sind lecker und befriedigen das Koffein-Bedürfnis. Schon viertel nach drei, wir müssen langsam aufbrechen, da P um vier Ibrahim zurückbringen will. Das Auto wartet brav im Parkhaus, und wir verlassen das Shopping-Paradies - mit dem Plan, nochmal her zu kommen.


So leicht mir der Hinweg fiel, so schwierig gestaltet sich der Rückweg. So viel zum Thema sichere Ortskenntnis. Wir irren durch Straßen, die wir noch nie gesehen haben. Anhaltspunkte finden wir keine. Ich werde immer nervöser, schließlich wartet P auf unsere Rückkehr! Nachdem wir etwa 20 Minuten herum gegurkt sind, halte ich am Straßenrand und B befragt zwei Männer, von denen einer tatsächlich weiß, wo die Doyle Ave ist. Er gibt mir genaue Instruktionen, mit seiner Hilfe gelangen wir endlich auf den richtigen Weg! Puh, was für ein Abenteuer. Pünktlich landen wir vor dem Haus - ich bin sehr erleichtert.

Die Jungs spielen Siedler, Uli ist am gewinnen. Bald darauf brechen P, B und L auf, um Ibrahim nach Hause zu bringen. Uli und ich relaxen im kühlen Wohnzimmer (die Klimaanlage läuft hier inzwischen auf Hochtouren). Als die drei zurück sind, wollen wir noch an den Strand fahren. Soweit zur Theorie. Zufällig schaut P auf die Bustickets und entdeckt, dass diese fehlerhaft ausgestellt wurden. Also müssen wir schnell zum Busbahnhof, die Tickets ändern lassen. Dieses "schnell" lässt mich unachtsam ausparken - und rumms, schon kracht es: ich bin rückwärts gegen ein parkendes Auto gefahren! Auch das noch. Betreten steige ich aus. Der Besitzer erscheint prompt, aber er lächelt freundlich, betrachtet den Schaden und kann nichts feststellen, außer einer Mini-Beule im Nummernschild. "Macht nix! " lautet die entspannte Antwort. Er wünscht noch einen schönen Tag und verabschiedet sich vom Ort des Geschehens. Erleichtert atme ich auf. An der Stoßstange unseres Mietwagens sehen wir auch keine Beschädigung - Entwarnung auf ganzer Ebene. Vorsichtig fahre ich weiter zum Busbahnhof, wo P und B die Tickets tauschen.

B fühlt sich erschöpft, P mag nicht mehr los, und für L ist es zu spät, um noch zum Strand zu fahren. Also fahren Uli und ich alleine Richtung Bristol, ca. 40 km entfernt. Es tut gut, auch mal wieder zu zweit unterwegs zu sein. Wir plaudern entspannt und freuen uns über die Schönheit der Natur. Ohne Probleme gelangen wir zu der pittoresken Hafenstadt, finden einen Parkplatz und wandern ein bisschen an der Mole herum.




Das Wasser lockt mich sehr, denn es ist nach wie vor ziemlich warm. Leider ist weit und breit keine Bademöglichkeit zu sehen. Also wieder ins Auto und noch ein bisschen weiter fahren. Eine Parkanlage taucht auf - und in der Tat gibt es hier eine kleine Badebucht, zwar nur mit Kieselstrand, aber besser als nichts. Im Wasser schwimmt eine ältere Frau herum, welche uns sofort voll textet. Strange,  but also funny. Das Wasser erfrischt wunderbar und kühlt mich einige Grad ab. Herrlich! Obendrein geht blutrot die Sonne unter und schafft eine berauschende Stimmung.


Und nun was essen. Pizza wäre Uli genehm, ich könnte gut ein Sandwich verspeisen. In Bristol gibt es hauptsächlich Fischrestaurants, daher fahren wir ein Stück an der Küste entlang, bis wir Warren erreichen, wo sich ein Lokal anbietet, in dem es beides gibt. Ein seltsamer Laden, wie aus einer anderen Zeit... wir treten mutig ein, bestellen (beide plötzlich Burger) und bereuen diese Entscheidung nicht. Frisch und lecker sind die Speisen, die man uns bringt. Als ich zahlen möchte, wird meine Kreditkarte nicht akzeptiert. Cash only. Sehr ungewöhnlich!


Inzwischen ist es komplett dunkel, aber immer noch sehr warm. Routen-Uschi führt uns sicher nach Providence zurück, wo wir freundlich begrüßt werden. L ruft noch "Gute Nacht", P und B freuen sich darauf, ihre abendliche Runde zu drehen, und ich setze mich schnell an mein Blog. Rückstand kann ich nicht gebrauchen!

Mittwoch, 29. Juli 2015

Summer rain

Dienstag, 28.7.15
Mir brummt immer noch der Schädel, als ich kurz nach acht erwache. Uli liegt nicht mehr neben mir, sicherlich ist er bereits unten. Also krieche ich steifbeinig von der Matratze und stakse die Treppe hinab. Richtig geraten: Uli sitzt mit L im Wohnzimmer und plaudert. Unsere Begrüßung ist zum Glück liebevoll! Tee möchte ich. Der Kessel ist schnell aufgesetzt und summt bald vor sich hin. Mit einem Becher duftendem Lady Grey begebe ich mich in den Stressless-Sessel und lege meine immer noch geschwollenen Beine hoch. Wann dieser Zustand sich wohl verbessert!?

P und B gesellen sich zu uns. Die Stimmung ist entspannt. Gut, wenn Freunde offen miteinander sprechen können, so muss ich aus meinem Herzen keine Mördergrube machen. B befragt mich direkt zu gestern Abend - und mir schießen spontan Tränen in die Augen. Schnell ablenken... Frühstück gefällig? Oh ja, sehr gerne. L übernimmt das Toasten, wir decken den Tisch, und kurze Zeit später sitzen alle da und schlemmen. Nebenbei planen wir die nächsten Tage. Am Freitag werden die drei nach New York fahren,  bis dahin sind noch ein paar Besuche geplant. Für den heutigen Tag schlage ich einen Besuch des Wal-Museums in New Bedford vor. Da es sehr warm ist, erscheint uns der Aufenthalt in einem klimatisierten Museum reizvoll. Bevor wir aufbrechen, wollen wir jedoch noch Wäsche waschen. B bringt eine Tüte voll Schmutzwäsche in den Keller, wir beladen gemeinsam die Maschine und sprechen dabei noch einmal ausführlich über den gestrigen Abend. Sie hatte meine Not sehr wohl wahrgenommenen, war sich allerdings nicht im Klaren darüber, was genau in mir ablief. Die Schilderung meiner Zerrissenheit bedrückt sie sichtbar - Empathie tut wirklich gut! Bald ist die Wäsche fertig, wir hängen sie im Hinterhof bei bestem Sonnenschein auf und starten gleich noch eine Ladung mit Handtüchern.

Gegen eins geht es los, erste Etappe ist eine Apotheke, wo B einen Inhalator ersteht. In flotter Fahrt geht es weiter nach New Bedford, einer schmucken Hafenstadt in Massachusetts. Lunch time, P meldet Hunger an und erbittet Vorschläge. Ich habe im Vorbeifahren einen Burgerladen erblickt, der mir zusagte und schlage diesen vor. Alle sind einverstanden, wobei B zu bedenken gibt, dass es hochwertigeres Essen gäbe... Anyway, wir tun dies ja nicht jeden Tag. Ein Parkplatz ist sofort gefunden, wir füttern die Parkuhr mit Quartern und gehen ein Stückchen die Straße hinunter, bis wir das Burger-Schild entdecken.


Das kleine Lokal macht einen guten Eindruck, kein Fastfood vom Fließband, sondern mit Liebe und Kreativität zubereitete Speisen werden hier angeboten. Die Bedienung ist überaus freundlich, die Einrichtung fantasievoll, und sogar die Musik ist ziemlich nett. Die Qualität der Speisen überzeugt, alles ist frisch, interessant gewürzt, z.B. mit Kräutern und Blüten, und schmeckt großartig.




L möchte Michael Jackson hören, diesen Wunsch erfüllen ihm die jungen Frauen hinter dem Tresen nur zu gerne. Gut gelaunt verlassen wir das sympathische Lokal, nachdem P noch nach einem Tipp für guten Kaffee gefragt hat. Wir quälen uns durch die Gluthitze um zwei Blocks herum und erblicken das empfohlene Café.


Schnell hinein, dort ist es nämlich klimatisiert, wie in allen Läden. Die servierten Getränke munden hervorragend, und ich kann nicht umhin, ein Stück Creme brulee Cheesecake zu bestellen, der unglaublich gut schmeckt, mich aber leider bis zum Hals füllt.


Nun sind wir bereit für das Museum. Während Uli und ich weitere Quarter in die Parkuhr werfen, erstehen P und B schon mal Eintrittskarten. Wir verstauen unsere Taschen in einem Schließfach und starten den Rundgang durch die Ausstellung.


Sehr beeindruckende Exponate finden sich hier: Wal-Skelette hängen von der Decke herunter, aus den Knochen tropft eine braune Flüssigkeit, die sich in einem Gefäß sammelt, ein komplettes Schiff steht zum Erforschen bereit, es gibt Riechproben, Waffen, jede Menge Gemälde und und und...



Wir erfahren sehr spannende Details über die größten Säugetiere der Welt sowie über die Jagd, die das gefährlichste Raubtier, der Mensch, seit Jahrhunderten auf die prächtigen Riesen macht. Die Temperatur ist allerdings kritisch, da in einigen Räumen höchstens 15 Grad herrschen. B friert und eilt zum Auto, um sich eine Jacke zu holen.


Knappe zwei Stunden beschäftigt uns das Thema Walfang, dann haben wir genug gesehen und verlassen die gelungene Ausstellung. Draußen erwartet uns ein grauer Himmel: in der Zwischenzeit hat es zu regnen begonnen, und zwar nicht zu knapp! Der Weg zum Auto ist nicht weit, aber wir müssen uns beeilen, um nicht durchnässt dort anzukommen.


Routen-Uschi geleitet uns sicher aus der Stadt heraus und führt uns zum Highway 195 Richtung Providence. Nach einer guten halben Stunde Fahrt erreichen wir das Haus - leider hat es auch hier heftig geregnet, und wir fürchten um die Wäsche im Hinterhof. Überflüssig, denn Susan war so nett, unsere Sachen für uns in Sicherheit gebracht zu haben. P und B fahren noch schnell zu Whole Foods, denn wir brauchen schon wieder Brot und Aufschnitt. Ich kümmere mich derweil um die Wäsche. Ein paar Kleidungsstücke sind noch klamm, diese hänge ich auf. Im Keller befülle ich den Trockner mit den frisch gewaschenen Handtüchern und ziehe mich dann einen Moment zurück - ich brauche immer mal ein bisschen Abstand vom Trubel, der L kontinuierlich umgibt.

Die beiden Einkäufer kehren zurück, sie haben zusätzlich noch diverse vegetarische Brotaufstriche und Obst mitgebracht. Die Ananas duftet wunderbar! P ist erschöpft und legt sich eine Weile hin, während wir Abendessen zubereiten: gebratene Nudeln, gemischten Salat und von L getoastetes Baguette. Die Konversation plätschert heiter dahin, während wir uns an den leckeren Speisen laben. Dann ist es plötzlich kurz vor neun, Schlafenszeit für L. P bringt ihn ins Bett und bittet anschließend darum, wie jeden Abend mit seiner Liebsten eine Runde drehen zu dürfen. Natürlich, gerne! Wir regeln die Klimaanlage in unserem Zimmer auf low, denn es ist nach wie vor drückend heiß, und widmen uns der abendlichen Entspannung: Uli surft, und ich schreibe mein Blog.

Dienstag, 28. Juli 2015

Pleasure and Pain

Montag, 27.7.15
In der Nacht werde ich wach und bemerke Blitze, höre aber keinen Donner. Dann beginnt es heftig zu regnen und schließlich rumpelt gegen vier auch noch die Müllabfuhr vor unserem Haus herum. Zum Glück kann ich wieder einschlafen, nachdem ich mir eine Art Schallschutz-Tasche aus Kissen für meinen Kopf gebastelt habe. Erst kurz vor acht bin ich ausgeschlafen. Beim Öffnen der Jalousien zeigt Providence sich ganz in Grau. Ein Grund, schlechte Laune zu bekommen? Abwarten, das kann sich auch fix ändern.
Uli sitzt mit L in der Küche, die beiden üben erneut Mathe, dieses Mal das 1x7. Mein Morgentee ist schnell bereitet. Oh, wie genieße ich den aromatischen Duft meiner Lieblingsteesorte! Bald tauchen auch P und B auf, und wir nehmen das Frühstück in Angriff, mit Rührei und Toast - besonders befriedigend weil sehr lecker. Die Planung des Tages wird von P angeregt, er hat den Vorschlag, Little Italy zu besuchen und dort Lunch zu essen. Alle sind einverstanden, aber zuerst ist Körperpflege angesagt, L z.B. benötigt dringend eine Reinigung. B versucht, die Toilette mit Kosmetiktüchern zu putzen, verursacht damit allerdings eine Verstopfung derselben... nun ja, der gute Wille zählt.


Gegen eins haben alle ihre Sachen beisammen, und wir besteigen das Auto. So trüb der Tag begann, so sonnig und warm wird es nun. B bringt uns zügig nach Federal Hill, die italienisch geprägte Ecke von Providence. Ein Parkplatz ist auch schnell gefunden. Wir wandern ein wenig herum und bestaunen die interessanten Läden und Restaurants.



P führt uns zu zu einem sehr originellen Geschäft, welches italienischer Supermarkt und Bistro zugleich ist. Die Preise sind - wie inzwischen gewohnt - eher hoch, aber das Ambiente ist es wert. L schaut fasziniert den Köchen in der verglasten Küche zu. Sie lachen und winken freundlich. B und P entscheiden sich für Pasta, Uli und ich möchten lieber Sandwiches. Die servierten Speisen sehen nicht nur köstlich aus, sie munden auch hervorragend. 


Besonders entzückend ist unsere Bedienung Maria, eine extrem attraktive junge Frau mit strahlend weißen Zähnen und einem freundlichen Lächeln. Wir lassen uns Zeit mit dem Lunch und unterhalten uns dabei angeregt. L bekommt zum Dessert eine große Kugel Schokoladeneis und ist hoch zufrieden. Obwohl ich großmundig verkündet hatte, natürlich das ganze Sandwich essen zu wollen, muss ich leider nach der Hälfte passen. Maria packt mir den Rest in eine praktische Box.
Die Temperatur im Laden beträgt kühle 18 Grad, und so trifft uns die Mittagshitze auf der Straße mit voller Wucht.


In meinem Kopf puckert ein leichter Schmerz - liegt es am Wetter oder an den schweren Themen der letzten Tage?! Da sich Julie, eine Bekannte von Susan, für halb fünf angekündigt hat, gehen wir nur noch ein Mal um den Block und dann zum Auto zurück.


P zeigt uns auf dem Rückweg ein paar interessante Ecken mit schönen viktorianischen Villen und Steigungen, die sehr an San Francisco erinnern.


Wir sind noch nicht lange zu Hause, da erscheint auch schon Julie, eine kleine alte Dame mit grauen Zöpfen und einem freundlichen Gesicht. Sie ist gekommen, weil sie mit L spielen möchte, um dabei ihr Deutsch aufzupolieren. L hatte mit einer etwa 30-jährigen Blondine gerechnet und ist etwas irritiert, lässt sich aber sofort darauf ein, mit Julie Halma zu spielen. Uli und P kümmern sich unterdessen erfolgreich um die Toilette, B zieht sich verschämt nach draußen zurück - ihre angebliche Dummheit ist ihr peinlich. Ich nutze die Gelegenheit, mein Blog weiter zu schreiben, allerdings will mein Tablet nicht so, wie ich will. Kurzerhand schalte ich es aus - um beim Einschalten zu entdecken, dass ich die PIN gar nicht weiß. Na großartig! In der stillen Hoffnung, Uli wisse sie, laufe ich schnell nach unten. An seinem Blick merke ich bereits, dass auch er sich nicht sicher ist. Meine Laune sinkt bedrohlich, in Deutschland ist es schon nach elf, Till kann ich nicht mehr anrufen, da er morgens früh aufzustehen muss und demnach sicher jetzt schläft. Wenn ich nur lernen würde, erst zu denken und dann zu handeln... ich versinke in Selbstvorwürfen. Während ich mich wild beschimpfe, schickt Uli Tom eine Nachricht über WhatsApp. Der süße Tom erklärt sich sofort bereit, in die Bismarckstraße zu tigern und die PIN für mich zu suchen. Knappe 30 Minuten später habe ich die ersehnte Nummer und kann weiter schreiben. Dies tue ich, bis P mich zum Abendessen ruft. Er bietet mir an, gegen acht eine Autotour mit Susan zu unternehmen, welche eine Lieferung nach Bristol zu machen hat. Gerne möchte ich sie begleiten, erhoffe ich mir doch ein interessantes Gespräch.

Mein Sandwich wartet auf dem Abendbrottisch auf mich und schmeckt immer noch sehr lecker. L bekommt nicht, was er essen will und rastet aus. P greift sofort ein, er duldet keine Respektlosigkeiten! Die beiden streiten lautstark und heftig, mir steigen die Tränen in die Augen... mein Bedürfnis nach Harmonie ist riesig, aber ich verstehe auch, dass diese Auseinandersetzungen dringend sein müssen. Wieder bewundere ich P's Durchhaltevermögen und seine Geduld.

Als Susan Bescheid sagt, dass sie los möchte, beschließt Uli plötzlich, dass er auch mit fährt. Dies irritiert mich so stark, dass ich spontan erstarre. Mein Kopf hämmert wie wild. Sofort ziehe ich mich in mich zurück und sage ihm, er könne fahren, ich bliebe hier. Uli ist alarmiert! Was mit mir los sei, möchte er wissen. Ich kann nur fliehen und schweigen - ein uraltes Muster, welches mich bereits mein gesamtes Leben lang begleitet. Lange kann ich keine seiner Fragen beantworten und stehe mit hängenden Armen und gesenktem Kopf vor ihm. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis das Rauschen in meinem Schädel etwas nachlässt und der dunkelgraue Nebel sich ein wenig lichtet. In mühsamer Kleinarbeit bringt Uli zum Vorschein, dass ich lieber mit Susan alleine gefahren wäre, mich aber nicht in der Lage sah, dies zu äußern. Dicke Tränen laufen über meine Wangen, ein brennender Schmerz bohrt sich durch mein Herz. Tiefer Weltschmerz macht sich in mir breit und nimmt mir die Luft zum atmen. Die Tränen wollen nicht versiegen, ich weine und weine. P und B melden sich ab, sie möchten ihre Abendrunde drehen. Uli weicht mir nicht von der Seite und redet beruhigend auf mich ein, bis meine Trauer langsam nachlässt. Erschöpft gehe ich duschen und verbringe anschließend eine ganze Weile auf der Toilette, da mich plötzlicher Durchfall plagt. Ist das Sandwich Schuld oder das schwere Thema!? Ich weiß es nicht. Mein Kopf brummt nach wie vor... Zeit, ins Bett zu gehen.

Montag, 27. Juli 2015

Take me to the river

Sonntag, 26.7.15
Trotz des Lärms auf der Straße war die Nacht erholsam und erfrischend. Gegen sieben Uhr ist sie endgültig vorbei. Ich checke als erstes meine eMails und freue mich über eine Nachricht von Till, der mir das Ergebnis meiner Blutkultur mitteilt: keine Bakterien vorhanden! Wie entspannend. Diese gute Nachricht muss ich gleich meinem Liebsten überbringen. Er sitzt mit L in der Küche und übt das 1x8. Ein Lady Grey-Tee ist das, was ich jetzt brauche. L findet, es wäre ein guter Zeitpunkt für eine Runde Siedler. Uli und ich haben Lust und bauen flugs das Spiel auf.
Wir sind mitten im Geschehen, als B und P herunter kommen. Da Susan zum Brunch eingeladen ist, müssen wir uns ein wenig beeilen. Also gewinnt Uli schnell, damit wir noch den notwendigen Einkauf erledigen können. P und ich fahren zu Whole Foods und besorgen frische Bagel, Käse, Tomaten, Aufschnitt, Obst sowie Apfelsaft für Uli, der in den letzten Tagen viel zu wenig getrunken hat. Wir sind ein gutes Shopping-Team und blitzschnell fertig. B ist ganz erstaunt, wie flott wir zurück sind.
Gemeinsam decken wir einen üppigen Frühstückstisch mit diversen Leckereien. Mit B ergibt sich plötzlich die Chance, den gestrigen Vorfall zu besprechen, so nehme ich allen Mut zusammen und stelle meine Frage. Wie ich schon vermutete, hatte ich auf dem falschen Ohr gehört. Es ist schön, wenn Missverständnisse sich in Wohlgefallen auflösen! Für's Erste reicht die Klärung, und wir planen weitere Gespräche bei nächster Gelegenheit.


Pünktlich um zehn erscheint Susan und bringt ihre Nespresso-Maschine mit, um mir Cappuccino zu bereiten. Wie überaus lieb von ihr! Wir genießen das leckere Frühstück und führen angeregte Gespräche. Auch L kommt auf seine Kosten, da Susan ihn aktiv miteinbezieht. Sie hat viel erlebt, lacht gerne und weiß interessant zu erzählen.


Nebenbei planen wir unseren Tag. Ein Walfisch-Museum steht zur Debatte, was wir letztlich aber vertagen, weil wir am heutigen Sonntag zu großen Andrang befürchten. L schnappt kurz ein,  besinnt sich dann aber eines Besseren. B benötigt von P eine Behandlung, daher einigen wir uns darauf, gegen halb drei Richtung Stadt aufzubrechen. Dies gibt mir die Gelegenheit, mein Blog auf den (fast) neusten Stand zu bringen.

Einigermaßen pünktlich brechen wir auf. L lacht sich im Auto über meine Witze schlapp. (Was ist der Unterschied zwischen einem Spatz? Beide Beine sind gleich lang, besonders das linke.) Nach kurzer Fahrt entdecken wir ein thailändisches Lokal und kehren spontan ein. Ein winziger Gastraum nimmt uns auf, sehr schlicht gestaltet. Man darf gespannt sein... Die Wahl der Speisen fällt heute leicht: L ist mit Frühlingsrollen zufrieden, B wählt eine Suppe, P, Uli und ich entschieden uns für Currys. Meins enthält frische Mangos und schmeckt köstlich - aber wieder läuft bei der Bestellung etwas schief, und ich erhalte weißen statt braunen Reis. Egal.


Sehr zufrieden und angenehm satt suchen wir einen Coffee Shop auf, wo es diverse Spezialitäten gibt. Alles klingt lecker und sieht gut aus. B erhält als erste ihr Getränk, probiert und zuckt angewidert zurück. So unangenehm schmeckenden Espresso habe sie noch nie getrunken! Auch heißes Wasser bringt keine Verbesserung. Mein Milchkaffee ist Okay, dafür will der Brownie so gar nicht munden. Schade, denn preislich liegen die Waren in einem anspruchsvoll hohen Niveau.


Ein kleiner Spaziergang ist jetzt genau das Richtige. Wir überqueren den Highway und erreichen India Point: eine Parkanlage am Wasser, weitläufig und gut besucht.


Die vielen Angler erregen L's Aufmerksamkeit. Er bestaunt deren Ausrüstung und schaut, was wer schon so gefangen hat. Ich strecke mich ein bisschen auf einer Wiese aus und lausche den unterschiedlichsten Geräuschen: laute Musik vom gegenüberliegenden Ufer, Kinderlachen vom Spielplatz, die Rufe der Sport treibenden Jugendlichen usw.


Etwa eine Stunde verweilen wir dort und entspannen in der Spätnachmittagssonne. Dann schlendern wir zurück zum Auto, müssen sogar einen kurzen Schauer hinnehmen, und ich fahre uns auf P's Vorschlag hin zu seiner ehemaligen Praxis. Von dort aus spazieren wir zum Campus der Brown University. Hier herrscht eine ausgelasse Stimmung - ich muss sehr an Monster University denken. Die gesamte Szenerie wirkt wie aus diversen amerikanischen Filmen! Auf dem Rückweg entdecken wir ein interessantes Kunstwerk, das an Alufolie erinnert, aber aus Stahl ist. Dort albern wir eine Weile herum, bis L sich eine schmerzende Schramme zuzieht. Nun aber nach Hause! Wieder lande ich hinter dem Steuer, und P führt mich Richtung Doyle Ave.

Ein schnelles Abendessen, fix etwas aufräumen, L ins Bett bringen - danach verschwinden B und P auf ihren Abendspaziergang, Uli entspannt sich beim Surfen im Internet, und ich nehme eine erfrischende Dusche. Dann ist mein Blog dran, auf keinen Fall möchte ich in Verzug geraten! Nun ist es fast zwölf, ich bin müde und freue mich auf baldige Nachtruhe.

A little trouble in paradise

Samstag,  25.7.15
Wieder beginnt der Tag sehr früh. Ich erwache vom Vogelgezwitscher, welches seltsamerweise ganz anders klingt als bei uns. In der Küche sitzen Uli und L im Gespräch. Uli berichtet mit leuchtenden Augen von der Beobachtung, die er im Morgengrauen machen durfte: zwei Waschbären turnten eifrig an einem Gulli herum und sahen überaus drollig dabei aus. Als ein Polizeiauto vorbei fuhr, blieben sie unbeweglich stehen, bis das Fahrzeug wieder außer Sichtweite war. Mit ihrer Gesichtszeichnung sehen die süßen Tierchen ja aus wie maskierte Banditen - was liegt also näher, als sich vor der Polizei zu verstecken!? L beneidet Uli ein bisschen um diese Beobachtung und beschließt, auch so früh aufzustehen (wir hoffen, er vergisst diesen Plan schnell wieder).

Duschen ist angesagt und danach frühstücken. Dann ist es an der Zeit, sich um die Wäsche zu kümmern, denn in unserem Schrank türmt sich bereits ein ansehnlicher Haufen. Also steige ich in den Keller hinab und befülle die Waschmaschine. Leider tue ich dies ohne Brille, und so landet das Waschmittel im Fach für den Weichspüler. Well... Die Maschine wäscht vor sich hin, und es bleibt mir nichts anderes übrig, als das Ende des Durchlaufs abzuwarten und die Wäsche anschließend erneut zu spülen.


Bei strahlendem Sonnenschein beschließen wir, einen Spaziergang zu unternehmen. Uli möchte am nahegelegen Observatorium die Öffnungszeiten herausfinden, denn ihn interessiert die Ausstattung dieses historischen Gebäudes. Immer Dienstags von 21 bis 22.30 Uhr wird es für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Herrlich ist es, durch die ruhigen Vorstadtstraßen zu wandeln, vorbei an üppig blühenden Pflanzen, welche wir teilweise noch nie gesehen haben. Duftende Lilien in prächtigen Farben erfreuen unsere Augen und Nasen - nur die Flecken, die der Blütenstaub auf meinem Hut hinterlässt, als ich mich über die Pflanze beuge, erfreuen mich ganz und gar nicht!


Ein Schild am Straßenrand erweckt B's Interesse: yard sale. Schnell ist das Haus gefunden, vor dem sich mehrere Tische mit Flohmarktsachen befinden. L und B stöbern in den Kisten herum, und L findet eine Kette mit glitzerndem Anhänger, welche ihn fasziniert. Währenddessen unterhalte ich mich mit den Betreibern - ich liebe diese ungezwungene Art, mit der die Menschen hier aufeinander zugehen. Die Dame des Hauses ist gebürtige Deutsche, Bad Reichenhall der Ort, aus dem sie stammt. L ersteht die ersehnte Kette für nur einen Dollar und ist hoch zufrieden.

Wir schlendern weiter, ich unterhalte mich angeregt mit B, während Uli und P sich über Flohmarkt-Erfahrungen im Allgemeinen und Speziellen austauschen. Schließlich erreichen wir die Seven Stars Bakery, wo Uli und ich unbedingt Cappuccino trinken möchten. Wegen der Hitze werden es Eis-Cappuccini, bestellt auf meinen (speziell für die Kaffeeläden in den USA angenommenen) Kunstnamen Maria - mit Vera braucht man keiner Bedienung zu kommen, wird garantiert nicht richtig verstanden. Es dauert eine Weile, bis wir die Becher erhalten, denn der Laden ist sehr gut besucht, aber dann genießen wir im Weitergehen unsere eisgekühlten Getränke.
Next Stop: Fahrradladen. Uli und ich überlegen, uns Räder für eine kleine Tour zu mieten, Kostenpunkt 35 Dollar pro Tag und pro Rad. Das lassen wir uns noch mal durch den Kopf gehen...

B möchte CVS aufsuchen, einen großen Drogeriemarkt mit angeschlossenem Apothekenbereich, da ihr Inhalator, welchen sie aus Deutschland mitbrachte, hier nicht funktioniert. Leider kann man ihr nicht helfen. Währenddessen suche ich nach einer neuen Zahnbürste und staune erneut über die Preisgestaltung: zwischen 2 und 18 Dollar rangieren die Preise für diese Gebrauchsgegenstände - frappierend! Schließlich entscheide ich mich für ein Doppelpack zu knapp 6 Dollar; B kauft sie für mich mit der Begründung, immerhin habe ihr Mann mich ja quasi zum Neukauf gezwungen, als er meine benutzte.
Das nächste Ziel ist ein Kunstgewerbe-Laden, in dem B Blechobjekte gesehen hat, die sie interessieren. Dort stöbern wir eine Weile herum und wundern uns darüber, was es für absurde Dinge im Angebot gibt: wer würde z.B. Eichhörnchen-Unterhosen kaufen!? Very strange!

L darf aussuchen, wo wir zu Mittag essen wollen und wählt den asiatischen Imbiss vom letzten Mal. Damit sind alle einverstanden, wir finden auch prompt Platz für fünf Personen und widmen uns der Auswahl der Speisen. Ich entscheide mich für Shrimps mit Cashewnüssen und gebratenem Reis, erhalte aber ein völlig anderes Gericht. Also bitte retour. Nächster Versuch: wieder falsch! Es soll wohl nicht sein... Egal, nehme ich eben, was man mir vorsetzt. Das Essen ist Okay, ich maule nicht herum (zumindest nicht so viel), sondern widme mich lieber dem angeregten Gespräch mit unseren Freunden. Es geht um die nach wie vor angespannte häusliche Situation, für die es keine gute Lösung zu geben scheint.

Bestens gestärkt wandern wir zurück gen Unterkunft. Vor der Tür teilt B mir ein paar Sachen mit, die mich irritieren. Sofort ziehe ich mich in mein Schneckenhaus zurück, ich fühle mich bedroht! Sprechen ist mir unmöglich, so verschwinde ich im Keller und nehme vor der Waschmaschine Platz, die den notwendigen erneuten Spülgang absolviert. Weinen möchte ich, so sehr fühle ich mich missverstanden! Nach einer Weile kommt Uli zu mir, er spürt meine Verwirrung und bietet mir den Austausch darüber an. Erst kann ich nicht mit ihm sprechen, es dauert noch eine ziemliche Zeit, bis die Worte aus mir heraus kommen. Derweil ist die Wäsche fertig, wir hängen sie im Hinterhof auf.
Bedrückt bin ich und weiß nicht recht, wie ich mich verhalten soll. Wenn ich emotional betroffen bin, gelingt es mir selten, ruhig und sachlich zu bleiben - für Problemlösungen aller Art eher kontraproduktiv. L möchte Siedler spielen, aber ich erbitte eine Pause, damit ich mich beruhigen kann. Ablenkung hilft mir, und so schreibe ich an meinem Blog weiter. P möchte Siedler lernen und lässt sich von L die Regeln erklären, während Uli ein Nickerchen hält. B sitzt derweil im Auto und liest. Ganz gut so, denn eine Begegnung erscheint mir momentan kaum möglich.
Wir finden uns zu viert am Tisch ein und beginnen zu spielen. Prima Zerstreuung! Schnell komme ich auf andere Gedanken. Als B schließlich erscheint, bin ich schon wieder weitestgehend ruhig und nehme mir vor, sie in einem Moment unter vier Augen noch Mal zu ihren Aussagen zu befragen. Das Spiel plätschert heiter dahin, P lernt schnell - und gewinnt.

Abendessenzeit. L deckt den Tisch, das ist seine feste Aufgabe, die er zu erledigen hat. Uli und ich nehmen die Wäsche ab, die fast komplett getrocknet ist. Währenddessen bereiten B und P das Essen zu. Wir freuen uns über leckere Nudeln mit Sauce und Brot mit Peanutbutter und Jelly (PBJ). Direkt nach dem Essen kriecht L in einen der gemütlichen Sessel, rollt sich noch ein bisschen herum und schläft dann ein - oder tut zumindest so, meinen seine Eltern, die L's Tricks und Kniffe natürlich sehr gut kennen. Sie tragen ihn hoch ins Bett und bitten darum, morgen erinnert zu werden, dass L unbedingt Zähne putzen muss.
Wir beenden das Zusammensein. P und B möchten einen Abendspaziergang unternehmen und verlassen zügig das Haus. Mein Blog muss dringend auf den neusten Stand gebracht werden, Uli schreibt weiter an seinem Buch, und dann sprechen wir noch eine ganze Weile über meine nachmittägliche Verwirrung. Inzwischen habe ich mir einige Gedanken gemacht und bin mir sicher, dass B mich keinesfalls verletzen wollte. Vielleicht frage ich sie morgen... mal schauen, ob sich eine passende Situation ergibt. Draußen tobt das Leben: Saturday Night Fever!  Wir lauschen dem wilden Treiben noch ein wenig, kuscheln uns dann aneinander und fallen sanft in Morpheus' Arme.

Sonntag, 26. Juli 2015

A day at the beach

Freitag,  24.7.15
Es ist noch grauer Morgen, als ich zum ersten Mal die Augen aufschlage - eindeutig viel zu früh, um schon aufzustehen. Uli schleicht sich so leise wie möglich aus dem Zimmer, seine Nächte sind ja stets ein ganzes Stück kürzer als meine.
Ein bisschen schlummere ich noch, träume wirr vor mich hin und erwache eine gute Stunde später ausgeruht und fit für einen neuen, spannenden Tag.
Es duftet nach frischem Kaffee, ich spüre deutlich Hunger und bin fix unten, wo L und Uli bereits auf mich warten. L möchte sofort Siedler spielen, was wir dann auch tun.
Als B und P hinunter kommen und uns am Spieltisch erblicken müssen sie lachen. Während wir weiter spielen, bereiten die beiden Frühstück mit Rührei und Toast. Wir schieben das Spielfeld ein Stück zur Seite, essen schnell und spielen dann weiter. Das Glück ist mir hold, der Sieg ist mein, hurra!

Da uns wieder ein heißer Tag bevor steht, packen wir unsere Taschen für einen Ausflug ans Meer. Es dauert eine Weile, bis alle Dinge zusammen getragen sind, aber gegen elf sind wir abfahrbereit und starten Richtung Atlantikküste. B manövriert das Auto sicher aus Providence heraus und folgt den Anweisungen unserer Routen-Uschi (so nennen wir Uli's Handy-Navi), welche uns dadurch zum Lachen bringt, dass sie alle Straßennamen deutsch ausspricht.
Eine gute Stunde dauert die Fahrt, wir sehen pittoreske Farmhäuser mit einladenden Schildern, welche frische Produkte anpreisen, z.B. Pfirsiche, Tomaten und Mais - sehr verlockend.

In der größten Mittagshitze erreichen wir den Strand von Narragansett. Es handelt sich um einen State Parc, dadurch zu erkennen, dass Eintritt zu zahlen ist. 20 Dollar möchte die Dame von uns haben. Dafür dürfen wir parken und erhalten eine Plastiktüte für unseren Müll. Rauchen ist verboten, das ärgert Uli ziemlich...
Am Strand ist der Teufel los! Es wimmelt nur so von Menschen. Nun ja, kein Wunder bei dem herrlichen Wetter. Der Sand ist besonders fein und ziemlich heiß.


Einladend glitzert der Atlantik - also nichts wie rein in den Badeanzug und ab ins Wasser. Die Temperatur ist genau richtig: wunderbar erfrischend. L und ich planschen herum, und sogar Uli kommt dazu. Eigentlich ist er nicht so ein großer Freund des kalten Wassers, aber die Wärme gibt es absolut her. L findet einige schöne Muscheln und amüsiert sich köstlich darüber, dass ich sie zu vorübergehenden Aufbewahrungszwecken vorne in meinen Badeanzug plumpsen lasse.
Eine ganze Zeit genießen wir das kühle Nass. Gut, dass Uli sich eine Badeshorts angeschafft hatte! Alle Männer tragen Shorts, enge Badehosen sind verpönt. Womöglich wäre er mit seinem Speedo-Slip unangenehm aufgefallen.


P und B liegen in der Sonne und entspannen sich eine Weile, bis P zum Aufbruch drängt: es wird Zeit fürs Mittagessen. Also packen wir unsere Sachen zusammen und besteigen das erhitzte Auto. Zum Glück kühlt die Klimaanlage es schnell auf eine angenehme Temperatur hinunter.
Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten, und schon erreichen wir den Hafen, wo sich ein Fischrestaurant an das andere reiht. Schnell ist die Entscheidung gefallen, wir wählen ein Lokal, welches über eine große Dachterrasse verfügt, von der aus man einen schönen Blick über den Hafen hat.


Die Preise sind happig: für fünf gebackene Coconut-Shrimps mit Orangensauce, Pommes und einem kleinen Napf Cole Slaw legen wir runde 15 Dollar hin. Das Essen ist lecker, die Portionsgröße lässt allerdings Wünsche offen ...


L benimmt sich P gegenüber patzig und frech - da platzt P der Kragen! Er zerrt L hinaus vor die Tür und liest ihm gehörig die Leviten. Es dauert eine Weile, bis die beiden zurück kommen, und man sieht P an, wie sehr ihn diese Auseinandersetzung mitgenommen hat.
L hat sich gewünscht, einen Hummer essen zu dürfen, was ihm erlaubt wird. Stolz bringt er das krebsrote Tier zum Tisch und beginnt, es zu zerstückeln. Voller Interesse nimmt er es auseinander - ich schaue eher skeptisch zu.


Mir ist das zu realistisch und irgendwie ekelig, aber L ist begeistert. Auch B findet den Hummer sehr lecker.


Derweil mache ich mich auf die Suche nach einem Geschäft, wo ich einen Cappuccino bekommen kann. Pustekuchen! Ich finde zwar einen Eis- und Kuchenladen, aber dort gibt es nur normalen Kaffee. Frustriert erstehe ich ein winziges Apfel-Zimt-Küchlein zum horrenden Preis von vier Dollar. Mit zwei Bissen habe ich das Teil verschlungen, und besonders schmackhaft war es auch nicht.


Nach dem Essen wandern wir ein wenig die Straße hinunter und entdecken einen Fischladen. Den muss L unbedingt anschauen. Er bestaunt die vielen lebenden Hummer, Krebse, Muscheln und mehr. Die Tiere fangen an, ihm Leid zu tun, so eng zusammen gepfercht und mit zugebundenen Scheren. Überall finden wir nun Stände und Läden, wo man lebende Hummer, Hummer-Souveniere und sogar Zubehör für den Hummer-Fang erstehen kann.


An einem Stand ist ein besonders ambitionierter Verkäufer, welcher uns ein Prachtstück von Hummer zeigt: gut 60 Jahre ist das Tier alt und runde 10 Pfund schwer. Es bedrückt L, dass dieser prächtige Gesell bald in einem Kochtopf oder auf einem Grill sein Leben lassen wird. Ich kann L's Gefühle nachvollziehen.


Wir klettern ins Auto und fahren zurück zum Strand, um dort noch ein wenig zu relaxen. Mich zieht der Ozean erneut magisch an, und ein paar Augenblicke später liege ich wieder im kühlen Wasser. Herrlich! L kommt dazu und hüpft fröhlich herum.


Der Himmel bewölkt sich zusehends, direkt bedrohlich wirken die dunkelgrauen Wolkenberge, welche immer näher kommen. Wir packen schnell zusammen, und kaum haben wir unser Auto erreicht, beginnt es zu regnen.
B wünscht sich ein Strandlied - ich kenne leider keins. L beginnt auf "Strand" zu rappen, und ich stimme ein. Wir reimen wild herum, haben jede Menge Spaß, und schon sind wir mitten im schönsten Singen. Alle Beatles-Songs, die uns in den Kopf kommen, werden intoniert. So vergeht die Rückfahrt wie im Flug und macht uns obendrein ein riesiges Vergnügen.

Zu Hause angekommen stellen wir fest, dass weder Brot noch Espresso für morgen früh vorhanden sind. Also fahren Uli und ich zum Whole Foods und besorgen die fehlenden Dinge plus ein bisschen Obst, Aufschnitt, Tee und Sojamilch. Stolze 60 Dollar verlangt man an der Kasse von uns - so schön dieser Laden ist und so hochwertig die Waren sein mögen, alltagstauglich ist er wahrlich nicht!
Als wir wieder zurück kommen, berichten B und P, dass L einfach eingeschlafen ist. Seeluft macht müde. Uns übrigens auch, und nach einem schnellen Abendessen begeben wir uns in unsere Zimmer. Uli und ich führen noch eine kleine Diskussion über Authentizität, und eigentlich wollte ich auch noch mein Blog schreiben, aber da meine Augen brennen, verschiebe ich das Schreiben auf morgen und lege mich lieber schlafen.