In der Nacht werde ich wach und bemerke Blitze, höre aber keinen Donner. Dann beginnt es heftig zu regnen und schließlich rumpelt gegen vier auch noch die Müllabfuhr vor unserem Haus herum. Zum Glück kann ich wieder einschlafen, nachdem ich mir eine Art Schallschutz-Tasche aus Kissen für meinen Kopf gebastelt habe. Erst kurz vor acht bin ich ausgeschlafen. Beim Öffnen der Jalousien zeigt Providence sich ganz in Grau. Ein Grund, schlechte Laune zu bekommen? Abwarten, das kann sich auch fix ändern.
Uli sitzt mit L in der Küche, die beiden üben erneut Mathe, dieses Mal das 1x7. Mein Morgentee ist schnell bereitet. Oh, wie genieße ich den aromatischen Duft meiner Lieblingsteesorte! Bald tauchen auch P und B auf, und wir nehmen das Frühstück in Angriff, mit Rührei und Toast - besonders befriedigend weil sehr lecker. Die Planung des Tages wird von P angeregt, er hat den Vorschlag, Little Italy zu besuchen und dort Lunch zu essen. Alle sind einverstanden, aber zuerst ist Körperpflege angesagt, L z.B. benötigt dringend eine Reinigung. B versucht, die Toilette mit Kosmetiktüchern zu putzen, verursacht damit allerdings eine Verstopfung derselben... nun ja, der gute Wille zählt.
Gegen eins haben alle ihre Sachen beisammen, und wir besteigen das Auto. So trüb der Tag begann, so sonnig und warm wird es nun. B bringt uns zügig nach Federal Hill, die italienisch geprägte Ecke von Providence. Ein Parkplatz ist auch schnell gefunden. Wir wandern ein wenig herum und bestaunen die interessanten Läden und Restaurants.
P führt uns zu zu einem sehr originellen Geschäft, welches italienischer Supermarkt und Bistro zugleich ist. Die Preise sind - wie inzwischen gewohnt - eher hoch, aber das Ambiente ist es wert. L schaut fasziniert den Köchen in der verglasten Küche zu. Sie lachen und winken freundlich. B und P entscheiden sich für Pasta, Uli und ich möchten lieber Sandwiches. Die servierten Speisen sehen nicht nur köstlich aus, sie munden auch hervorragend.
Besonders entzückend ist unsere Bedienung Maria, eine extrem attraktive junge Frau mit strahlend weißen Zähnen und einem freundlichen Lächeln. Wir lassen uns Zeit mit dem Lunch und unterhalten uns dabei angeregt. L bekommt zum Dessert eine große Kugel Schokoladeneis und ist hoch zufrieden. Obwohl ich großmundig verkündet hatte, natürlich das ganze Sandwich essen zu wollen, muss ich leider nach der Hälfte passen. Maria packt mir den Rest in eine praktische Box.
Die Temperatur im Laden beträgt kühle 18 Grad, und so trifft uns die Mittagshitze auf der Straße mit voller Wucht.
In meinem Kopf puckert ein leichter Schmerz - liegt es am Wetter oder an den schweren Themen der letzten Tage?! Da sich Julie, eine Bekannte von Susan, für halb fünf angekündigt hat, gehen wir nur noch ein Mal um den Block und dann zum Auto zurück.
P zeigt uns auf dem Rückweg ein paar interessante Ecken mit schönen viktorianischen Villen und Steigungen, die sehr an San Francisco erinnern.
Mein Sandwich wartet auf dem Abendbrottisch auf mich und schmeckt immer noch sehr lecker. L bekommt nicht, was er essen will und rastet aus. P greift sofort ein, er duldet keine Respektlosigkeiten! Die beiden streiten lautstark und heftig, mir steigen die Tränen in die Augen... mein Bedürfnis nach Harmonie ist riesig, aber ich verstehe auch, dass diese Auseinandersetzungen dringend sein müssen. Wieder bewundere ich P's Durchhaltevermögen und seine Geduld.
Als Susan Bescheid sagt, dass sie los möchte, beschließt Uli plötzlich, dass er auch mit fährt. Dies irritiert mich so stark, dass ich spontan erstarre. Mein Kopf hämmert wie wild. Sofort ziehe ich mich in mich zurück und sage ihm, er könne fahren, ich bliebe hier. Uli ist alarmiert! Was mit mir los sei, möchte er wissen. Ich kann nur fliehen und schweigen - ein uraltes Muster, welches mich bereits mein gesamtes Leben lang begleitet. Lange kann ich keine seiner Fragen beantworten und stehe mit hängenden Armen und gesenktem Kopf vor ihm. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis das Rauschen in meinem Schädel etwas nachlässt und der dunkelgraue Nebel sich ein wenig lichtet. In mühsamer Kleinarbeit bringt Uli zum Vorschein, dass ich lieber mit Susan alleine gefahren wäre, mich aber nicht in der Lage sah, dies zu äußern. Dicke Tränen laufen über meine Wangen, ein brennender Schmerz bohrt sich durch mein Herz. Tiefer Weltschmerz macht sich in mir breit und nimmt mir die Luft zum atmen. Die Tränen wollen nicht versiegen, ich weine und weine. P und B melden sich ab, sie möchten ihre Abendrunde drehen. Uli weicht mir nicht von der Seite und redet beruhigend auf mich ein, bis meine Trauer langsam nachlässt. Erschöpft gehe ich duschen und verbringe anschließend eine ganze Weile auf der Toilette, da mich plötzlicher Durchfall plagt. Ist das Sandwich Schuld oder das schwere Thema!? Ich weiß es nicht. Mein Kopf brummt nach wie vor... Zeit, ins Bett zu gehen.
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