Wieder beginnt der Tag sehr früh. Ich erwache vom Vogelgezwitscher, welches seltsamerweise ganz anders klingt als bei uns. In der Küche sitzen Uli und L im Gespräch. Uli berichtet mit leuchtenden Augen von der Beobachtung, die er im Morgengrauen machen durfte: zwei Waschbären turnten eifrig an einem Gulli herum und sahen überaus drollig dabei aus. Als ein Polizeiauto vorbei fuhr, blieben sie unbeweglich stehen, bis das Fahrzeug wieder außer Sichtweite war. Mit ihrer Gesichtszeichnung sehen die süßen Tierchen ja aus wie maskierte Banditen - was liegt also näher, als sich vor der Polizei zu verstecken!? L beneidet Uli ein bisschen um diese Beobachtung und beschließt, auch so früh aufzustehen (wir hoffen, er vergisst diesen Plan schnell wieder).
Duschen ist angesagt und danach frühstücken. Dann ist es an der Zeit, sich um die Wäsche zu kümmern, denn in unserem Schrank türmt sich bereits ein ansehnlicher Haufen. Also steige ich in den Keller hinab und befülle die Waschmaschine. Leider tue ich dies ohne Brille, und so landet das Waschmittel im Fach für den Weichspüler. Well... Die Maschine wäscht vor sich hin, und es bleibt mir nichts anderes übrig, als das Ende des Durchlaufs abzuwarten und die Wäsche anschließend erneut zu spülen.
Herrlich ist es, durch die ruhigen Vorstadtstraßen zu wandeln, vorbei an üppig blühenden Pflanzen, welche wir teilweise noch nie gesehen haben. Duftende Lilien in prächtigen Farben erfreuen unsere Augen und Nasen - nur die Flecken, die der Blütenstaub auf meinem Hut hinterlässt, als ich mich über die Pflanze beuge, erfreuen mich ganz und gar nicht!
Ein Schild am Straßenrand erweckt B's Interesse: yard sale. Schnell ist das Haus gefunden, vor dem sich mehrere Tische mit Flohmarktsachen befinden. L und B stöbern in den Kisten herum, und L findet eine Kette mit glitzerndem Anhänger, welche ihn fasziniert. Währenddessen unterhalte ich mich mit den Betreibern - ich liebe diese ungezwungene Art, mit der die Menschen hier aufeinander zugehen. Die Dame des Hauses ist gebürtige Deutsche, Bad Reichenhall der Ort, aus dem sie stammt. L ersteht die ersehnte Kette für nur einen Dollar und ist hoch zufrieden.
Wir schlendern weiter, ich unterhalte mich angeregt mit B, während Uli und P sich über Flohmarkt-Erfahrungen im Allgemeinen und Speziellen austauschen. Schließlich erreichen wir die Seven Stars Bakery, wo Uli und ich unbedingt Cappuccino trinken möchten. Wegen der Hitze werden es Eis-Cappuccini, bestellt auf meinen (speziell für die Kaffeeläden in den USA angenommenen) Kunstnamen Maria - mit Vera braucht man keiner Bedienung zu kommen, wird garantiert nicht richtig verstanden. Es dauert eine Weile, bis wir die Becher erhalten, denn der Laden ist sehr gut besucht, aber dann genießen wir im Weitergehen unsere eisgekühlten Getränke.
Next Stop: Fahrradladen. Uli und ich überlegen, uns Räder für eine kleine Tour zu mieten, Kostenpunkt 35 Dollar pro Tag und pro Rad. Das lassen wir uns noch mal durch den Kopf gehen...
B möchte CVS aufsuchen, einen großen Drogeriemarkt mit angeschlossenem Apothekenbereich, da ihr Inhalator, welchen sie aus Deutschland mitbrachte, hier nicht funktioniert. Leider kann man ihr nicht helfen. Währenddessen suche ich nach einer neuen Zahnbürste und staune erneut über die Preisgestaltung: zwischen 2 und 18 Dollar rangieren die Preise für diese Gebrauchsgegenstände - frappierend! Schließlich entscheide ich mich für ein Doppelpack zu knapp 6 Dollar; B kauft sie für mich mit der Begründung, immerhin habe ihr Mann mich ja quasi zum Neukauf gezwungen, als er meine benutzte.
Das nächste Ziel ist ein Kunstgewerbe-Laden, in dem B Blechobjekte gesehen hat, die sie interessieren. Dort stöbern wir eine Weile herum und wundern uns darüber, was es für absurde Dinge im Angebot gibt: wer würde z.B. Eichhörnchen-Unterhosen kaufen!? Very strange!
L darf aussuchen, wo wir zu Mittag essen wollen und wählt den asiatischen Imbiss vom letzten Mal. Damit sind alle einverstanden, wir finden auch prompt Platz für fünf Personen und widmen uns der Auswahl der Speisen. Ich entscheide mich für Shrimps mit Cashewnüssen und gebratenem Reis, erhalte aber ein völlig anderes Gericht. Also bitte retour. Nächster Versuch: wieder falsch! Es soll wohl nicht sein... Egal, nehme ich eben, was man mir vorsetzt. Das Essen ist Okay, ich maule nicht herum (zumindest nicht so viel), sondern widme mich lieber dem angeregten Gespräch mit unseren Freunden. Es geht um die nach wie vor angespannte häusliche Situation, für die es keine gute Lösung zu geben scheint.
Bedrückt bin ich und weiß nicht recht, wie ich mich verhalten soll. Wenn ich emotional betroffen bin, gelingt es mir selten, ruhig und sachlich zu bleiben - für Problemlösungen aller Art eher kontraproduktiv. L möchte Siedler spielen, aber ich erbitte eine Pause, damit ich mich beruhigen kann. Ablenkung hilft mir, und so schreibe ich an meinem Blog weiter. P möchte Siedler lernen und lässt sich von L die Regeln erklären, während Uli ein Nickerchen hält. B sitzt derweil im Auto und liest. Ganz gut so, denn eine Begegnung erscheint mir momentan kaum möglich.
Wir finden uns zu viert am Tisch ein und beginnen zu spielen. Prima Zerstreuung! Schnell komme ich auf andere Gedanken. Als B schließlich erscheint, bin ich schon wieder weitestgehend ruhig und nehme mir vor, sie in einem Moment unter vier Augen noch Mal zu ihren Aussagen zu befragen. Das Spiel plätschert heiter dahin, P lernt schnell - und gewinnt.
Abendessenzeit. L deckt den Tisch, das ist seine feste Aufgabe, die er zu erledigen hat. Uli und ich nehmen die Wäsche ab, die fast komplett getrocknet ist. Währenddessen bereiten B und P das Essen zu. Wir freuen uns über leckere Nudeln mit Sauce und Brot mit Peanutbutter und Jelly (PBJ). Direkt nach dem Essen kriecht L in einen der gemütlichen Sessel, rollt sich noch ein bisschen herum und schläft dann ein - oder tut zumindest so, meinen seine Eltern, die L's Tricks und Kniffe natürlich sehr gut kennen. Sie tragen ihn hoch ins Bett und bitten darum, morgen erinnert zu werden, dass L unbedingt Zähne putzen muss.
Wir beenden das Zusammensein. P und B möchten einen Abendspaziergang unternehmen und verlassen zügig das Haus. Mein Blog muss dringend auf den neusten Stand gebracht werden, Uli schreibt weiter an seinem Buch, und dann sprechen wir noch eine ganze Weile über meine nachmittägliche Verwirrung. Inzwischen habe ich mir einige Gedanken gemacht und bin mir sicher, dass B mich keinesfalls verletzen wollte. Vielleicht frage ich sie morgen... mal schauen, ob sich eine passende Situation ergibt. Draußen tobt das Leben: Saturday Night Fever! Wir lauschen dem wilden Treiben noch ein wenig, kuscheln uns dann aneinander und fallen sanft in Morpheus' Arme.
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