Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Donnerstag, 27. März 2014

Trying to get used to it

Deprimiert bin ich. Nichts interessiert mich wirklich, möchte nur schlafen, liegen, träumen...
Wenn mein Schatz mir die Fortschritte an seinem Califonia-Film zeigt, dann laufen sofort die Tränen. I miss it so much ! Es war eine fantastische Reise, viel zu kurz, alles viel zu schnell vorbei. Heute bin ich traurig darüber, dass ich dort so wenig entspannt sein konnte, mir ständig Sorgen um das blöde Geld machen musste - wie überflüssig.
Es war nicht das letzte Mal, soviel ist gewiss. Und dieser Gedanke treibt mich immerhin ein bisschen an, bringt mich dazu, das Haus zu verlassen und nach Freude zu suchen.

Montag, 24. März 2014

Reality strikes back

Donnerstag, 20.3.
Ein bisschen schlafen konnte ich tatsächlich, trotz Enge und Turbulenzen. Insofern war ich einigermaßen ausgeruht. Ein wunderbarer Blick über England, fast unwirklich, hatte uns einige Zeit in Atem gehalten, und nun, kurz vor dem Landeanflug auf Düsseldorf, ging brandrot die Sonne auf.


Es wurde noch ein schnelles Frühstück serviert, ein toller Ausblick inklusive Rhein verwöhnte uns, der Himmel klar und wolkenlos - wie schön ! Meine Ohrenschmerzen hielten sich in Grenzen, so dass die Landung direkt erträglich war (wenn auch die Gewissheit, endgültig in Deutschland angekommen zu sein, einen ziemlichen Druck im Magen bewirkte).
Bye bye amerikanisch, hallo deutsch. Ein letztes Mal "have a good day" zu den netten Stewardessen, danach unmittelbarer Wechsel in rheinisches Platt. Uli konnte da recht gut mithalten, aber ich war nur genervt und traurig.
Wir sammelten unsere Koffer ein, und los ging die Suche nach dem Anschlussflug. Aus uns nicht bekannten Gründen hatten wir in San Diego nur Bordkarten bis Düsseldorf erhalten, daher mussten wir jetzt einen Air Berlin-Schalter suchen, um erneut einzuchecken. Keine leichte Aufgabe mit dem schweren Gepäck und dem wenig hilfsbereiten Flughafenpersonal. Schließlich tafen wir am richtigen Schalter ein. Mittelschwere Unruhe: "Wir hatten Sie für den Flug um 6.50 Uhr gebucht !" "Unsere Unterlagen sagen aber eindeutig 8.35 Uhr !" Tja, was nun ?! Die Dame am Schalter führte diverse Telefonate, verdrehte die Augen, bat um Verzeihung, seufzte und stöhnte, telefonierte erneut, fragte Kollegen, tippte aufgeregt in ihren Computer... zum Glück waren noch fast 2 Stunden Zeit bis zum Abflug, ich wäre sonst ziemlich nervös geworden. Zu guter Letzt wurde unser Gepäck dann doch weg befördert, und wir erhielten unsere Bordkarten. Erst mal vor die Tür, Nikotin nachtanken. Uli saß seit Chicago auf dem Trockenen und wurde langsam unruhig.
Erheblich gelassener konnten wir danach den Duty Free-Shop aufsuchen, wo ich für Till Zigaretten kaufen wollte - Pustekuchen ! Das hätte ich in Chicago tun müssen, jetzt war es zu spät, da wir uns bereits auf deutschem Boden befanden. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.
In der Wartezone für den Flug nach Hamburg bestaunte ich die vielen wichtigen Business-Gestalten mit ihren Köfferchen, Kostümen, Smartphones und dem unvermeidlichen Heißgetränk to go. Es fiel mir schwer, mir Susanne unter diesen stereotyp wirkenden Personen vorzustellen, irgendwie wollte sie nicht recht dazwischen passen.

Pünktlich hob der Flieger ab, ein blitzsauberer Airbus, neu und modern. Freundliche Stewardessen servierten sofort Getränke und warme Rosinenbrötchen, kaum lohnend für die 40 Minuten Flugzeit, aber dankbar akzeptiert.
Dann erreichten wir Hamburg. OK, nun war es endgültig - wir waren quasi zuhause. Das Gepäck erschien vollständig und wohlbehalten auf dem Laufband, nur noch schnell durch den Zoll. Und da stand auch schon unsere liebe Boni, freudig-strahlend begrüßte sie uns, dazu Sonnenschein und blauer Himmel; extra für uns, damit wir nicht sofort umkehren. In flotter Fahrt ging es Richtung downtown HH, wo wir eine ganze Weile auf der Grindelallee in einem Café zusammen saßen und uns gegenseitig auf den neuesten Stand brachten. Die Servicewüste Deutschland machte ihrem Namen alle Ehre, so fiel die Realität direkt mit der Tür ins Haus. Die Müdigkeit bewirkte, dass wir uns wie in Watte fühlten, alles schien verlangsamt und strengte an. Gegen halb eins verabschiedete Boni uns am Bahnhof, der Zug stand abfahrbereit da, was für ein Glück. Auf der Fahrt nach Lübeck fielen uns immer wieder die Augen zu, und wir sehnten uns danach, endlich alle Viere von uns strecken zu dürfen. In Lübeck erwartete uns der Anschlusszug auf dem Nachbargleis, kein weites Geschleppe mit den schweren Gepäckstücken nötig - wie herrlich.
Flugs war auch Bad Schwartau erreicht, heimatliche Gefilde... nun nur noch das kleine Waldstück bewältigen. Wir torkelten Richtung Bismarckstraße, trafen gleich ein paar Lumpis (wie üblich) und waren sehr erleichtert, in unserer Wohnung endlich die schweren Sachen abstellen zu können.
Das Chaos hielt sich in Grenzen - bis auf einen großen Schmutzwäsche-Berg, zu dem sich nun auch noch ein weiterer Haufen aus unserer Reisetasche gesellte. Schnell eine Maschine starten, die Koffer auspacken, den eben nach Hause kommenden Till inklusive Anhang begrüßen und dann erst mal hinlegen. Schlafen wollte ich eigentlich nicht, von wegen Zeitverschiebung und dann nachts wach liegen... aber keine Chance ! Die Erschöpfung holte mich direkt ein, und mir fielen die Augen zu. 18 Stunden lang sollte ich sie geschlossen halten, unterbrochen nur durch zwei Anrufe und ein paar Schlucke Wasser.
Mit dröhnendem Schädel erwachte ich am Freitag Nachmittag, um sofort mit den unerfreulichen Neuigkeiten konfrontiert zu werden, die in der Zwischenzeit hier aufgelaufen waren - herzlich willkommen in der Realität !


Donnerstag, 20. März 2014

This is the end

Dienstag und Mittwoch, 18. und 19.3.
Unser letzter Tag brach mit dem schönsten Sonnenschein an, quasi ein Abschiedsgeschenk, welches uns sofort seufzen ließ und den Wunsch, noch ein paar Wochen hier bleiben zu wollen, extrem verstärkte.
Da es bereits halb zehn war, beeilten wir uns mit waschen und packen, um bloß keine kostbare Zeit im dunklen Motelzimmer zu vergeuden.


Ein weiteres Mal wollten wir Margie’s Diner aufsuchen, also fuhren wir ein Stück auf der 101 zurück Richtung Norden. Der Kaffee ging so, das Teewasser war lauwarm, die beiden Omelettes waren zwar kaum zu bewältigen, aber leider nur mäßig lecker, die Kartoffeln blieben wegen Ungenießbarkeit komplett liegen - auch hier starb heute ein Mythos.


Ausreichend gesättigt ging es nun auf dem Highway 101 Richtung Süden, rechts von uns der herrliche Pazifik, links die sanften Hügel in mildem Grün, fast flauschig anzusehen. Dazwischen immer wieder große orange Flecken: California Poppy, die offizielle Staatsblume von Kalifornien, pflücken unter Strafe verboten.


In einem Supermarkt in Lompoc fanden wir dann auch endlich die gewünschten Twinkies für Sascha; das war die letzte Chance, ansonsten hätten wir die Suche aufgegeben.


Heftig warm war es inzwischen, und als Carpinteria auftauchte, verspürten wir große Lust, ein wenig am Strand herum zu laufen. Die Brandung war so einladend, der Sand so warm, und ich hatte Badezeug im Koffer… was lag näher, als fix mal in die Fluten zu springen ?! Gesagt, getan. Es fand sich ein öffentlicher Umkleidebereich, und kurze Zeit später eilte ich quietschend vor Wonne ins kühle Wasser. 


Diese Wucht der Wellen - enorm ! Kein Vergleich zur zahmen Ostsee. Ich ging nur bis knapp zur Hüfte hinein, mein Respekt vor der Sogwirkung war groß. Trotzdem schaffte die Brandung es, mich umzuwerfen und meine Haare, die eigentlich trocken bleiben sollten, komplett zu durchnässen. 
Der Salzgehalt war auch recht kräftig, insofern war ich nach dem Bad über die Duschen am Umkleideraum dankbar. An unseren Füßen entdeckten wir dicke schwarze Placken: Öl. Eklig - und gar nicht so einfach zu entfernen.

In der Ortsmitte fand sich ein Starbucks, und wir freuten uns über Espresso bzw. Caramel Flan Frappuccino.
Jetzt aber nichts wie weiter, immerhin waren es noch runde 200 Meilen bis San Diego, die Uhrzeit war schon fortgeschritten, und wir mussten ja auch irgendwie den Moloch Los Angeles mit seinem Mörderverkehr bewältigen. 
Wir folgten nun dem Highway 1, welcher zwar länger dauert, aber so unglaublich schön ist, dass es eine Sünde wäre, ihn nicht zu fahren. Auf dem Ventura Highway war es schwer, nicht in Freudentränen auszubrechen - und es gelang uns auch gar nicht !


Es folgten Santa Barbara, Malibu und Santa Monica mit herrlichen Stränden und beeindruckenden Häusern. Der Verkehr wurde immer dichter, je näher wir L.A. kamen, und prompt erwischten wir auch die Rushhour… nun ja, ich hatte es befürchtet. Aber für das berauschende Bad im Pazifik nahm ich den Stop and Go-Verkehr, der uns ziemlich ausbremste, gerne in Kauf. 
Als die Sonne sich senkte, entschieden wir, den Highway 1 zu verlassen und auf die erheblich schnellere Interstate 5 zu wechseln. 


Mir wurde mit einem Mal übel, und so übernahm Uli das Steuer, während ich mich auf dem Beifahrersitz zusammen rollte und ein halbes Stündchen schlief. Als ich erwachte, befanden wir uns schon kurz vor San Diego - ein Glück. 
Das Motel war schnell gefunden, denn wir hatten es bereits zu Beginn der Reise gesehen und konnten uns an den Weg dorthin erinnern. Als erstes bewältigen wir den Aufstieg in den vierten Stock mit all unserem Gepäck, denn nun war es an der Zeit, alles so zusammen zu fügen, dass es auf dem morgigen Flug bequem und sinnvoll ist. Wir gerieten bei dieser Aufgabe ganz schön ins Schwitzen, was einerseits an der hohen Temperatur im Motelzimmer lag und andererseits an dem Zuwachs an Gepäck: 2 Paar Schuhe, 3 Jeans, 1 Sweater, 1 Poster, 1 Buch, mehrere große Boxen mit Süßigkeiten, die vielen Tüten Skittles und diverse andere Kleinigkeiten… zum Glück hatten wir ja weise vorausschauend eine geräumige Reisetasche mitgenommen, und diese wurde jetzt prall gefüllt und mit einem Extragurt gegen Aufplatzen gesichert.

Als alles verstaut war, merkten wir, wie hungrig wir waren. Seit dem üppigen Frühstück um elf hatten wir ausser Getränken nichts mehr zu uns genommen. Das Auto musste eh vollgetankt zurück gegeben werden, also beschlossen wir, dies sofort zu tun und gleichzeitig etwas zu essen zu suchen. Eine Weile irrten wir umher, aber schließlich wurden beide Ziele erreicht. Es fand sich allerdings nur ein Jack in the box, wo wir ein Grilled Sandwich und ein paar Chicken Nuggets erstanden. Mit den erbeuteten Sachen eilten wir ins Motel zurück und nahmen unser karges Mahl ein. Mir ging es nun zusehends besser, womöglich war ich einfach unterzuckert?! Der Wecker war auf viertel vor vier gestellt, aus diesem Grund duschten wir lieber noch heute Abend und gingen dann schnell ins Bett (immerhin war es schon kurz vor zwölf). 

Ich schlief auch ziemlich gut ein, wurde aber nach kurzer Zeit wieder wach und wälzte mich unruhig im Bett umher. Meine Gedanken kreisten um alle möglichen Eventualitäten… was, wenn der Wecker nicht funktioniert ?! Was, wenn wir auf dem Weg zum Flughafen einen Unfall haben ?! Was, wenn zuhause schlimme Dinge passiert sind ?! Und so weiter - mit dem Ergebnis, dass ich gar nicht mehr einschlief. Entsprechend gerädert war ich, als der Wecker (natürlich) brav klingelte ! Da alles transportfertig bereit stand, tranken wir nur schnell unsere Heißgetränke und brachen dann, vom Navi sicher geführt, Richtung Flughafen auf. Nur 10 Minuten dauerte die Fahrt durch das nächtliche San Diego. Zuerst musste der Mietwagen zurück gegeben werden. Uli schrie entsetzt auf, als ich in die Einfahrt einbog, denn auf dem Boden waren spitze Metallzacken, die nur in eine Richtung ohne Reifenschaden zu bewältigen sind - und er dachte einen schrecklichen Moment lang, wir führen in die falsche Richtung. Mir blieb bei seinem Aufschrei fast das Herz stehen, aber immerhin war ich danach hellwach. Daraufhin fuhr ich kopflos in die nächste Parklücke und lief in das Gebäude, wo wir den Wagen gemietet hatten. Eine einsame Dame schaute mich irritiert an und fragte, ob denn niemand in der Rückgabe-Station sei ?! Oh sorry, die hatte ich leider völlig übersehen. Also zurück zum Auto und selbiges zur Rückgabestation manövrieren, wo ein netter junger Mann unser Fahrzeug entgegen nahm. Sein Kopfschütteln über meine Hektik war nur leicht angedeutet wahrzunehmen. Tschüs, Du braves Gefährt. Knapp 3900 Meilen (ca. 6270 km) weit hatte es uns durchs Land getragen. 
Ein Shuttle sammelte uns ein und setzte uns eine ganze Ecke entfernt von dem Bereich der American Airlines ab. Also hieß es, die schweren Gepäckstücke dorthin zu bewegen; drei davon hatten zum Glück Rollen. Wir waren schon ein bisschen spät dran für die geforderten 2 1/2 Stunden vor dem Abflug, es waren nur noch 1 1/2 Stunden, was mich sehr nervös werden ließ - und meine Nägel litten entsprechend. Aber wie es immer so ist: alles kein Problem, alles prima, nichts los. All meine Aufregung war wieder mal umsonst. Unser großer Koffer und die Reisetasche verschwanden auf dem Gepäckband, und wir marschierten erleichtert zum Security Check, wo wir gründlich durchgescannt wurden.
Das Abfluggate war schnell gefunden, Zeit genug vorhanden -> Entspannung trat ein, und so gönnten wir uns einen wunderbar-heißen, aromatisch-frischen Kaffee vom benachbarten Starbucks. 
Das Flugzeug war komplett ausgebucht, so dass wir unsere kleinen Trolleys aufgeben mussten. Nur schnell das Kissen und meine Lektüre entnehmen, und danach hatten wir nur noch unsere Rucksäcke… auch nicht schlecht. Eine kleine 737 flog uns aus unserem geliebten Kalifornien fort, unnötig zu erwähnen, dass die Tränen heftig liefen. Da wir am Fenster saßen, konnten wir die Wüsten, die Bergketten, Salton Sea, die schnurgeraden Highways, Blythe und den Übergang nach Arizona noch mal betrachten, aus 10000 Meter Höhe, bei wolkenlosem Himmel. Ja, dieses Land hat unsere Herzen fest im Griff !

Nach gut dreieinhalb Stunden Flugzeit erreichten wir Chicago. Eine dicke Wolkendecke lag über der Stadt, grau und trüb empfing sie uns, womöglich ein Vorgeschmack auf Hamburg ?


Brrrr, uns schauderte ! Die Menschen waren gar nicht mehr so freundlich, Lächeln gehört hier nicht zum normalen Umgang - Kalifornien ist eben in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmestaat. 

Über drei Stunden Zeit bis zum nächsten Flug Richtung Düsseldorf… erst mal rauchen gehen, meinte Uli. Zu diesem Zweck mussten wir das Flughafengebäude verlassen und danach erneut durch den Security Check. Diesen Spaß gönnten wir uns nur ein Mal. Dann eben essen. Eine Mini-Pizza mit Spinat und Tomaten für satte 8,50 Dollar - Flughafenpreise. Ein paar Dollar hatten wir noch, also gab es hinterher noch einen Espresso und einen Mango-Ananas-Smoothie.
Beim Warten auf den Weiterflug nickte ich immer wieder ein, die vergangene Nacht war einfach zu kurz gewesen.
Gegen halb vier durften wir die nächste Maschine besteigen: eine 767 älteren Baujahrs. Schäbig das Innere, aber mit ausreichend Platz, da nicht ausgebucht. Und so sitze ich hier in der letzten Reihe am Fenster, Uli vor mir, wir haben jeder zwei Plätze für uns alleine, und eben geht die Sonne unter. 

Und gleich, wenn ich diesen Text fertig habe, werde ich mich auf mein Kissen kuscheln und versuchen, ein wenig zu schlafen. Das ist wahrer und unerwarteter Luxus ! Morgen früh gegen sechs sind wir dann wieder auf deutschem Boden - wir sehen diesem Umstand mit sehr gemischten Gefühlen entgegen.

Now it's almost over

Montag, 17.3.
Wir schliefen wie Steine bis kurz vor halb zehn - kein Wunder nach dem langen, anstrengenden Tag gestern. Als wir unseren Raum verließen, wartete Curt bereits auf uns. Er musste zur Arbeit und wollte uns auf jeden Fall noch verabschieden. Eine herzliche Umarmung, ein Dankeschön, ein „Ich liebe Euch“ - und weg war er. Bianca bereitete Frühstück zu (Toast, Kaffee und Tee), und dann erschien auch Sina auf der Bildfläche. Wir saßen eine ganze Weile zusammen und sprachen die anstehenden Entscheidungen durch, während Bianca Muffins buk.

Es wurde Zeit, unsere Koffer zu packen. Die Routine der letzten Wochen half uns, dies schnell zu erledigen. Als wir fertig waren, kam Sina mit Abschiedsgeschenken: ein Buch für mich und ein Poster für Uli. Lieb von ihr ! Ein weiterer Beleg dafür, dass sich etwas verändert hat.
Gegen halb eins war es soweit: Abschied nehmen war angesagt. Sina weinte, als wir sie in den Arm nahmen. Bianca packte uns noch 6 von den frischen Muffins ein und drückte uns herzlich. Beide begleiteten uns nach draussen und winkten, bis wir abgefahren waren. Mit einem großen Seufzen verließen wir Ripon.


Der Highway 99 sollte uns die nächsten Stunden Richtung Süden führen. Von Feldern und Plantagen umgeben, fuhren wir schweren Herzens voran. Ein letztes Mal besuchten wir In-N-out-Burger, aber die Mahlzeit wollte nicht so recht schmecken…
Das Central Valley zog sich hin. Wir genossen die Sonne und den Anblick der schneebedeckten Berge, hinter denen sich Yosemite verbarg.


An einem K-Mart in Kingsburg hielten wir an, weil Uli Kaffeedurst verspürte und ich Monatshygiene benötigte. Es schockierte mich einigermaßen, dass ein paar Binden und Tampons über acht Dollar kosteten, und wir diskutierten darüber, warum solche Produkte, welche Grundbedürfnisse abdecken, nicht preisgünstiger oder gratis zur Verfügung stehen. Der Kaffee stellte sich als überaus scheußlich heraus, und so blieb der volle Becher direkt auf dem Parkplatz stehen.
In Visalia entdeckten wir einen Marie Callender’s, wo ich früher oft und gerne Kuchen gekauft hatte. Wir versorgten uns mit frischem Kaffee (viel besser !) und zwei Stücken extra-leckerem Cheesecake.

Als endlich Bakersfield auftauchte, senkte sich die Sonne bereits, und wir hatten noch ein ganzes Stück Strecke Richtung Westen zu bewältigen… Da nun eine wenig besiedelte Gegend folgen würde, tankten wir vorsichtshalber einige Gallonen nach - man weiß ja nie.


Die 166 Richtung Westen war unsere nächste Route. Rechts und links von der Straße tauchten zwischen den Obstplantagen Ölförderanlagen auf. Es lag ein süßer Duft in der Luft, vermutlich von den verblühenden Orangenbäumen. 


Die Bereiche, wo sich keine Plantagen befanden, waren öd und leer. Staub wurde vom Wind herumgewirbelt, die Trockenheit war enorm. Kalifornien erlebte gerade die größte Dürre seit langem, was auch die Schilder am Straßenrand erklärte: Pray for rain. Ausgetrocknete Flussbetten überquerten wir, in denen bereits Sträucher wuchsen. Für die Kornkammer Amerikas und deren Farmer eine echte Krise, denn die künstliche Bewässerung kostet immense Summen und gefährdet obendrein das ökologische Gleichgewicht.


Die schnurgerade 166 wurde in Maricopa vorübergehend zur kurvigen 33. Wir erklommen in Serpentinen eine sanfte Hügelkette. Die untergehende Sonne färbte die Landschaft herrlich ein - oh, wie werden wir diese Naturschauspiele vermissen !


Es ging stetig voran, inzwischen in völliger Dunkelheit. Dennoch war das Fahren kein Problem, denn die Straße war nicht sonderlich kurvenreich und obendrein überaus gut ausgebaut. Die Reflektoren auf dem Mittelstreifen leiteten uns deutlich und damit sehr sicher.


Gegen neun erreichten wir schließlich unser Motel in Arroyo Grande - wieder indisch, mit einem jungen Mann hinterm Tresen, der sofort Uli’s Om-Zeichen auf seiner Halskette bewunderte. Fix holte er seine eigene Kette unter dem T-Shirt hervor: er trug das selbe Symbol um den Hals.
Wir bezogen unseren einfachen, aber zweckmäßigen Raum und machten uns noch einmal auf den Weg, um Abendessen zu erstehen. In einem Supermarkt suchten wir erst mal nach Sascha's Twinkies -> leider ohne Erfolg. Dann war das Abendessen dran. Wir entschieden uns für Tiefkühl-Fertiggerichte, nicht besonders lecker, aber günstig und mit Hilfe der Mikrowelle schnell zubereitet.
Nach dem Essen musste ich dringend an den Computer, um eMails zu beantworten und den Rückstand im blog aufzuholen, immerhin hinkte ich schon einen ganzen Tag hinterher.

Bis kurz nach Mitternacht war ich noch mit Schreiben beschäftigt, dann holte uns die Müdigkeit ein, und das (etwas abgewrackte) Bett nahm uns gnädig auf.

Dienstag, 18. März 2014

... and we will be back, that's for sure !

Sonntag, 16.3.
Herrlicher Sonnenschein drang durch unsere Gardinen, und die Vögel zwitscherten laut und vernehmlich, als unsere Nacht gegen halb neun ein Ende fand. Da heute ein Ausflug nach San Francisco geplant war, sprang ich wie ein Wiesel aus dem Bett und war in Windeseile abfahrbereit.
Allerdings musste ich noch eine ganze Weile warten, bis alle fertig zum Aufbruch waren... aber gegen halb elf ging es los. Wieder saßen wir zu dritt auf der Rücksitzbank, so langsam entwickelten wir Routine im Hineinpferchen.
Erster Stopp: Black Bear Diner, Curt's Lieblingslokal, also hatten wir zum Frühstück dorthin eingeladen. Runde 20 Minuten Wartezeit galt es zu überbrücken, der Andrang war groß, typisch für einen Sonntag. Ich entdeckte einen hübschen Becher, der einen Bären mit Gitarre zeigte, also erstand ich ihn und überraschte Curt damit.
Das Frühstück fiel üppig aus, und die Lautstärke um uns herum grenzte an Körperverletzung - unglaublich ! Von daher war es fast eine Erholung, als wir uns wieder ins Auto quetschen durften. Sina schlief direkt ein, während wir Musik hörten, plauderten und lachten.
Je näher wir der Stadt der Städte kamen, desto stiller wurde ich; und als schließlich die Bay Bridge vor uns auftauchte, liefen meine Tränen haltlos. Oh, wie berührt mich der Anblick dieser wundervollen Stadt immer wieder aus's Neue, es geht mir direkt ins Herz !

Curt fuhr uns auf Umwegen in den Hippie-Stadtteil Haight-Ashbury. Dort parkten wir und wanderten eine Zeitlang herum. Der Sommer der Liebe 1967 schien hier nach wie vor lebendig. So viele wilde Gestalten, überall Marihuana-Geruch in der Luft, und die Auswahl an besonderen Geschäften war enorm. Wir ließen uns treiben und genossen die bunte Umgebung.


Drei fast völlig nackte Männer, nur mit einem winzigen Tuch über den Genitalien, erregten unsere Aufmerksamkeit. Sie gingen aufreizend langsam zwischen den vielen Passanten herum und erfreuten sich an den Reaktionen. Für Fotos posierten sie geduldig. So etwas hatten wir noch nie gesehen !

Nach einem Kaffee waren wir bereit für die nächste Station: ein Outdoor-Laden downtown, in dem Bianca und Curt gerne einkaufen. Dort erstand ich fast einen Rucksack, bis mir einfiel, dass ich ja noch zwei Rucksäcke zuhause liegen habe. Sonderangebote verführen so zu Kopflosigkeiten ! Nur gut, dass wir ziemlich lange auf Bianca und Sina warten mussten, denn in dieser Zeit kam ich zu mir und hängte den Rucksack, den ich bereits heimelig auf dem Schoß liegen hatte, schleunigst zurück.

Ein weiterer Kaffee für Curt musste sein, dem die letzten Tage in den Knochen steckten, genossen in einem Laden mit eigener Rösterei. Der Duft, der in der Luft lag, war sehr angenehm und überaus würzig.
Danach fuhr Curt mit uns in ein Parkhaus am Union Square, wo er sich sofort in Liegeposition begab und um eine halbe Stunde Ruhe bat. Wir wanderten derweil durch die Straßen und überlegten, was wir tun wollen. Mich lachte ein Cheesecake-Lokal an, aber nach Betrachten der Speisekarte mochte ich nichts mehr dort verzehren. 7,95 Dollar für ein Stück Kuchen - nein, beim besten Willen nicht ! Wir beschlossen, einen nahegelegenen Jack in the box aufzusuchen, denn dort gibt es auch Cheesecake, allerdings für 1,99 Dollar.
Ein kalter Wind pfiff durch die Straßen, und ich in kurzen Ärmeln und ohne Jacke... typisch Tourist, daran erkennt man sie in SF -> nicht warm genug angezogen. 


Sina in ihren kurzen Hosen schlotterte auch ein wenig. Bianca war besser ausgerüstet, hatte bei vorherigen Besuchen allerdings auch schon Sweater kaufen müssen, um der Kälte zu trutzen. 
Da Curt sich nicht meldete, beschlossen wir, ein bisschen Chinatown zu erkunden. Es ist erstaunlich: mitten in der Stadt geht man durch ein Tor, und plötzlich ist man in China !


Wir bestaunten das gigantische Angebot an Andenken, Kleidung, Elektrogeräten, Schmuck, Möbeln etc., wurden an jeder Straßenecke von freundlichen Damen mit Speisekarten aufgefordert, doch dringend ihr Lokal zu besuchen und freuten uns über das exotische Aussehen der Häuser.


Dazwischen immer wieder Ausblicke auf die Bay Bridge und das Transamerica-Gebäude (erbaut auf Gummi-Füßen, falls mal wieder die Erde bebt) - eine berauschende Mixtur aus Ost und West, Alt und Neu.


Die Dämmerung nahte, es wurde noch ein bisschen kälter, und endlich war auch Curt wieder bei uns. Er hatte länger als erwartet geschlafen und war nun frisch für den weiteren Abend - aber erst mal hungrig und holte sich aus einer chinesischen Bäckerei ein warmes, mit Schweinefleisch gefülltes Brötchen. 
Schnellen Schrittes ging es voran, um eine Straßenecke, und vorbei war's mit Chinatown; dafür begann Little Italy: North Beach.


Je weiter wir Richtung Wasser kamen, desto kühler wurde der Wind. Ich war dankbar für jeden warmen Luftzug von den Heizlampen über den Terrassen der Lokale !
Fisherman's Wharf war unser nächstes Ziel, um genau zu sein Pier 39, wo die Seelöwen das Sagen haben. Die Sonne war schon fast verschwunden, und wir folgten dem lauten Grunzen und dem strengen Geruch, bis wir (zumindest schemenhaft) die vielen süßen Tierchen auf ihren schwimmenden Stegen erblickten.


Als Curt mich bat, mit ihm ein Geschäft aufzusuchen, wo er sich mit meiner Unterstützung einen Scherz mit einem Bekannten erlauben wollte, war ich dankbar für ein paar Minuten im Warmen !

Oh ja, die Kälte in San Francisco... aber dafür immer wieder diese Ausblicke - bezaubernd, wundervoll, herzerwärmend.



Wir lauschten Straßenmusikanten, beobachteten Zauberer, schlenderten zwischen den vielen anderen Schaulustigen umher und begaben uns schließlich zur Cable Car-Station, um mit diesem enormen Gefährt zurück zum Union Square zu gelangen. Beeindruckend ist gar kein Ausdruck für das Erlebnis, mit diesen Wagen zu fahren. Viel zu schnell war der Spaß vorbei.

Essen war jetzt dringend notwendig, war es doch schon nach 10. Wir eilten im beißenden Wind zu einem Lokal auf der Geary Street, wo wir authentisches vietnamesisches Essen genossen - sehr gut (und schön warm). Satt, müde und einigermaßen aufgewärmt verließen wir kurz vor elf das Restaurant. Auf den Straßen war das Nachtleben hereingebrochen: Prostituierte, Betrunkene, Bettler, Obdachlose, Nachtschwärmer - alles wild durcheinander. Zum Glück war es nicht weit bis zum Auto !
Schnell war der Weg aus der Stadt gefunden und die Bay Bridge erreicht. Ich konnte mich nicht satt sehen an der nächtlichen Silhouette meiner geliebten Stadt und weinte still in mich hinein, weil es wieder ein Abschied für länger sein wird.
Sina schlief sofort ein, Bianca döste vor sich hin, Uli suchte Musik für uns aus und Curt fuhr konzentriert zurück nach Ripon. Ich war benommen von der Trauer, schon so bald dieses wundervolle Land verlassen zu müssen, und immer wieder begannen die Tränen zu laufen... but we will be back, that's for sure !
Erst gegen kurz nach halb eins erreichten wir die Avenue A und schleppten uns alle direkt in unsere Betten. Was für ein Tag.

Sonntag, 16. März 2014

Sometimes family can be painful

Samstag, 15.3.
Gegen halb neun war unsere Nacht zu Ende, wir hörten, wie Curt das Haus verließ; ihn erwartete erneut ein langer Arbeitstag... ja, die Last der Selbstständigkeit.
Bianca und Sina waren bereits seit acht unterwegs, sie besuchten einen Fitnesskurs in Modesto. Wir genossen gerade unsere Heißgetränke auf der herrlich sonnigen Veranda, als die beiden zurück kehrten - aber sie hatten noch nicht genug, sondern gingen gleich noch eine Runde joggen. Wie gut für Sina, ihr Körper braucht die Bewegung dringend !
Da geplant war, dass Kari und Eric mit ihren insgesamt sechs Kindern (alle zwischen 1 und 4) gegen elf erscheinen sollten, bereiteten wir uns ein schnelles Frühstück in Form von Toast mit Käse und Cherry-Tomaten, welches wir auch auf der Veranda einnahmen. Die beiden Sportskanonen kamen zurück, und bald darauf füllte sich das Haus. Es war schön, Eric wieder zu sehen, er war zugewandt und interessiert, ebenso seine Frau Desiree. Als Kari das Haus betrat, erschrak ich ein wenig: sie würdigte uns keines Blickes ! Nicht einmal ein Hallo kam über ihre Lippen, als wären wir nicht vorhanden... sehr seltsam, denn mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin plauderte sie angeregt. Ich war ziemlich irritiert, versuchte aber, dieses Verhalten nicht persönlich zu nehmen - wer weiß, welche Gründe sie hatte.
Bianca wurde sofort von ihren Enkelkindern in Beschlag genommen und war überall und nirgends gleichzeitig.


Der Trubel hielt etwa anderthalb Stunden an, dann verschwanden fast alle wieder. Immerhin sagte Kari kurz Tschüs, und ich entspannte mich ein wenig.
Kari's Sohn Harvey, 4 Jahre alt, blieb bei uns, denn er sollte mit uns nach Livermore fahren, wo ein Besuch bei Bianca's Schwester Carola anstand. Uli und ich quetschten uns erneut auf die Rücksitzbank, dieses Mal mit Harvey, der beeindruckend darstellte, wie gut er bereits lesen kann. Besonders erwähnenswert: er hatte es sich selbst beigebracht ! Uli saß neben ihm und half ihm bei schwierigen Wörtern. Oh, ich liebe es so, wie mein Schatz mit Kindern umgeht, einfach wundervoll.

In flotter Fahrt ging es nach Livermore, und wir erreichten Carola's Haus gegen halb zwei. Sie begrüßte uns freundlich, ebenso ihr Sohn Andrew, 10. Ihr Mann Randy war auch ganz nett, aber ein bisschen sehr redselig. Carola holte für alle Togo's Sandwiches, welche wir einpackten und mitnahmen, denn wir wollten auf dem Anwesen des Concannon Vineyard picknicken.
Es war dort ziemlich voll, bei dem strahlenden Wetter hatten auch andere diese Idee, aber es fand sich ein Plätzchen unter einem schattigen Baum. Wir lümmelten uns ins Gras und packten die leckeren Sandwiches aus, und bald darauf erschien auch Natascha, Carola's älteste Tochter, nebst Gatten und Tochter, knapp 11 Monate. Wir wurden sehr freundlich und interessiert begrüßt und fanden uns in einem netten Gespräch wieder. 


Die Sonne brannte heftig auf uns herab, und ich war froh, als Natascha mir ihre Sonnencreme anbot, meine Arme röteten sich bereits ziemlich...
Andrew und Harvey spielten mit Uli und Bianca Fußball und hatten ihren Spaß.


Bald brachen wir unsere Zelte hier ab und fuhren zum nahegelegenen Sycamore Grove Park. Ein schöner Wanderweg führte uns vorbei an altem Baumbestand, einem Flusslauf und einem Olivenhain. Alles sehr idyllisch - und ziemlich warm, das Thermometer zeigte rund 25 °C an.



Der kleine Harvey begann, unter leichten Müdigkeitserscheinungen zu leiden, also beschlossen wir, die Innenstadt von Livermore zu besuchen, um dort in einen Frozen Yogurt-Shop einzukehren. Eine tolle Auswahl an Joghurt, Toppings und Soßen beglückte uns und kühlte uns angenehm ab.
Zwischen Carola und ihrem Mann knisterte es zwischendurch immer wieder gewaltig, es war nicht sehr schön, diesen Kleinkrieg zu beobachten... arme Carola !
Nach dem Joghurt gab es noch Kaffee, und wir genossen die entspannte Atmosphäre, die auf den Straßen herrschte. Alle Menschen wirkten gut gelaunt und mit jeder Menge Zeit versehen zu sein - so ganz anders als in Deutschland, wo der Stresspegel stetig anzusteigen scheint und die Mundwinkel bedenklich tiefer sinken.
Harvey wurde immer quengeliger, er war sicherlich nicht nur müde, sondern auch hungrig; so verließen wir die Gruppe mit einem freundlichen good bye und verfrachteten den inzwischen brüllenden Knaben ins Auto, um schnell einen McDonald zu suchen, wo er ein Happy Meal erhielt. Uli kümmerte sich rührend um Harvey, der sich zusehends beruhigte.
Die Rückfahrt beglückt uns mit einem unglaublichen Sonnenuntergang und gleichzeitigem Vollmond - fast unwirklich schön (und auf Fotos leider nicht einzufangen).


Sina hatte mich schon den ganzen Nachmittag mit ihrem scheinbaren Desinteresse genervt, und im Auto kam es zu einer Situation, die mir die Galle platzen ließ - ich implodierte und verstummte mit dem dringenden Gefühl, fluchtartig das Weite suchen zu müssen !
Während Bianca und Sina Harvey nach Hause brachten, saßen Uli und ich auf der Veranda in der Avenue A und besprachen, was vorgefallen war und wie sich nun zu verhalten sei. Als die beiden heimkehrten, war ich vergnatzt und stinksauer, unfähig, auch nur ein Wort zu sagen. 
Uli sprach Sina an, welche daraufhin zu mir ins Zimmer kam, um wegen einer anderen Sache, die am Nachmittag vorgefallen war, um Verzeihung zu bitten. Da platzte der Knoten, und ich packte alles aus, was mir schon so lange auf der Seele lag. Ich konnte ruhig aber deutlich sprechen - und siehe da, es hatte sich etwas verändert, denn Sina antwortete mir, zwar unter Tränen, aber sie sprach ! So saßen wir über eine Stunde zusammen und klärten nach und nach all die wichtigen Themen. Offenbar hatten die Gespräche mit Bianca einiges verändert. Sina's Blick hatte sich geweitet, und sie war in der Lage, sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Am Ende konnte ich sie in den Arm nehmen und fest drücken, sie konnte die Umarmung erwidern, und wir schworen uns, von nun an einen anderen Weg einzuschlagen.
Hoffnung breitete sich aus, Hoffnung, dass wir schließlich doch in der Lage sein werden, das Ganze zum Guten zu wenden.

Bianca und Uli hatten uns in Ruhe gelassen und derweil Abendessen bereitet. Sie saßen vor den kalten Töpfen, als Sina und ich rotgesichtig und erschöpft am Tisch erschienen. Wir aßen gemeinsam, die Stimmung war fast ausgelassen, und Sina lächelte mich immer wieder dankbar an.
Nach dem Essen sagte sie, sie habe eins vergessen: sie bewundere die Art, wie ich mit Kindern umgehen könne. Wow, I say ! Ich dankte ihr und war aufrichtig berührt von diesem Zeichen ihrer Zuneigung.
Zufrieden und müde saßen Uli und ich noch eine Weile auf der Veranda und lauschten einer herrlich jubilierenden Nachtigall.
Family can be a huge pain, but we can ease every ache with the right amount of love.

Samstag, 15. März 2014

Feels almost like home

Freitag, 14.3.
Erwachen kurz nach neun, das Haus schön still -> alle ausgeflogen. Nach dem morgendlichen Tee-, Kaffee- und Reinigungsritual brachte unser Auto uns in die Ortsmitte, wo wir das "My garden cafe" aufsuchten und sehr leckeres Frühstück verspeisten (Omelettes mit und ohne Avocado - guess who's gotten which...). Unser Hauptthema war Sina und wie es weiter gehen wird. Nach dem Gespräch mit Bianca war uns beiden klar, dass wir uns um Sina kümmern müssen - ob wir wollen oder nicht !
Ein schwieriges Thema, ohne Frage.

Unter leicht bewölktem Himmel fuhren wir Richtung Tracy und von dort auf der 580 nach Livermore.
Ich musste immer wieder weinen, weil diese Gegend für mich wahrlich ein zweites Zuhause darstellt - und der Gedanke, ich wenigen Tagen Abschied nehmen zu müssen, erfüllt mich mit Trauer.


Wir hörten mehrere Male "Dreamcatcher", während wir uns auf die Hügelketten vor Livermore zu bewegten.


Ah, sweet memories... hier kannte ich mich aus wie in meiner Westentasche, und ich fragte mich, wie oft ich hier wohl schon entlang gefahren war.

Das Outlet Mall in Livermore, in welchem wir nach den Schuhen für Till suchen wollten, war gar nicht so einfach zu finden, vor allem, weil unser Navi uns reichlich an der Nase herum führte. Nach einiger Zeit waren wir dann erfolgreich und parkten unser treues Gefährt auf einem riesigen, ziemlich überfüllten Parkplatz. Das Mall selbst bestand aus diversen Marken-Läden, alles war überdacht und musikbeschallt und voller einkaufswütiger Menschen. Im Nike-Store wurden wir zum Glück schnell fündig - ich hoffe, wir haben den richtigen Schuh in der passenden Größe ergattert. Danach besuchten wir einen Levis-Store, und Uli erstand eine Jeans, Kostenpunkt in Deutschland: 120 Euro, hier: 59 Dollar, also ein echtes Schnäppchen.
Meine Laune sank in den Keller, denn mich widerte der ganze Markenwahn, dieser scheinheilige Rummel um überteuertes Zeugs, nur weil ein bestimmter Name drauf steht, plötzlich derartig an, dass wir schnell das Weite suchen mussten. Nichts wie weg hier, zurück ins Central Valley.


Da ich nach wie vor neue Jeans brauchte, besuchten wir den TJ Maxx in Modesto, wo ich tatsächlich auf Anhieb 2 passende Exemplare fand - lucky me.
Zufrieden, aber ein wenig unter der Wärme leidend, beschlossen wir, eine kurze Pause bei Starbucks einzulegen. Ein eiskalter, köstlicher Caramel Flan Frappuccino mit Sojamilch erfrischte mich gründlich, während Uli sich an einem dreifachen Espresso labte.
Wir fuhren eine Zeitlang einfach mehr oder weniger ziellos herum, auf schnurgeraden Straßen, umgeben von riesigen Farmflächen, Plantagen und Weideland.


Dieser Bluebird wollte sich für das Foto nicht so richtig in Position begeben, was Uli leicht erzürnte.


Curt hatte uns von einem seiner Lieblings-Burger-Läden (obwohl Kette) berichtet, und wir hatten ein bisschen Hunger, also besuchten wir den In-N-out Burger in Modesto, der uns frisch zubereitete Burger, richtig gute Pommes (aus echten Kartoffeln) und exzellenten Service bot. Lecker und preiswert - sehr überzeugend ! 

Langsam senkte sich die Sonne, und wir kehrten zurück nach Ripon. Dort fuhren wir auch noch ein wenig herum, unter anderem suchten wir diese bemerkenswerte Einrichtung auf:


In einem Walgreens erstanden wir einen Sweater für Uli, Ohrstöpsel für mich sowie einen Glücksbambus für Bianca und Curt, als kleines Dankeschön für ihre überaus großzügige Gastfreundschaft.
Zurück in der Avenue A trafen wir Melissa, die ich zuletzt im Alter von 5 Jahren gesehen hatte. Wir plauderten einen Moment, und dann tauchten Bianca und Sina auf, die soeben vom Joggen zurück kamen. Auch Curt erschien, die Hunde kläfften dazwischen herum... Leben pur !
Ich startete eine Waschmaschine mit unseren neuen Kleidungsstücken und fuhr dann mit Bianca zum Safemart, denn wir benötigten ein paar Dinge für's Abendessen. Wir saßen noch lange im Auto vorm Haus und sprachen über die Sina-Problematik. Der Austausch tat gut, und wieder einmal stellte ich fest, wie sehr ich meine schlaue Cousine schätze !! 
Zusammen mit Uli machten wir Abendessen: Salat, Hühnchen, Gnocchi und Gorgonzola-Soße, deren Zubereitung Bianca sich von mir zeigen ließ.
Wir lachten und alberten herum, bis es Zeit war, ins Bett zu gehen (bzw. dieses blog zu schreiben).
Der Hund Trigger gesellte sich zu uns ins Zimmer und lag erst schnarchend auf dem Teppich,


und kam dann sogar zu mir ins Bett:


Sehr niedlich - aber nicht so niedlich wie unser wundervolles Kätzchen, das ich jeden einzelnen Tag so doll vermisse !

Freitag, 14. März 2014

Now what ?!

Der gestrige Tag brachte uns erhebliche Sorgen, denn Bianca's Aussage nach kann Sina keinesfalls auf eine Familie verzichten ! Bianca sagte deutlich und klar, dass Sina noch sehr klein und bedürftig sei, große Stücke auf uns hielte und sich ganz sicher wäre, dass sie bei uns ihr richtiges Zuhause gefunden habe.

Nach wie vor verhält sich Sina uns gegenüber distanziert und scheinbar desinteressiert - was im krassen Gegensatz zu Curt's Bericht steht, sie warte täglich auf Kontaktaufnahme von uns. Ihre Wochenenden plane sie um die Uhrzeiten herum, zu denen sie meint, wir könnten uns eventuell melden.
Sie selbst kommt allerdings nicht auf die Idee, einen Kontakt herzustellen oder zu erbitten.

Wir sind zerrissen und verunsichert...
Was nun ?!?

Looking for gold

Donnerstag, 13.3.
Nach einer Nacht mit mehreren Unterbrechungen (mein Kopf ließ sich nicht abschalten) wachten wir kurz nach neun auf. Auf dem Weg zum Badezimmer traf ich die Putzfrau im Flur - huch ?! 
Bianca hatte Pfannkuchen zum Frühstück zubereitet, das ganze Haus duftete herrlich. Ein strahlend blauer Himmel begrüßte uns und ließ uns freudig in den Tag starten.


Mit Kaffee und Tee ausgestattet begaben wir uns an den Frühstückstisch und sprachen eine ganze Weile mit Bianca die Sina-Problematik durch, während wir die leckeren Pfannkuchen mit Sirup und Puderzucker genossen. Eine wirkliche Lösung fanden wir nicht, was uns einigermaßen deprimierte.

Ich startete eine Maschine Wäsche, ging duschen und setzte mich danach auf die sonnige Veranda, um die letzten Postkarten zu schreiben. Es war so warm, dass meine nassen Haare innerhalb kurzer Zeit trockneten.


Bianca setzte sich zu mir, und gemeinsam planten wir den Tag: Sina würde um 12 aus der Schule kommen, und danach könnten wir in Richtung Modesto aufbrechen, Curt's Geschäft besuchen und dann zu fünft einen Ausflug ins Gold Country starten. Gesagt, getan. Wir relaxten noch ein bisschen in der Sonne, bis Sina kam, welche ihr Mittagessen zu sich nahm, und wir packten derweil unsere Dinge zusammen. Gegen halb eins ging es los. Zuerst zum Post Office, da ich Briefmarken benötigte. Ein kurzer Plausch mit der sehr interessierten Postangestellten bereitete mir Freude - ich mag die Offenheit so sehr, mit der die Menschen hier aufeinander zugehen ! 
Dann noch mal kurz zurück in die Avenue A, weil Bianca ein paar Sachen vergessen hatte, und endlich auf den Highway 99 nach Modesto.
Wir besichtigten Curt's Geschäft und lernten seine Angestellten kennen. Nun übernahm Curt das Fahren, und wir quetschten uns mit Sina auf die Rücksitzbank. In flotter Fahrt ging es auf der 108 über Oakdale und anschließend auf der 120 nach Jamestown. Eine authentische Westernstadt erwartete uns hier, sehr hübsch anzusehen, mit beeindruckenden Häusern und schnuckeligen Geschäften - allerdings ohne Coffee Shop, den wir uns sehnsüchtig wünschten.


In einem der diversen Antiquitätenläden entdeckten wir diesen sinnigen Spruch, welcher in jeder Lebenslage anwendbar ist, daher musste er natürlich sofort abgelichtet und nun hier gepostet werden:


Bianca regte an, den Nachbarort Columbia aufzusuchen, was wir in die Tat umsetzten.
Hier war die gute alte Zeit noch viel lebendiger als in Jamestown. Wir genossen es, zwischen den historischen Gebäuden herum zu wandern und alles genau zu betrachten. Und da es inzwischen weit nach drei war, kehrten wir in ein romantisches kleines Lokal ein, in dem wir leckere Sandwiches und Kaffee bekamen.


Nach dieser Stärkung besuchten wir das dorfeigene Gefängnis, die Schule und den großen Friedhof, auf dem wir intensiv die interessanten Grabsteininschriften studierten. 
Gegen fünf wurde es Zeit, den Rückweg anzutreten, da Curt noch beruflich nach San Francisco musste - der Arme, ihm stand eine lange Nacht bevor...
Die Fahrt durch die wunderschöne Landschaft versüßten wir uns zusätzlich mit Musik nach Wahl, bei der wir fleißig mitsangen (Sina schlief derweil eine Runde).


Wir halfen Curt noch, seinen Transporter zu beladen und fuhren dann zu Costco, wo wir ein bisschen shoppten. Leider fand ich keine passende Jeans, worauf ich sehr gehofft hatte.
Zurück in der Avenue A bereiteten wir das Abendessen: Salat, Reis-Quinoa-Mix, dazu Huhn und Spargel. Alles sehr lecker - und beim Essen merkte ich, dass ich ziemlich ausgehungert war.
Die Wäsche war bereits zum größten Teil trocken und konnte zusammen gelegt werden (wunderbar, wieder einen ganzen Stapel saubere Kleidung zu haben).
Und dann ließen wir den Abend ausklingen, in der Hoffnung, diese Nacht ein bisschen besser ruhen zu können.

Beside the route - es macht einfach Freude

Das habe ich so noch nicht erlebt. Da sitzen wir im Breakfast Club und warten auf unsere Bestellung, als mir der Bedienstete im beige-braunen T-Shirt auffällt. 
Ich schätze ihn auf Mitte vierzig, und er scheint mexikanischer Herkunft zu sein. Auf seiner Stirn kann ich ein paar Schweißperlen erkennen, als er mit gedämpfter Aufregung einen anderen, jüngeren Mitarbeiter anspricht. 
Ich kann die Worte nicht hören, aber aus den Gesten und dem aufmerksamen und zurechtgewiesenen Gesichtsausdruck des jüngeren entnehme ich, dass es sich um eine Arbeitsanweisung gehandelt hat, die im folgenden auch beachtet wird. 
Jetzt ist meine Neugierde geweckt. Wer ist dieser Mensch im beige-braunen T-Shirt, und was ist seine Aufgabe hier?! Ich fange an, ihn zu beobachten. Seine Aufgabe ist das Abräumen und Eindecken der freigewordenen Tische. 
Bei uns würde man diese Tätigkeit nicht allzu hoch bewerten. Wir alle haben schon missmutige Kellner erlebt, die die innere Kündigung nicht nur vor sich selbst ausgesprochen haben, sondern diese auch jedem Kunden bei jeder sich anbietenden Gelegenheit spüren lassen. Das Leben könnte so schön sein, wenn die lästige Kundschaft nur nicht ständig störte. 
Hier jedoch sieht das ganz anders aus. Unser mexikanischer Mitarbeiter macht aus seiner Tätigkeit einen hingebungsvollen Akt; er identifiziert sich eindrucksvoll mit seiner Arbeit, seinen Kunden und seinem Teambeitrag. 
Und während ich ihn beobachte, bemerke ich, dass er eine ganz eigene Technik der Tischreinigung hat. Blitzschnell schiebt er den Grundbestand der Tischausstattung (Pfeffer, Salz, Marmeladensortiment u.a.) in eine Ecke, wischt die freie Fläche ab, schiebt mit der anderen Hand die Gegenstände wieder zurück und wischt die andere Hälfte des Tisches. Dann stellt er die mitgebrachten Tassen in die Mitte des Tisches und legt die frischen Bestecksätze auf,  neue Servietten dazu. 
Dabei ist er in keinem Moment unfreundlich oder unaufmerksam. Dem Gast am Nebentisch ist etwas heruntergefallen; er hebt es auf. Ein anderer Gast fragt etwas nach; er hilft. Das Abräumen der Tische sieht bei ihm aus wie ein Ballett. Er balanciert etliche Teller, Becher und Gläser gleichzeitig, bewegt sich vollgepackt mit absoluter Aufmerksamkeit durch den Besucherstrom und hat nebenbei auch noch ein freundliches Wort für das Kind übrig, welches ihm unvermittelt in den Weg gesprungen ist. Unser Frühstück ist inzwischen längst serviert, aber ich kann nicht aufhören diesem Menschen bei der Arbeit zuzusehen. Es ist faszinierend zu beobachten, was dieser Mann alles tut und kann. Dem jungen Kollegen von vorhin erklärt er geduldig noch einmal seine Aufgabe, nimmt Bestellungen entgegen, serviert und hilft hinter der Theke aus. All das, ohne seine eigentliche Tätigkeit zu vernachlässigen, eilt er durch den saalähnlichen Raum. Ich bin so begeistert von seiner unermüdlichen Aktivität, dass ich ihm am liebsten ein Trinkgeld gegeben hätte. Aber als wir bezahlen, ist er in einer andere  Ecke in voller Aktion, und ich möchte ihn nicht stören.

Einen Tag später sind wir in einem Supermarkt. Als wir den Eingang passieren, fällt mein Blick in der Obst- und Gemüseabteilung auf einen Herrn mittleren Alters, der in Firmenkleidung an einem Tisch steht und akribisch damit beschäftigt ist, Äpfel mit einem weichen Tuch auf Hochglanz zu polieren. Das allein finde ich schon in keiner Erinnerung an deutsche Supermärkte wieder.
Ich sehe mich um und beginne, wie in fast jedem Kaufhaus, welches wir hier betreten haben, mich daran zu freuen, wie aufgeräumt es hier aussieht. Hier ist es das Obst und Gemüse - kein wildes Durcheinander, keine angedrückte Ware. Es ist eine Präsentation. Unglaublich, und meine Begeisterung findet kaum Grenzen. Der akribisch arbeitende Herr aus dem Eingangsbereich hatte ganze Arbeit geleistet







Sämtliches Obst und Gemüse war geputzt und ausgerichtet abgelegt zum Verkauf bereit. Inzwischen war der Mitarbeiter dabei mit respektierlichem zeitlichem Abstand hinter den Kundenzugriffen wieder aufzuräumen. 
Da wurde ein Apfel erneut geputzt und dort eine Tomate wieder ausgerichtet. Das alles in beachtlicher Geschwindigkeit und ohne einen auch nur Hauch von Genervtheit. Ich möchte Bravo rufen, so entzückt bin ich von dem, was mir geboten wird. Und diese Sauberkeit und Aufgeräumtheit findet sich im ganzen Laden, in jedem Regal und auch an den Kassen. Hier macht sogar das Einkaufen Spaß. Es wird zum Flanieren in den Gängen, zum Ausflug für die Seele, die durch die Bilder, die das Auge sieht, angesprochen ist.

Wir ziehen weiter und treffen in Bodega Bay den jungen Mann an der Kasse des kleinen ortsansässigen Krämerladens. Er bedient uns mit aller Höflichkeit, die wir uns wünschen und vorstellen können.
Im Vorraum des selben Ladens werden auch Speisen verkauft, und wir bestellen hier zwei Hamburger bei einem anderen jungen Mann. 
Den dazu bestellten Kaffee habe ich bereits fast ausgetrunken, als ich sehe, wie der junge Mann von der Kasse in die Küche wechselt und die Küchenkraft eilig das Haus verlässt. 
Bevor ich mich fragen kann, was denn hier gerade passiert ist, spricht uns der "neue" Küchenchef an. Er berichtet, dass er jetzt den Laden ganz alleine schmeisst, weil eine Arbeitskraft heute krank sei und er bemüht ist, uns seine besten Burger zu servieren. So kommen wir kurz mit ihm ins Gespräch, und er erklärt uns, dass alles ginge, wenn man es nur wirklich wolle.


Ja, es macht einfach nur Freude, den Menschen zu begegnen, die wirklich genau das wollen, was sie gerade tun. Es springt ein Funke über, der mich als Kunde  erreicht, mich gut und gesehen fühlen lässt und ein wirklich gutes Gefühl vermittelt.

Donnerstag, 13. März 2014

Almost the last part of the journey

Mittwoch, 12.3.
Wieder ein so ruhiges Motel - herrlich, die entspannte Nachtruhe ! Mein letzter Gedanke gestern Abend war Susanne, und auch mein erster Gedanke eilte zu ihr - ob wohl alles gut gegangen war ?! Schnell die eMails checken, und tatsächlich: eine Nachricht von Susanne, alles soweit OK - Erleichterung pur !
Mein Schatz bereitete mir heißen Tee, wir duschten und packten und starteten in einen kühlen, aber herrlich sonnigen Morgen.
Der kleine Ort Williams bot keine Möglichkeit zum Frühstücken, die uns gereizt hätte, also musste vorerst eine Banane reichen.
Auf der 20 fuhren wir weiter Richtung Osten. Flaches Land, schnurgerade Straßen, willkommen im Central Valley.


Ich telefonierte mit Bianca, um alles wichtige abzuklären. Es war gut, sie gehört zu haben, bevor wir in Ripon aufliefen - ein großer Teil meiner Befangenheit verschwand damit, und ich freute mich darauf, sie und Curt am Abend zu sehen.

Der nächste größere Ort war Yuba City, und hier stoppten wir, um Wasser und Zahnpasta zu kaufen. An einer mall entdeckte ich einen Togo's, und in meiner Erinnerung an wunderbare kulinarische Erlebnisse kehrten wir ein.
A large 24 on wheat roll with extra avocado - wie viele von diesen Bestellungen hatte ich wohl bisher aufgegeben ?! Keiner weiß es so genau - aber nach dem Essen stand fest, dass es wahrscheinlich die letzte war: ein Mythos starb an diesem Tag ! Wir hatten auf dieser Reise einige bessere Sandwiches gegessen - so bye bye Togo's.

Warm war es inzwischen, wir fuhren mit offenen Fenstern weiter gen Osten, bis wir Grass Valley erreichten.


Von dort ging es auf der Interstate 80 nach Süden, Destination Sacramento, Capital of California. Zwischendurch holten wir uns Kaffee bei Jack in the box, und Uli gönnte sich einen sündhaft leckeren Cheesecake.

Bald erschien die skyline von Sacramento am Horizont.


Wir tauchten ein in die Tiefen der Hauptstadt. Der Park mitten in der Stadt war mir in guter Erinnerung geblieben, und genau diesen suchten wir auf, um eine Weile zwischen den vielen exotischen Bäumen (Orangenbäume, Korkeichen, Magnolien, Zypressen, Palmen,... um nur ein paar zu nennen) herum zu spazieren und im duftenden Gras zu liegen.


Süße Squirrels tobten auf und unter den Bäumen herum und erfreuten uns mit ihren drolligen Bewegungen.


Wunderschön, die gesamte Parkanlage, wenn auch die Denkmäler für die Vietnam-Soldaten ein wenig befremdlich anmuteten... warum nur müssen die USA sich stets als Weltpolizei aufführen ?! Traurig zu lesen, wie viele so junge Männer ihr Leben ließen.


Aufgetankt mit Sonne und Duft von blühenden Bäumen schlenderten wir zu unserem Auto zurück und bewegten uns in den historischen Teil der Stadt: Old Sacramento.


Es war ein reines Vergnügen, hier alles anzuschauen ! Die alten Gebäude so liebevoll aufbereitet, interessante Geschäfte, natürlich auch viel Rummel und Tand, aber amüsant und nicht aufdringlich.


Während sich Uli in den Esoterik- und Indianerläden umschaute, erstand ich diverse hübsche Postkarten. In einem der Läden lief sehr anregende Musik, die uns beiden sofort gefiel. Ich parkte das Auto um (es stand in einer 15-Minuten-Zone), und als ich Uli wieder traf, hatte er eine CD gekauft: die Musik aus dem Laden, von der es lediglich noch ein Exemplar gab. Beim Betrachten des booklets stellten wir fest, dass diese CD in Deutschland produziert wurde, inklusive deutscher Beschreibung. Da fliegt man um die halbe Welt, um instinktiv eine deutsche CD zu erstehen... wie strange ist das, bitte !?

Wir verließen Sacramento auf Umwegen und genossen dabei die neue Musik.


Die 99 brachte uns auf den richtigen Weg. Mein alter Haus-Highway, führt er doch direkt nach Ripon. Je näher wir dem Ort kamen, desto mehr pochte mein Herz, und die Tränen liefen. Deutlich spürte ich einen Schmerz, den ich spontan als eine Art von Heimweh bezeichnen würde. Immerhin war Ripon eine ganze Zeit lang meine zweite Heimat gewesen, zumindest im Herzen. Die Sonne stand prachtvoll rot am Himmel, als hieße sie uns herzlich willkommen.




Als Manteca auftauchte wusste ich: gleich ist es soweit ! Mit tränenblinden Augen bog ich auf die Jack Tone Road ab, um den Ort von hinten aufzurollen. Wir fuhren als erstes in die Maple Avenue, dort hatten Bianca und Curt ihr Haus, als ich das letzte Mal hier war. Im Stadtzentrum hielten wir kurz an, Uli wollte noch eine Zigarette rauchen, bevor wir in der Avenue A ankamen. 
Tief durchatmen - und dann öffnete Sina die Haustür. Eine verhaltene Begrüßung, wenige Worte -> alles wie immer. Bevor das große Schweigen einsetzte, tauchte zum Glück Curt auf. Hier fiel das Wiedersehen erheblich herzlicher aus. Er freute sich, uns zu sehen und verwickelte uns sofort in ein anregendes Gespräch; Sina saß weitestgehend schweigend daneben.
Wir bezogen unser Zimmer in dem schönen, geräumigen Haus und packten unsere Sachen aus. Curt bestellte derweil Pizza beim örtlichen Pizza-Dealer.
Dann fuhren er und ich zusammen die Pizza holen (just like in the old days, as if no time at all had passed), er erzählte ein wenig von den Schwierigkeiten, die auch er mit Sina's sozialen Unverträglichkeiten hat, aber ihn belaste dies nicht, vielmehr sei er bemüht, Sina in eine andere Richtung zu motivieren.
Wir aßen zu Abend, und endlich kam auch Bianca nach Hause. Gut sah sie aus ! Ich freute mich sehr, sie wieder zu sehen. Während wir lustig plauderten (außer Sina), tauchte Scott kurz auf und begrüßte uns freundlich. 
Wir saßen bis halb zwölf zusammen; es war schön und interessant, den beiden wunderbaren Menschen zu lauschen. Überaus dankbar war ich, endlich wieder hier sein zu dürfen !!