Donnerstag, 23.7.15
Herrlich habe ich geschlafen auf der neuen Matratze! So tief und fest, dass ich beim Aufwachen fürchte, es könnte bereits spät am Vormittag sein. Aus dem Erdgeschoss dringt Lachen zu mir herauf, also nichts wie raus aus den Federn.
L kommt mir fröhlich entgegen und begrüßt mich. Es ist erst kurz nach sieben, kein Grund zur Panik. Erstmal einen schönen Tee und dann mal gucken, was die anderen treiben. Uli und B genießen die Morgensonne auf den Stufen der Veranda, P wuselt in der Küche herum, und L spielt friedlich mit seinem Lego. Frühstücken ist der Plan, denn wir sind alle hungrig. Ich schreibe weiter an meinem Blog, damit ich nicht allzu sehr in Verzug gerate, während B, P und Uli sich ums Essen kümmern. Köstlich duften das frische Toast und die Nudelpfanne, welche P aus den Resten des Vorabends zaubert. Gut, dass wir gestern so viele leckere Dinge erstanden haben!
Bestens gestärkt für den Tag beenden wir die Runde und widmen uns der Körperpflege. Da fällt mir auf, dass meine Zahnbürste benutzt wurde... seltsam! Ich frage P, ob er etwas weiß - und tatsächlich: er hatte im festen Glauben, es handle sich um seine, damit seine Zähne geputzt. Es ist ihm etwas peinlich, aber dann müssen wir einfach nur lachen. In der Kulturtasche findet sich eine andere Zahnbürste, also alles kein Problem.
Bis Mittag puzzeln wir im Haus herum, dann schlägt P uns vor, zum Lunch ein asiatisches Lokal aufzusuchen. B möchte zu Fuß gehen, da es sich lediglich um einen 20 Minuten Spaziergang handelt. P gibt zu bedenken, dass niemand hier zu Fuß geht... macht nichts, wir sind eben Touristen. Es ist ziemlich warm, Uli leidet unter den Temperaturen.
Sehr schön ist die ruhige Nebenstraße, auf welcher wir wandeln. Hübsche Häuser sehen wir, mit tollen Pflanzen davor. Wir bestaunen exotisch anmutende Bäume und prächtige Blumen in allen Größen und Farben. Die Menschen, die uns begegnen, lächeln freundlich. Sogar ein paar Polizisten, die an einer gesperrten Straße wachen, sind zu Scherzen aufgelegt.
Dann erreichen wir das Lokal: ein einfach eingerichteter Raum, recht gut besucht. Die Wahl fällt nicht leicht, gibt es doch ziemlich viele, ziemlich lecker klingende Gerichte im Angebot. Die freundliche Bedienung bringt das obligatorische Eiswasser - ein Service, den ich in Deutschland sehr vermisse. Hier muss man keine teuren Getränke bestellen! Eine Kanne mit Jasmintee erhalten wir auch, L probiert und ist überaus angewidert.
Das Essen kommt, alles duftet herrlich und schmeckt hervorragend.
Auch der anspruchsvolle L isst mit bestem Appetit seine Frühlingsrollen. Ich genieße thailändisches Hühnchen mit Cashewnüssen und gebratenem Reis. Unglaublich lecker und ziemlich günstig (knapp sieben Dollar).
Mit B ergibt sich ein angeregtes Gespräch über krankmachende Systeme, bezogen auf unsere häusliche Situation, die uns so lange schon so sehr mürbt...
Kurz vor halb vier verlassen wir das Lokal, B, P und L eilen nach Hause, denn sie haben eine Verabredung.
Uli und ich schlendern durch die nette Straße, in der sich einige interessante Läden befinden. In einem Café holen wir uns Cappuccino und einen Ingwer-Cookie, der später probiert werden soll. Jetzt passt kein Krümelchen mehr in mich hinein. Auch einen Drogeriemarkt suchen wir auf, denn meine Pinzette blieb leider in Deutschland zurück. Im Angebot gibt es Uli's Lieblingsdeo, da müssen wir natürlich zugreifen. Eigentlich wollten wir ein paar Müllbeutel besorgen, schrecken aber zurück, als wir den Preis sehen: fast sieben Dollar für 20 Beutel - no way! Auch die Zahnpasta-Preise schockieren ein wenig: wer bitte ist bereit, acht Dollar für eine Tube Colgate auszugeben?! Ich auf jeden Fall nicht. Im untersten Regal liegt eine Sorte für 99 Cent, immer noch doppelt so teuer wie unsere sonstige Zahncreme, aber im Vergleich ein echtes Schnäppchen.
Schwüle Nachmittagsluft drückt uns förmlich zu Boden und verlangsamt unsere Schritte auf das äußerste Minimum. Jede noch so leichte Steigung bringt uns zum Keuchen. Anstrengend! Zum Glück ist der Weg nicht so lang und ziemlich abwechslungsreich.
Im Nu haben wir unser Häuschen erreicht und retten uns in unseren angenehmen (weil klimatisierten) Schlafraum. Uli fängt an zu schnurcheln, kaum dass sein Kopf das Kissen berührt hat. Ich surfe ein bisschen im Internet herum und schreibe weiter an meinem Blog.
Bald höre ich L durch den Vorgarten rufen - Familie L. ist zurück und möchte einen Spaziergang unternehmen. Lust habe ich keine und sage dies auch deutlich. Es lebe die Authentizität! Lieber liege ich weiter vor der leise pustenden Klimaanlage und genieße einen Moment des Alleineseins. Da meine Knie nach wie vor geschwollenen sind, mache ich mir kühlende Auflagen mit essigsaurer Tonerde und fläze mich in den superbequemen Stressless-Sessel. Für Mareike hatte ich in Keflavik eine Postkarte mit Island-Ponies erstanden, diese schreibe ich nun. Eigentlich wollte ich danach eine Runde lesen, aber daraus wird nichts, denn die Spaziergänger kehren zurück, und L plappert ohne Punkt und Komma. Also lausche ich seinen Ausführungen und verschiebe das Lesen auf später.
P bietet an, Abendessen zu bereiten. Sehr lieb von ihm - nur richtig hungrig bin ich nicht. Das tolle Mittagessen sättigt nach wie vor. L ist scharf darauf, endlich Siedler von Catan zu spielen und überredet Uli und mich zu einem schnellen Spiel. Es wird nur eine Viertelstunde, dann ist Schlafenszeit. Bestens gelaunt wünscht er uns eine gute Nacht und kündigt für morgen die nächste Runde an. Mir kommt jetzt der Ingwer-Cookie gerade Recht, so als kleiner Snack.
Ein weitestgehend entspannter Tag geht zu Ende, und ich freue mich schon auf morgen, denn da steht ein Strandbesuch an - wenn das Wetter auch mitspielt.
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