Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Donnerstag, 20. März 2014

This is the end

Dienstag und Mittwoch, 18. und 19.3.
Unser letzter Tag brach mit dem schönsten Sonnenschein an, quasi ein Abschiedsgeschenk, welches uns sofort seufzen ließ und den Wunsch, noch ein paar Wochen hier bleiben zu wollen, extrem verstärkte.
Da es bereits halb zehn war, beeilten wir uns mit waschen und packen, um bloß keine kostbare Zeit im dunklen Motelzimmer zu vergeuden.


Ein weiteres Mal wollten wir Margie’s Diner aufsuchen, also fuhren wir ein Stück auf der 101 zurück Richtung Norden. Der Kaffee ging so, das Teewasser war lauwarm, die beiden Omelettes waren zwar kaum zu bewältigen, aber leider nur mäßig lecker, die Kartoffeln blieben wegen Ungenießbarkeit komplett liegen - auch hier starb heute ein Mythos.


Ausreichend gesättigt ging es nun auf dem Highway 101 Richtung Süden, rechts von uns der herrliche Pazifik, links die sanften Hügel in mildem Grün, fast flauschig anzusehen. Dazwischen immer wieder große orange Flecken: California Poppy, die offizielle Staatsblume von Kalifornien, pflücken unter Strafe verboten.


In einem Supermarkt in Lompoc fanden wir dann auch endlich die gewünschten Twinkies für Sascha; das war die letzte Chance, ansonsten hätten wir die Suche aufgegeben.


Heftig warm war es inzwischen, und als Carpinteria auftauchte, verspürten wir große Lust, ein wenig am Strand herum zu laufen. Die Brandung war so einladend, der Sand so warm, und ich hatte Badezeug im Koffer… was lag näher, als fix mal in die Fluten zu springen ?! Gesagt, getan. Es fand sich ein öffentlicher Umkleidebereich, und kurze Zeit später eilte ich quietschend vor Wonne ins kühle Wasser. 


Diese Wucht der Wellen - enorm ! Kein Vergleich zur zahmen Ostsee. Ich ging nur bis knapp zur Hüfte hinein, mein Respekt vor der Sogwirkung war groß. Trotzdem schaffte die Brandung es, mich umzuwerfen und meine Haare, die eigentlich trocken bleiben sollten, komplett zu durchnässen. 
Der Salzgehalt war auch recht kräftig, insofern war ich nach dem Bad über die Duschen am Umkleideraum dankbar. An unseren Füßen entdeckten wir dicke schwarze Placken: Öl. Eklig - und gar nicht so einfach zu entfernen.

In der Ortsmitte fand sich ein Starbucks, und wir freuten uns über Espresso bzw. Caramel Flan Frappuccino.
Jetzt aber nichts wie weiter, immerhin waren es noch runde 200 Meilen bis San Diego, die Uhrzeit war schon fortgeschritten, und wir mussten ja auch irgendwie den Moloch Los Angeles mit seinem Mörderverkehr bewältigen. 
Wir folgten nun dem Highway 1, welcher zwar länger dauert, aber so unglaublich schön ist, dass es eine Sünde wäre, ihn nicht zu fahren. Auf dem Ventura Highway war es schwer, nicht in Freudentränen auszubrechen - und es gelang uns auch gar nicht !


Es folgten Santa Barbara, Malibu und Santa Monica mit herrlichen Stränden und beeindruckenden Häusern. Der Verkehr wurde immer dichter, je näher wir L.A. kamen, und prompt erwischten wir auch die Rushhour… nun ja, ich hatte es befürchtet. Aber für das berauschende Bad im Pazifik nahm ich den Stop and Go-Verkehr, der uns ziemlich ausbremste, gerne in Kauf. 
Als die Sonne sich senkte, entschieden wir, den Highway 1 zu verlassen und auf die erheblich schnellere Interstate 5 zu wechseln. 


Mir wurde mit einem Mal übel, und so übernahm Uli das Steuer, während ich mich auf dem Beifahrersitz zusammen rollte und ein halbes Stündchen schlief. Als ich erwachte, befanden wir uns schon kurz vor San Diego - ein Glück. 
Das Motel war schnell gefunden, denn wir hatten es bereits zu Beginn der Reise gesehen und konnten uns an den Weg dorthin erinnern. Als erstes bewältigen wir den Aufstieg in den vierten Stock mit all unserem Gepäck, denn nun war es an der Zeit, alles so zusammen zu fügen, dass es auf dem morgigen Flug bequem und sinnvoll ist. Wir gerieten bei dieser Aufgabe ganz schön ins Schwitzen, was einerseits an der hohen Temperatur im Motelzimmer lag und andererseits an dem Zuwachs an Gepäck: 2 Paar Schuhe, 3 Jeans, 1 Sweater, 1 Poster, 1 Buch, mehrere große Boxen mit Süßigkeiten, die vielen Tüten Skittles und diverse andere Kleinigkeiten… zum Glück hatten wir ja weise vorausschauend eine geräumige Reisetasche mitgenommen, und diese wurde jetzt prall gefüllt und mit einem Extragurt gegen Aufplatzen gesichert.

Als alles verstaut war, merkten wir, wie hungrig wir waren. Seit dem üppigen Frühstück um elf hatten wir ausser Getränken nichts mehr zu uns genommen. Das Auto musste eh vollgetankt zurück gegeben werden, also beschlossen wir, dies sofort zu tun und gleichzeitig etwas zu essen zu suchen. Eine Weile irrten wir umher, aber schließlich wurden beide Ziele erreicht. Es fand sich allerdings nur ein Jack in the box, wo wir ein Grilled Sandwich und ein paar Chicken Nuggets erstanden. Mit den erbeuteten Sachen eilten wir ins Motel zurück und nahmen unser karges Mahl ein. Mir ging es nun zusehends besser, womöglich war ich einfach unterzuckert?! Der Wecker war auf viertel vor vier gestellt, aus diesem Grund duschten wir lieber noch heute Abend und gingen dann schnell ins Bett (immerhin war es schon kurz vor zwölf). 

Ich schlief auch ziemlich gut ein, wurde aber nach kurzer Zeit wieder wach und wälzte mich unruhig im Bett umher. Meine Gedanken kreisten um alle möglichen Eventualitäten… was, wenn der Wecker nicht funktioniert ?! Was, wenn wir auf dem Weg zum Flughafen einen Unfall haben ?! Was, wenn zuhause schlimme Dinge passiert sind ?! Und so weiter - mit dem Ergebnis, dass ich gar nicht mehr einschlief. Entsprechend gerädert war ich, als der Wecker (natürlich) brav klingelte ! Da alles transportfertig bereit stand, tranken wir nur schnell unsere Heißgetränke und brachen dann, vom Navi sicher geführt, Richtung Flughafen auf. Nur 10 Minuten dauerte die Fahrt durch das nächtliche San Diego. Zuerst musste der Mietwagen zurück gegeben werden. Uli schrie entsetzt auf, als ich in die Einfahrt einbog, denn auf dem Boden waren spitze Metallzacken, die nur in eine Richtung ohne Reifenschaden zu bewältigen sind - und er dachte einen schrecklichen Moment lang, wir führen in die falsche Richtung. Mir blieb bei seinem Aufschrei fast das Herz stehen, aber immerhin war ich danach hellwach. Daraufhin fuhr ich kopflos in die nächste Parklücke und lief in das Gebäude, wo wir den Wagen gemietet hatten. Eine einsame Dame schaute mich irritiert an und fragte, ob denn niemand in der Rückgabe-Station sei ?! Oh sorry, die hatte ich leider völlig übersehen. Also zurück zum Auto und selbiges zur Rückgabestation manövrieren, wo ein netter junger Mann unser Fahrzeug entgegen nahm. Sein Kopfschütteln über meine Hektik war nur leicht angedeutet wahrzunehmen. Tschüs, Du braves Gefährt. Knapp 3900 Meilen (ca. 6270 km) weit hatte es uns durchs Land getragen. 
Ein Shuttle sammelte uns ein und setzte uns eine ganze Ecke entfernt von dem Bereich der American Airlines ab. Also hieß es, die schweren Gepäckstücke dorthin zu bewegen; drei davon hatten zum Glück Rollen. Wir waren schon ein bisschen spät dran für die geforderten 2 1/2 Stunden vor dem Abflug, es waren nur noch 1 1/2 Stunden, was mich sehr nervös werden ließ - und meine Nägel litten entsprechend. Aber wie es immer so ist: alles kein Problem, alles prima, nichts los. All meine Aufregung war wieder mal umsonst. Unser großer Koffer und die Reisetasche verschwanden auf dem Gepäckband, und wir marschierten erleichtert zum Security Check, wo wir gründlich durchgescannt wurden.
Das Abfluggate war schnell gefunden, Zeit genug vorhanden -> Entspannung trat ein, und so gönnten wir uns einen wunderbar-heißen, aromatisch-frischen Kaffee vom benachbarten Starbucks. 
Das Flugzeug war komplett ausgebucht, so dass wir unsere kleinen Trolleys aufgeben mussten. Nur schnell das Kissen und meine Lektüre entnehmen, und danach hatten wir nur noch unsere Rucksäcke… auch nicht schlecht. Eine kleine 737 flog uns aus unserem geliebten Kalifornien fort, unnötig zu erwähnen, dass die Tränen heftig liefen. Da wir am Fenster saßen, konnten wir die Wüsten, die Bergketten, Salton Sea, die schnurgeraden Highways, Blythe und den Übergang nach Arizona noch mal betrachten, aus 10000 Meter Höhe, bei wolkenlosem Himmel. Ja, dieses Land hat unsere Herzen fest im Griff !

Nach gut dreieinhalb Stunden Flugzeit erreichten wir Chicago. Eine dicke Wolkendecke lag über der Stadt, grau und trüb empfing sie uns, womöglich ein Vorgeschmack auf Hamburg ?


Brrrr, uns schauderte ! Die Menschen waren gar nicht mehr so freundlich, Lächeln gehört hier nicht zum normalen Umgang - Kalifornien ist eben in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmestaat. 

Über drei Stunden Zeit bis zum nächsten Flug Richtung Düsseldorf… erst mal rauchen gehen, meinte Uli. Zu diesem Zweck mussten wir das Flughafengebäude verlassen und danach erneut durch den Security Check. Diesen Spaß gönnten wir uns nur ein Mal. Dann eben essen. Eine Mini-Pizza mit Spinat und Tomaten für satte 8,50 Dollar - Flughafenpreise. Ein paar Dollar hatten wir noch, also gab es hinterher noch einen Espresso und einen Mango-Ananas-Smoothie.
Beim Warten auf den Weiterflug nickte ich immer wieder ein, die vergangene Nacht war einfach zu kurz gewesen.
Gegen halb vier durften wir die nächste Maschine besteigen: eine 767 älteren Baujahrs. Schäbig das Innere, aber mit ausreichend Platz, da nicht ausgebucht. Und so sitze ich hier in der letzten Reihe am Fenster, Uli vor mir, wir haben jeder zwei Plätze für uns alleine, und eben geht die Sonne unter. 

Und gleich, wenn ich diesen Text fertig habe, werde ich mich auf mein Kissen kuscheln und versuchen, ein wenig zu schlafen. Das ist wahrer und unerwarteter Luxus ! Morgen früh gegen sechs sind wir dann wieder auf deutschem Boden - wir sehen diesem Umstand mit sehr gemischten Gefühlen entgegen.

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