Sonntag, 26.7.15
Trotz des Lärms auf der Straße war die Nacht erholsam und erfrischend. Gegen sieben Uhr ist sie endgültig vorbei. Ich checke als erstes meine eMails und freue mich über eine Nachricht von Till, der mir das Ergebnis meiner Blutkultur mitteilt: keine Bakterien vorhanden! Wie entspannend. Diese gute Nachricht muss ich gleich meinem Liebsten überbringen. Er sitzt mit L in der Küche und übt das 1x8. Ein Lady Grey-Tee ist das, was ich jetzt brauche. L findet, es wäre ein guter Zeitpunkt für eine Runde Siedler. Uli und ich haben Lust und bauen flugs das Spiel auf.
Wir sind mitten im Geschehen, als B und P herunter kommen. Da Susan zum Brunch eingeladen ist, müssen wir uns ein wenig beeilen. Also gewinnt Uli schnell, damit wir noch den notwendigen Einkauf erledigen können. P und ich fahren zu Whole Foods und besorgen frische Bagel, Käse, Tomaten, Aufschnitt, Obst sowie Apfelsaft für Uli, der in den letzten Tagen viel zu wenig getrunken hat. Wir sind ein gutes Shopping-Team und blitzschnell fertig. B ist ganz erstaunt, wie flott wir zurück sind.
Gemeinsam decken wir einen üppigen Frühstückstisch mit diversen Leckereien. Mit B ergibt sich plötzlich die Chance, den gestrigen Vorfall zu besprechen, so nehme ich allen Mut zusammen und stelle meine Frage. Wie ich schon vermutete, hatte ich auf dem falschen Ohr gehört. Es ist schön, wenn Missverständnisse sich in Wohlgefallen auflösen! Für's Erste reicht die Klärung, und wir planen weitere Gespräche bei nächster Gelegenheit.
Pünktlich um zehn erscheint Susan und bringt ihre Nespresso-Maschine mit, um mir Cappuccino zu bereiten. Wie überaus lieb von ihr! Wir genießen das leckere Frühstück und führen angeregte Gespräche. Auch L kommt auf seine Kosten, da Susan ihn aktiv miteinbezieht. Sie hat viel erlebt, lacht gerne und weiß interessant zu erzählen.
Nebenbei planen wir unseren Tag. Ein Walfisch-Museum steht zur Debatte, was wir letztlich aber vertagen, weil wir am heutigen Sonntag zu großen Andrang befürchten. L schnappt kurz ein, besinnt sich dann aber eines Besseren. B benötigt von P eine Behandlung, daher einigen wir uns darauf, gegen halb drei Richtung Stadt aufzubrechen. Dies gibt mir die Gelegenheit, mein Blog auf den (fast) neusten Stand zu bringen.
Einigermaßen pünktlich brechen wir auf. L lacht sich im Auto über meine Witze schlapp. (Was ist der Unterschied zwischen einem Spatz? Beide Beine sind gleich lang, besonders das linke.) Nach kurzer Fahrt entdecken wir ein thailändisches Lokal und kehren spontan ein. Ein winziger Gastraum nimmt uns auf, sehr schlicht gestaltet. Man darf gespannt sein... Die Wahl der Speisen fällt heute leicht: L ist mit Frühlingsrollen zufrieden, B wählt eine Suppe, P, Uli und ich entschieden uns für Currys. Meins enthält frische Mangos und schmeckt köstlich - aber wieder läuft bei der Bestellung etwas schief, und ich erhalte weißen statt braunen Reis. Egal.
Sehr zufrieden und angenehm satt suchen wir einen Coffee Shop auf, wo es diverse Spezialitäten gibt. Alles klingt lecker und sieht gut aus. B erhält als erste ihr Getränk, probiert und zuckt angewidert zurück. So unangenehm schmeckenden Espresso habe sie noch nie getrunken! Auch heißes Wasser bringt keine Verbesserung. Mein Milchkaffee ist Okay, dafür will der Brownie so gar nicht munden. Schade, denn preislich liegen die Waren in einem anspruchsvoll hohen Niveau.
Ein kleiner Spaziergang ist jetzt genau das Richtige. Wir überqueren den Highway und erreichen India Point: eine Parkanlage am Wasser, weitläufig und gut besucht.
Die vielen Angler erregen L's Aufmerksamkeit. Er bestaunt deren Ausrüstung und schaut, was wer schon so gefangen hat. Ich strecke mich ein bisschen auf einer Wiese aus und lausche den unterschiedlichsten Geräuschen: laute Musik vom gegenüberliegenden Ufer, Kinderlachen vom Spielplatz, die Rufe der Sport treibenden Jugendlichen usw.
Etwa eine Stunde verweilen wir dort und entspannen in der Spätnachmittagssonne. Dann schlendern wir zurück zum Auto, müssen sogar einen kurzen Schauer hinnehmen, und ich fahre uns auf P's Vorschlag hin zu seiner ehemaligen Praxis. Von dort aus spazieren wir zum Campus der Brown University. Hier herrscht eine ausgelasse Stimmung - ich muss sehr an Monster University denken. Die gesamte Szenerie wirkt wie aus diversen amerikanischen Filmen! Auf dem Rückweg entdecken wir ein interessantes Kunstwerk, das an Alufolie erinnert, aber aus Stahl ist. Dort albern wir eine Weile herum, bis L sich eine schmerzende Schramme zuzieht. Nun aber nach Hause! Wieder lande ich hinter dem Steuer, und P führt mich Richtung Doyle Ave.
Ein schnelles Abendessen, fix etwas aufräumen, L ins Bett bringen - danach verschwinden B und P auf ihren Abendspaziergang, Uli entspannt sich beim Surfen im Internet, und ich nehme eine erfrischende Dusche. Dann ist mein Blog dran, auf keinen Fall möchte ich in Verzug geraten! Nun ist es fast zwölf, ich bin müde und freue mich auf baldige Nachtruhe.
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