Schweißgebadet erwache ich um kurz vor acht. Erstmal duschen! Das kühle Wasser ist herrlich, hält aber nur wenige Augenblicke vor, denn im Haus herrschen sicherlich runde 30 Grad. Jede Bewegung ist anstrengend - und selbst wenn man nur still herumsitzt ist man sofort nassgeschwitzt. Also geht alles ganz langsam... bloß keine hektischen Bewegungen. Frühstück ist angesagt, und gegen zehn erwartet P Samuel, den achtjährigen Sohn einer Freundin. Wir wollen zusammen zum Spielplatz und danach in einem indischen Lokal zu Mittag essen. Im Auto ist nicht genug Platz für alle, daher gehen Uli und ich zu Fuß. Trotz der Hitze genießen wir den Spaziergang, gibt er uns doch die Möglichkeit, den Wegesrand ganz genau unter die Lupe zu nehmen.
Vom Auto aus hatten wir bereits eindrucksvolle Blüten bewundert, die aus nächster Nähe tolle Fotomotive ergeben.
Etwa 20 Minuten schlendern wir die Hope Street hinab, bis wir die Seven Stars Bakery erreichen und dringend einen Eis-Cappuccino benötigen.
Im Geschäft bläst uns die Klimaanlage eisige Luft entgegen - fast zu kalt für die verschwitzten Körper. Man befürchtet, sich sofort etwas aufzusacken. Deswegen gehe ich lieber hinaus in die brütende Mittagshitze und warte dort auf meinen Liebsten, der bald mit zwei Bechern wieder auftaucht. Zuvor finde ich allerdings eine Gratis-Landkarte, die uns einen guten Überblick von Providence verschafft.
Weiter geht's Richtung Spielplatz, wo Samuel und L sich im Springbrunnen tummeln. Der einzige Ort, wo man es momentan aushalten kann! Schnell habe ich mich meiner Schuhe entledigt und halte meine brennenden Füße in das kühle Nass. B sitzt unter einem schattigen Baum und lernt für die bald bevorstehende HP-Prüfung. P tobt mit den Jungs herum und versucht, dabei nicht komplett durchnässt zu werden.
Eine Weile entspannen wir uns hier und beobachten mit Erleichterung, wie Wolken heranziehen und Wind aufkommt. Warmer Wind zwar, aber immerhin Wind. Die Wettervorhersage hat ein Gewitter angekündigt, das käme sehr gelegen. Die beiden Jungen sind klitschnass und müssen erstmal umgezogen werden, bevor wir Mittagessen gehen können. Zum Glück haben B und P vorgebaut und trockene Kleidung mitgebracht. Trotz der Sprachbarriere spielen die beiden recht gut miteinander - von den üblichen Kabbeleien mal abgesehen.
Vorsichtshalber erwähnt P, dass die Speisen bitte nicht so scharf sein dürfen. Das obligatorische Eiswasser wird serviert, dazu bestellen P und ich Mango-Lassis - extrem lecker. L kann davon kaum genug bekommen und möchte zu gerne auch noch Samuels Getränk haben, dieser zeigt sich jedoch unwillig.
Interessant ist das Tempo, mit dem Samuel sich Vorspeisen, Getränke und Hauptgericht einverleibt. Er scheint kaum zu kauen... und plötzlich passiert, was passieren muss: im hohen Bogen erbricht der Junge sich - direkt ins Lokal!
L nimmt sofort angewidert Abstand, P verschwindet mit Samuel Richtung Rest Rooms, mehrere Bedienungen eilen mit Wischeimern herbei und putzen das Malheur weg, während wir versuchen, weiter unsere Gerichte zu genießen, was jedoch schwerlich möglich ist. Bald kommen P und Samuel zurück, und der Junge isst seelenruhig weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Erstaunlich! Wir sind noch nicht ganz mit dem Essen fertig, da taucht Samuels Mutter auf, um ihren Sohn abzuholen. Sie plaudert kurz mit P und B, dann heißt es Tschüß. Wir beenden die Runde und gehen zum Auto zurück. Alle sind mehr oder weniger geschafft, vom Wetter, vom Essen, vom Ekel der Erbrechen-Situation...
Es ist nur eine kurze Fahrt, dann erreichen wir das kühle Haus (die Klimaanlage lief während unserer Abwesenheit). Ich wasche fix eine Maschine Wäsche, welche im warmen Wind blitzschnell trocknet. Da meine Knie nach wie vor geschwollenen sind, bereite ich mir Wickel mit essigsaurer Tonerde und lege mich ein bisschen hin. Dann überkommt mich bleierne Müdigkeit, und ich schlafe prompt ein. Keine Ahnung, wie lange ich so gelegen habe... Wach werde ich von L's Geschrei.
Susan kommt, um uns Instruktionen für die nächste Zeit zu geben: sie fliegt morgen nach Los Angeles und wird vor unserer Abreise nicht zurück kommen. Wir drehen eine Runde durchs Haus und lassen uns alles Wichtige erklären, vor allem die Alarmanlage und den Sicherungskasten. Die alten Häuser sind zwar mit diversen Elektrogeräten ausgestattet, aber nicht mit entsprechenden Stromnetzen. So kann es jederzeit passieren, dass eine Sicherung heraus fliegt - da ist es gut, vorbereitet zu sein.
P hat eine Gemüsepfanne mit Reis zubereitet, dazu gibt es einen frischen Salat. Susan leistet uns beim Essen Gesellschaft und plaudert heiter über vergangene und zukünftige Reisen. Der nette Nachbar Jeff, welchen wir gestern bei dem Mini-Unfall kennen lernten, kommt auch noch dazu - eine sehr lustige und interessante Runde! Jeff berichtet von seinem Beruf als Süßigkeiten-Entwickler, was extrem spannend ist.
Endlich setzt auch der ersehnte Regen ein, Abkühlung naht... Susan zeigt uns noch eine Menge Reise-Fotos auf ihrem Laptop, und dann ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen. P, B und L bringen sie zum Busbahnhof, von wo aus sie nach Boston zum Flughafen fährt. Uli und ich klaren die Küche auf und ziehen uns dann in unser Zimmer zurück, wo ich mich ans Tablet begebe, um mein Blog weiter zu schreiben. Uli schwitzt leise vor sich hin, während es mir erstaunlicherweise mal nicht viel zu warm ist.
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