Es ist noch grauer Morgen, als ich zum ersten Mal die Augen aufschlage - eindeutig viel zu früh, um schon aufzustehen. Uli schleicht sich so leise wie möglich aus dem Zimmer, seine Nächte sind ja stets ein ganzes Stück kürzer als meine.
Ein bisschen schlummere ich noch, träume wirr vor mich hin und erwache eine gute Stunde später ausgeruht und fit für einen neuen, spannenden Tag.
Es duftet nach frischem Kaffee, ich spüre deutlich Hunger und bin fix unten, wo L und Uli bereits auf mich warten. L möchte sofort Siedler spielen, was wir dann auch tun.
Als B und P hinunter kommen und uns am Spieltisch erblicken müssen sie lachen. Während wir weiter spielen, bereiten die beiden Frühstück mit Rührei und Toast. Wir schieben das Spielfeld ein Stück zur Seite, essen schnell und spielen dann weiter. Das Glück ist mir hold, der Sieg ist mein, hurra!
Da uns wieder ein heißer Tag bevor steht, packen wir unsere Taschen für einen Ausflug ans Meer. Es dauert eine Weile, bis alle Dinge zusammen getragen sind, aber gegen elf sind wir abfahrbereit und starten Richtung Atlantikküste. B manövriert das Auto sicher aus Providence heraus und folgt den Anweisungen unserer Routen-Uschi (so nennen wir Uli's Handy-Navi), welche uns dadurch zum Lachen bringt, dass sie alle Straßennamen deutsch ausspricht.
Eine gute Stunde dauert die Fahrt, wir sehen pittoreske Farmhäuser mit einladenden Schildern, welche frische Produkte anpreisen, z.B. Pfirsiche, Tomaten und Mais - sehr verlockend.
In der größten Mittagshitze erreichen wir den Strand von Narragansett. Es handelt sich um einen State Parc, dadurch zu erkennen, dass Eintritt zu zahlen ist. 20 Dollar möchte die Dame von uns haben. Dafür dürfen wir parken und erhalten eine Plastiktüte für unseren Müll. Rauchen ist verboten, das ärgert Uli ziemlich...
Am Strand ist der Teufel los! Es wimmelt nur so von Menschen. Nun ja, kein Wunder bei dem herrlichen Wetter. Der Sand ist besonders fein und ziemlich heiß.
Einladend glitzert der Atlantik - also nichts wie rein in den Badeanzug und ab ins Wasser. Die Temperatur ist genau richtig: wunderbar erfrischend. L und ich planschen herum, und sogar Uli kommt dazu. Eigentlich ist er nicht so ein großer Freund des kalten Wassers, aber die Wärme gibt es absolut her. L findet einige schöne Muscheln und amüsiert sich köstlich darüber, dass ich sie zu vorübergehenden Aufbewahrungszwecken vorne in meinen Badeanzug plumpsen lasse.
Eine ganze Zeit genießen wir das kühle Nass. Gut, dass Uli sich eine Badeshorts angeschafft hatte! Alle Männer tragen Shorts, enge Badehosen sind verpönt. Womöglich wäre er mit seinem Speedo-Slip unangenehm aufgefallen.
P und B liegen in der Sonne und entspannen sich eine Weile, bis P zum Aufbruch drängt: es wird Zeit fürs Mittagessen. Also packen wir unsere Sachen zusammen und besteigen das erhitzte Auto. Zum Glück kühlt die Klimaanlage es schnell auf eine angenehme Temperatur hinunter.
Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten, und schon erreichen wir den Hafen, wo sich ein Fischrestaurant an das andere reiht. Schnell ist die Entscheidung gefallen, wir wählen ein Lokal, welches über eine große Dachterrasse verfügt, von der aus man einen schönen Blick über den Hafen hat.Die Preise sind happig: für fünf gebackene Coconut-Shrimps mit Orangensauce, Pommes und einem kleinen Napf Cole Slaw legen wir runde 15 Dollar hin. Das Essen ist lecker, die Portionsgröße lässt allerdings Wünsche offen ...
L benimmt sich P gegenüber patzig und frech - da platzt P der Kragen! Er zerrt L hinaus vor die Tür und liest ihm gehörig die Leviten. Es dauert eine Weile, bis die beiden zurück kommen, und man sieht P an, wie sehr ihn diese Auseinandersetzung mitgenommen hat.
L hat sich gewünscht, einen Hummer essen zu dürfen, was ihm erlaubt wird. Stolz bringt er das krebsrote Tier zum Tisch und beginnt, es zu zerstückeln. Voller Interesse nimmt er es auseinander - ich schaue eher skeptisch zu.
Mir ist das zu realistisch und irgendwie ekelig, aber L ist begeistert. Auch B findet den Hummer sehr lecker.
Derweil mache ich mich auf die Suche nach einem Geschäft, wo ich einen Cappuccino bekommen kann. Pustekuchen! Ich finde zwar einen Eis- und Kuchenladen, aber dort gibt es nur normalen Kaffee. Frustriert erstehe ich ein winziges Apfel-Zimt-Küchlein zum horrenden Preis von vier Dollar. Mit zwei Bissen habe ich das Teil verschlungen, und besonders schmackhaft war es auch nicht.
Nach dem Essen wandern wir ein wenig die Straße hinunter und entdecken einen Fischladen. Den muss L unbedingt anschauen. Er bestaunt die vielen lebenden Hummer, Krebse, Muscheln und mehr. Die Tiere fangen an, ihm Leid zu tun, so eng zusammen gepfercht und mit zugebundenen Scheren. Überall finden wir nun Stände und Läden, wo man lebende Hummer, Hummer-Souveniere und sogar Zubehör für den Hummer-Fang erstehen kann.
An einem Stand ist ein besonders ambitionierter Verkäufer, welcher uns ein Prachtstück von Hummer zeigt: gut 60 Jahre ist das Tier alt und runde 10 Pfund schwer. Es bedrückt L, dass dieser prächtige Gesell bald in einem Kochtopf oder auf einem Grill sein Leben lassen wird. Ich kann L's Gefühle nachvollziehen.
Wir klettern ins Auto und fahren zurück zum Strand, um dort noch ein wenig zu relaxen. Mich zieht der Ozean erneut magisch an, und ein paar Augenblicke später liege ich wieder im kühlen Wasser. Herrlich! L kommt dazu und hüpft fröhlich herum.
Der Himmel bewölkt sich zusehends, direkt bedrohlich wirken die dunkelgrauen Wolkenberge, welche immer näher kommen. Wir packen schnell zusammen, und kaum haben wir unser Auto erreicht, beginnt es zu regnen.
B wünscht sich ein Strandlied - ich kenne leider keins. L beginnt auf "Strand" zu rappen, und ich stimme ein. Wir reimen wild herum, haben jede Menge Spaß, und schon sind wir mitten im schönsten Singen. Alle Beatles-Songs, die uns in den Kopf kommen, werden intoniert. So vergeht die Rückfahrt wie im Flug und macht uns obendrein ein riesiges Vergnügen.
Zu Hause angekommen stellen wir fest, dass weder Brot noch Espresso für morgen früh vorhanden sind. Also fahren Uli und ich zum Whole Foods und besorgen die fehlenden Dinge plus ein bisschen Obst, Aufschnitt, Tee und Sojamilch. Stolze 60 Dollar verlangt man an der Kasse von uns - so schön dieser Laden ist und so hochwertig die Waren sein mögen, alltagstauglich ist er wahrlich nicht!
Als wir wieder zurück kommen, berichten B und P, dass L einfach eingeschlafen ist. Seeluft macht müde. Uns übrigens auch, und nach einem schnellen Abendessen begeben wir uns in unsere Zimmer. Uli und ich führen noch eine kleine Diskussion über Authentizität, und eigentlich wollte ich auch noch mein Blog schreiben, aber da meine Augen brennen, verschiebe ich das Schreiben auf morgen und lege mich lieber schlafen.
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