Donnerstag, 20.3.
Ein bisschen schlafen konnte ich tatsächlich, trotz Enge und Turbulenzen. Insofern war ich einigermaßen ausgeruht. Ein wunderbarer Blick über England, fast unwirklich, hatte uns einige Zeit in Atem gehalten, und nun, kurz vor dem Landeanflug auf Düsseldorf, ging brandrot die Sonne auf.
Es wurde noch ein schnelles Frühstück serviert, ein toller Ausblick inklusive Rhein verwöhnte uns, der Himmel klar und wolkenlos - wie schön ! Meine Ohrenschmerzen hielten sich in Grenzen, so dass die Landung direkt erträglich war (wenn auch die Gewissheit, endgültig in Deutschland angekommen zu sein, einen ziemlichen Druck im Magen bewirkte).
Bye bye amerikanisch, hallo deutsch. Ein letztes Mal "have a good day" zu den netten Stewardessen, danach unmittelbarer Wechsel in rheinisches Platt. Uli konnte da recht gut mithalten, aber ich war nur genervt und traurig.
Wir sammelten unsere Koffer ein, und los ging die Suche nach dem Anschlussflug. Aus uns nicht bekannten Gründen hatten wir in San Diego nur Bordkarten bis Düsseldorf erhalten, daher mussten wir jetzt einen Air Berlin-Schalter suchen, um erneut einzuchecken. Keine leichte Aufgabe mit dem schweren Gepäck und dem wenig hilfsbereiten Flughafenpersonal. Schließlich tafen wir am richtigen Schalter ein. Mittelschwere Unruhe: "Wir hatten Sie für den Flug um 6.50 Uhr gebucht !" "Unsere Unterlagen sagen aber eindeutig 8.35 Uhr !" Tja, was nun ?! Die Dame am Schalter führte diverse Telefonate, verdrehte die Augen, bat um Verzeihung, seufzte und stöhnte, telefonierte erneut, fragte Kollegen, tippte aufgeregt in ihren Computer... zum Glück waren noch fast 2 Stunden Zeit bis zum Abflug, ich wäre sonst ziemlich nervös geworden. Zu guter Letzt wurde unser Gepäck dann doch weg befördert, und wir erhielten unsere Bordkarten. Erst mal vor die Tür, Nikotin nachtanken. Uli saß seit Chicago auf dem Trockenen und wurde langsam unruhig.
Erheblich gelassener konnten wir danach den Duty Free-Shop aufsuchen, wo ich für Till Zigaretten kaufen wollte - Pustekuchen ! Das hätte ich in Chicago tun müssen, jetzt war es zu spät, da wir uns bereits auf deutschem Boden befanden. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.
In der Wartezone für den Flug nach Hamburg bestaunte ich die vielen wichtigen Business-Gestalten mit ihren Köfferchen, Kostümen, Smartphones und dem unvermeidlichen Heißgetränk to go. Es fiel mir schwer, mir Susanne unter diesen stereotyp wirkenden Personen vorzustellen, irgendwie wollte sie nicht recht dazwischen passen.
Pünktlich hob der Flieger ab, ein blitzsauberer Airbus, neu und modern. Freundliche Stewardessen servierten sofort Getränke und warme Rosinenbrötchen, kaum lohnend für die 40 Minuten Flugzeit, aber dankbar akzeptiert.
Dann erreichten wir Hamburg. OK, nun war es endgültig - wir waren quasi zuhause. Das Gepäck erschien vollständig und wohlbehalten auf dem Laufband, nur noch schnell durch den Zoll. Und da stand auch schon unsere liebe Boni, freudig-strahlend begrüßte sie uns, dazu Sonnenschein und blauer Himmel; extra für uns, damit wir nicht sofort umkehren. In flotter Fahrt ging es Richtung downtown HH, wo wir eine ganze Weile auf der Grindelallee in einem Café zusammen saßen und uns gegenseitig auf den neuesten Stand brachten. Die Servicewüste Deutschland machte ihrem Namen alle Ehre, so fiel die Realität direkt mit der Tür ins Haus. Die Müdigkeit bewirkte, dass wir uns wie in Watte fühlten, alles schien verlangsamt und strengte an. Gegen halb eins verabschiedete Boni uns am Bahnhof, der Zug stand abfahrbereit da, was für ein Glück. Auf der Fahrt nach Lübeck fielen uns immer wieder die Augen zu, und wir sehnten uns danach, endlich alle Viere von uns strecken zu dürfen. In Lübeck erwartete uns der Anschlusszug auf dem Nachbargleis, kein weites Geschleppe mit den schweren Gepäckstücken nötig - wie herrlich.
Flugs war auch Bad Schwartau erreicht, heimatliche Gefilde... nun nur noch das kleine Waldstück bewältigen. Wir torkelten Richtung Bismarckstraße, trafen gleich ein paar Lumpis (wie üblich) und waren sehr erleichtert, in unserer Wohnung endlich die schweren Sachen abstellen zu können.
Das Chaos hielt sich in Grenzen - bis auf einen großen Schmutzwäsche-Berg, zu dem sich nun auch noch ein weiterer Haufen aus unserer Reisetasche gesellte. Schnell eine Maschine starten, die Koffer auspacken, den eben nach Hause kommenden Till inklusive Anhang begrüßen und dann erst mal hinlegen. Schlafen wollte ich eigentlich nicht, von wegen Zeitverschiebung und dann nachts wach liegen... aber keine Chance ! Die Erschöpfung holte mich direkt ein, und mir fielen die Augen zu. 18 Stunden lang sollte ich sie geschlossen halten, unterbrochen nur durch zwei Anrufe und ein paar Schlucke Wasser.
Mit dröhnendem Schädel erwachte ich am Freitag Nachmittag, um sofort mit den unerfreulichen Neuigkeiten konfrontiert zu werden, die in der Zwischenzeit hier aufgelaufen waren - herzlich willkommen in der Realität !
Oh ja, wie wundervoll ist es mit Dir reisen zu dürfen, Deinen Träumen zu folgen, die eigenen zu sehen und immer wieder anzukommen. Danke schön dafür.
AntwortenLöschenEs gibt nichts, was wir nicht schaffen werden - denn wir schaffen und sind die Realität. Auch hierfür Danke.
Du schreibst so schön - es ist mir immer wieder eine Freude; auch für Dich.
So freue ich mich auf alle noch vor uns liegenden Reisen - egal wo sie hinführen mögen; denn der Weg ist das Ziel.
Auf viele weitere Reisen, mein Schatz! Die Welt steht uns offen...
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