Catania at it's best

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la bella città nera

Freitag, 14. März 2014

Beside the route - es macht einfach Freude

Das habe ich so noch nicht erlebt. Da sitzen wir im Breakfast Club und warten auf unsere Bestellung, als mir der Bedienstete im beige-braunen T-Shirt auffällt. 
Ich schätze ihn auf Mitte vierzig, und er scheint mexikanischer Herkunft zu sein. Auf seiner Stirn kann ich ein paar Schweißperlen erkennen, als er mit gedämpfter Aufregung einen anderen, jüngeren Mitarbeiter anspricht. 
Ich kann die Worte nicht hören, aber aus den Gesten und dem aufmerksamen und zurechtgewiesenen Gesichtsausdruck des jüngeren entnehme ich, dass es sich um eine Arbeitsanweisung gehandelt hat, die im folgenden auch beachtet wird. 
Jetzt ist meine Neugierde geweckt. Wer ist dieser Mensch im beige-braunen T-Shirt, und was ist seine Aufgabe hier?! Ich fange an, ihn zu beobachten. Seine Aufgabe ist das Abräumen und Eindecken der freigewordenen Tische. 
Bei uns würde man diese Tätigkeit nicht allzu hoch bewerten. Wir alle haben schon missmutige Kellner erlebt, die die innere Kündigung nicht nur vor sich selbst ausgesprochen haben, sondern diese auch jedem Kunden bei jeder sich anbietenden Gelegenheit spüren lassen. Das Leben könnte so schön sein, wenn die lästige Kundschaft nur nicht ständig störte. 
Hier jedoch sieht das ganz anders aus. Unser mexikanischer Mitarbeiter macht aus seiner Tätigkeit einen hingebungsvollen Akt; er identifiziert sich eindrucksvoll mit seiner Arbeit, seinen Kunden und seinem Teambeitrag. 
Und während ich ihn beobachte, bemerke ich, dass er eine ganz eigene Technik der Tischreinigung hat. Blitzschnell schiebt er den Grundbestand der Tischausstattung (Pfeffer, Salz, Marmeladensortiment u.a.) in eine Ecke, wischt die freie Fläche ab, schiebt mit der anderen Hand die Gegenstände wieder zurück und wischt die andere Hälfte des Tisches. Dann stellt er die mitgebrachten Tassen in die Mitte des Tisches und legt die frischen Bestecksätze auf,  neue Servietten dazu. 
Dabei ist er in keinem Moment unfreundlich oder unaufmerksam. Dem Gast am Nebentisch ist etwas heruntergefallen; er hebt es auf. Ein anderer Gast fragt etwas nach; er hilft. Das Abräumen der Tische sieht bei ihm aus wie ein Ballett. Er balanciert etliche Teller, Becher und Gläser gleichzeitig, bewegt sich vollgepackt mit absoluter Aufmerksamkeit durch den Besucherstrom und hat nebenbei auch noch ein freundliches Wort für das Kind übrig, welches ihm unvermittelt in den Weg gesprungen ist. Unser Frühstück ist inzwischen längst serviert, aber ich kann nicht aufhören diesem Menschen bei der Arbeit zuzusehen. Es ist faszinierend zu beobachten, was dieser Mann alles tut und kann. Dem jungen Kollegen von vorhin erklärt er geduldig noch einmal seine Aufgabe, nimmt Bestellungen entgegen, serviert und hilft hinter der Theke aus. All das, ohne seine eigentliche Tätigkeit zu vernachlässigen, eilt er durch den saalähnlichen Raum. Ich bin so begeistert von seiner unermüdlichen Aktivität, dass ich ihm am liebsten ein Trinkgeld gegeben hätte. Aber als wir bezahlen, ist er in einer andere  Ecke in voller Aktion, und ich möchte ihn nicht stören.

Einen Tag später sind wir in einem Supermarkt. Als wir den Eingang passieren, fällt mein Blick in der Obst- und Gemüseabteilung auf einen Herrn mittleren Alters, der in Firmenkleidung an einem Tisch steht und akribisch damit beschäftigt ist, Äpfel mit einem weichen Tuch auf Hochglanz zu polieren. Das allein finde ich schon in keiner Erinnerung an deutsche Supermärkte wieder.
Ich sehe mich um und beginne, wie in fast jedem Kaufhaus, welches wir hier betreten haben, mich daran zu freuen, wie aufgeräumt es hier aussieht. Hier ist es das Obst und Gemüse - kein wildes Durcheinander, keine angedrückte Ware. Es ist eine Präsentation. Unglaublich, und meine Begeisterung findet kaum Grenzen. Der akribisch arbeitende Herr aus dem Eingangsbereich hatte ganze Arbeit geleistet







Sämtliches Obst und Gemüse war geputzt und ausgerichtet abgelegt zum Verkauf bereit. Inzwischen war der Mitarbeiter dabei mit respektierlichem zeitlichem Abstand hinter den Kundenzugriffen wieder aufzuräumen. 
Da wurde ein Apfel erneut geputzt und dort eine Tomate wieder ausgerichtet. Das alles in beachtlicher Geschwindigkeit und ohne einen auch nur Hauch von Genervtheit. Ich möchte Bravo rufen, so entzückt bin ich von dem, was mir geboten wird. Und diese Sauberkeit und Aufgeräumtheit findet sich im ganzen Laden, in jedem Regal und auch an den Kassen. Hier macht sogar das Einkaufen Spaß. Es wird zum Flanieren in den Gängen, zum Ausflug für die Seele, die durch die Bilder, die das Auge sieht, angesprochen ist.

Wir ziehen weiter und treffen in Bodega Bay den jungen Mann an der Kasse des kleinen ortsansässigen Krämerladens. Er bedient uns mit aller Höflichkeit, die wir uns wünschen und vorstellen können.
Im Vorraum des selben Ladens werden auch Speisen verkauft, und wir bestellen hier zwei Hamburger bei einem anderen jungen Mann. 
Den dazu bestellten Kaffee habe ich bereits fast ausgetrunken, als ich sehe, wie der junge Mann von der Kasse in die Küche wechselt und die Küchenkraft eilig das Haus verlässt. 
Bevor ich mich fragen kann, was denn hier gerade passiert ist, spricht uns der "neue" Küchenchef an. Er berichtet, dass er jetzt den Laden ganz alleine schmeisst, weil eine Arbeitskraft heute krank sei und er bemüht ist, uns seine besten Burger zu servieren. So kommen wir kurz mit ihm ins Gespräch, und er erklärt uns, dass alles ginge, wenn man es nur wirklich wolle.


Ja, es macht einfach nur Freude, den Menschen zu begegnen, die wirklich genau das wollen, was sie gerade tun. Es springt ein Funke über, der mich als Kunde  erreicht, mich gut und gesehen fühlen lässt und ein wirklich gutes Gefühl vermittelt.

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