Montag, 17.3.
Wir schliefen wie Steine bis kurz vor halb zehn - kein Wunder nach dem langen, anstrengenden Tag gestern. Als wir unseren Raum verließen, wartete Curt bereits auf uns. Er musste zur Arbeit und wollte uns auf jeden Fall noch verabschieden. Eine herzliche Umarmung, ein Dankeschön, ein „Ich liebe Euch“ - und weg war er. Bianca bereitete Frühstück zu (Toast, Kaffee und Tee), und dann erschien auch Sina auf der Bildfläche. Wir saßen eine ganze Weile zusammen und sprachen die anstehenden Entscheidungen durch, während Bianca Muffins buk.
Es wurde Zeit, unsere Koffer zu packen. Die Routine der letzten Wochen half uns, dies schnell zu erledigen. Als wir fertig waren, kam Sina mit Abschiedsgeschenken: ein Buch für mich und ein Poster für Uli. Lieb von ihr ! Ein weiterer Beleg dafür, dass sich etwas verändert hat.
Gegen halb eins war es soweit: Abschied nehmen war angesagt. Sina weinte, als wir sie in den Arm nahmen. Bianca packte uns noch 6 von den frischen Muffins ein und drückte uns herzlich. Beide begleiteten uns nach draussen und winkten, bis wir abgefahren waren. Mit einem großen Seufzen verließen wir Ripon.
Der Highway 99 sollte uns die nächsten Stunden Richtung Süden führen. Von Feldern und Plantagen umgeben, fuhren wir schweren Herzens voran. Ein letztes Mal besuchten wir In-N-out-Burger, aber die Mahlzeit wollte nicht so recht schmecken…
Das Central Valley zog sich hin. Wir genossen die Sonne und den Anblick der schneebedeckten Berge, hinter denen sich Yosemite verbarg.
An einem K-Mart in Kingsburg hielten wir an, weil Uli Kaffeedurst verspürte und ich Monatshygiene benötigte. Es schockierte mich einigermaßen, dass ein paar Binden und Tampons über acht Dollar kosteten, und wir diskutierten darüber, warum solche Produkte, welche Grundbedürfnisse abdecken, nicht preisgünstiger oder gratis zur Verfügung stehen. Der Kaffee stellte sich als überaus scheußlich heraus, und so blieb der volle Becher direkt auf dem Parkplatz stehen.
In Visalia entdeckten wir einen Marie Callender’s, wo ich früher oft und gerne Kuchen gekauft hatte. Wir versorgten uns mit frischem Kaffee (viel besser !) und zwei Stücken extra-leckerem Cheesecake.
Als endlich Bakersfield auftauchte, senkte sich die Sonne bereits, und wir hatten noch ein ganzes Stück Strecke Richtung Westen zu bewältigen… Da nun eine wenig besiedelte Gegend folgen würde, tankten wir vorsichtshalber einige Gallonen nach - man weiß ja nie.
Die 166 Richtung Westen war unsere nächste Route. Rechts und links von der Straße tauchten zwischen den Obstplantagen Ölförderanlagen auf. Es lag ein süßer Duft in der Luft, vermutlich von den verblühenden Orangenbäumen.
Die Bereiche, wo sich keine Plantagen befanden, waren öd und leer. Staub wurde vom Wind herumgewirbelt, die Trockenheit war enorm. Kalifornien erlebte gerade die größte Dürre seit langem, was auch die Schilder am Straßenrand erklärte: Pray for rain. Ausgetrocknete Flussbetten überquerten wir, in denen bereits Sträucher wuchsen. Für die Kornkammer Amerikas und deren Farmer eine echte Krise, denn die künstliche Bewässerung kostet immense Summen und gefährdet obendrein das ökologische Gleichgewicht.
Die schnurgerade 166 wurde in Maricopa vorübergehend zur kurvigen 33. Wir erklommen in Serpentinen eine sanfte Hügelkette. Die untergehende Sonne färbte die Landschaft herrlich ein - oh, wie werden wir diese Naturschauspiele vermissen !
Es ging stetig voran, inzwischen in völliger Dunkelheit. Dennoch war das Fahren kein Problem, denn die Straße war nicht sonderlich kurvenreich und obendrein überaus gut ausgebaut. Die Reflektoren auf dem Mittelstreifen leiteten uns deutlich und damit sehr sicher.
Gegen neun erreichten wir schließlich unser Motel in Arroyo Grande - wieder indisch, mit einem jungen Mann hinterm Tresen, der sofort Uli’s Om-Zeichen auf seiner Halskette bewunderte. Fix holte er seine eigene Kette unter dem T-Shirt hervor: er trug das selbe Symbol um den Hals.
Wir bezogen unseren einfachen, aber zweckmäßigen Raum und machten uns noch einmal auf den Weg, um Abendessen zu erstehen. In einem Supermarkt suchten wir erst mal nach Sascha's Twinkies -> leider ohne Erfolg. Dann war das Abendessen dran. Wir entschieden uns für Tiefkühl-Fertiggerichte, nicht besonders lecker, aber günstig und mit Hilfe der Mikrowelle schnell zubereitet.
Nach dem Essen musste ich dringend an den Computer, um eMails zu beantworten und den Rückstand im blog aufzuholen, immerhin hinkte ich schon einen ganzen Tag hinterher.
Bis kurz nach Mitternacht war ich noch mit Schreiben beschäftigt, dann holte uns die Müdigkeit ein, und das (etwas abgewrackte) Bett nahm uns gnädig auf.
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