Die Nacht verlief wie befürchtet unruhig und endet abrupt um halb sechs. Hellwach sitze ich auf dem Wackelpudding-Bett und schaue mich gründlich um. Im Flur höre ich Flüstern: L ist auch bereits munter und bereit für den Tag. Ein paar Minuten versuche ich noch, wieder einzuschlafen, aber das will partout nicht gelingen. Also tappe ich möglichst leise die steile Treppe hinunter und koche Wasser für eine große Tasse Tee. Uli ist ebenso ausgeschlafen und probiert den Kaffee.
Nach einer erfrischenden Dusche mit tröpfelndem, eher kühlem Wasser besteigen wir unser Gefährt, und P führt uns durch den hübschen Ort. Beißender Hunger bringt uns fix zu dem Entschluss, Frühstücken zu gehen. Mich reizt ein Diner, da ich riesige Lust auf ein herzhaftes Omelett habe. Den Kaffee holen P und B aus einem Laden gegenüber - kein Problem für die nette Bedienung des Diners. In Deutschland undenkbar!
Lecker und ausreichend sättigend gestaltet sich das Frühstück, nur L ist ungehalten, da seine Eltern ihm keine Süßspeise erlauben wollen. Er verlässt bockig das Lokal, aber das ändert auch nichts an der Entscheidung.
Nach dem Essen ist ein kleiner Ausflug geplant: P kennt einen überaus idyllischen Friedhof, den er uns gerne zeigen möchte. Wunderschöne alte Bäume und imposante Grabstätten empfangen uns, und wir müssen noch nicht einmal aussteigen, da man auf dem gesamten Gelände mit dem Auto herum fahren darf. Natürlich steigen wir trotzdem aus und schlendern ein wenig herum, bis sich Wasser erahnen lässt: Pawtucket River begrenzt die Anlage und lädt zum Verweilen ein. Herrlich ist es, unter hohen Bäumen am Ufer des Flusses zu sitzen, den Zikaden zu lauschen und zu träumen. Einige Fische hüpfen wild auf der Oberfläche des Wassers herum und lassen glitzernde Schuppen zurück - warum sie dies tun, erschließt sich uns nicht wirklich.
L ist begeistert, übt mit Uli Steine springen lassen, schnitzt und klettert auf den großen Felsen herum, die das Ufer säumen. B und P spazieren derweil durch den Park, und ich lege mich für eine Weile auf der Ufermauer hin.
Dann befällt mich das dringende Bedürfnis, einen Cappuccino zu trinken, und wir fahren zum nächsten Starbucks, wo ich leider einen Fehlkauf tätige: spontan entscheide ich mich für einen Frappuccino, der viel zu süß ist, dafür aber lieber gar keinen Kaffee enthält.
Den notwendigen Lebensmittel-Einkauf verschieben wir auf später, da alle ruhebedürftig sind. Also fahren wir in unserer Quartier zurück, wo jeder seinem Gusto folgt. Susan kommt mit einer Lösung für unser Bett-Problem: da L so begeistert von der Pudding-Matratze ist, bekommen wir seine plus eine weitere, welche ich vom brüllheißen Dachboden herunter wuchte. L freut sich über die neue Schlafgelegenheit, und auch wir sind glücklich darüber, nicht noch eine weitere Nacht auf dem Wackelmonster schlafen zu müssen.
Danach packe ich unsere Koffer aus und räume alles in die großen Schränke. Ordnung befriedigt doch sehr! Eine Weile legen Uli und ich uns hin und genießen den wunderbar festen Liegekomfort. Ich schreibe an dem Blog weiter und beantworte eine LEO-Anfrage, welche per eMail ins Haus flatterte. Neue Kunden sind stets herzlich willkommen!
Zur Grobplanung der nächsten Zeit setzen wir uns am Esstisch zusammen und besprechen, wie unsere Tage strukturiert sein sollen. Für L sind klare Regeln notwendig, Uli und ich richten uns nach dem, was uns behagt. Wichtigste Regel: keine faulen Kompromisse! Alle sollen sich entspannen und wohl fühlen. Damit kann ich gut leben, denn meine momentane Übung ist, mich nicht mehr für andere zu verbiegen, sondern das zu tun, was mich zufrieden macht.
Da unser Mietwagen irgendeine Flüssigkeit verliert, ruft P bei Alamo an und bittet um Instandsetzung. Flugs wird das defekte Fahrzeug ausgetauscht - toller Service!
L entdeckt am Fischstand einen ganzen Oktopus und überlegt ernsthaft, diesen zu erstehen, schwenkt dann aber um und entscheidet sich für ein Glas mit Klumpen von Himalaja-Salz inklusive kleiner Reibe und einen Apfel-Zerteiler. Mein Hunger wird beißend, und als ich an der heißen Theke mit den unterschiedlichsten Köstlichkeiten vorbei komme, muss ich mir eine Spinat-Tasche zum sofort Verspeisen einpacken. Schließlich haben wir genug Lebensmittel zusammen getragen und schieben das volle Gefährt zur Kasse. Runde 150 Dollar bezahlt B. Happig! Der nächste Einkauf darf gerne in einem weniger teuren Laden stattfinden. Wir verstauen alles in praktischen Papier-Tüten, beladen den Kofferraum des glutheißen Autos und bringen die Beute nach Hause.
Uli möchte seine amerikanische Telefonkarte aufladen. Der nächste T-mobile Shop befindet sich in einer mall gute 2 Kilometer entfernt. Wir nehmen das Auto, um dort hin zu gelangen, während P und B Abendessen vorbereiten. Die mall ist schnell gefunden, allerdings gestaltet sich das Parken als kleines Problem. Schließlich entdecken wir ein Parkhaus in einer Seitenstraße, welches das Auto aufnimmt. Eilig betreten wir die dreistöckige Riesenmall, suchen den Shop auf dem Übersichtsplan und lokalisieren ihn im obersten Stock. Ich fühle mich gehetzt und unruhig, die Zeit sitzt mir im Nacken... hoffentlich warten unsere Freunde nicht mit dem Essen auf uns! Im Shop angekommen erfahren wir, dass die Karte nicht mehr aufladbar ist, wir müssten eine neue kaufen. 45 Dollar soll sie kosten, was die Frage aufwirft, wofür wir sie überhaupt benötigen. Uns fällt kein Grund ein. Also keine Telefonkarte.
Im Stechschritt geht's zurück zum Parkhaus. Meine Laune (ohnehin schon angeschlagen) sinkt noch ein ganzes Stück weiter in den Keller, als der Automat 6 Dollar für 20 Minuten Parken verlangt.
Leicht bedrückt fahren wir zurück. Uli fühlt sich schuldig an der Situation, ich versuche, ihn zu entlasten, weiß aber nicht, ob ich erfolgreich war. Das Abendessen ist gerade fertig, B und P hören sich unsere Story an, gemeinsam lachen wir über dieses Erlebnis. Es gibt einen frischen Salat und Nudeln mit Tomatensauce - sehr lecker! Susan kommt auf einen Plausch dazu.
Müdigkeit macht sich allgemein breit, schnell räumen wir noch auf, ich dusche fix und dann nichts wie ab ins Bett. Die Klimaanlage bläst uns eisige Luft um die Köpfe, ich schreibe an meinem Blog, und Uli schlummert schon mal ein bisschen... Bald fallen auch mir die Augen zu.
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