Herrlicher Sonnenschein drang durch unsere Gardinen, und die Vögel zwitscherten laut und vernehmlich, als unsere Nacht gegen halb neun ein Ende fand. Da heute ein Ausflug nach San Francisco geplant war, sprang ich wie ein Wiesel aus dem Bett und war in Windeseile abfahrbereit.
Allerdings musste ich noch eine ganze Weile warten, bis alle fertig zum Aufbruch waren... aber gegen halb elf ging es los. Wieder saßen wir zu dritt auf der Rücksitzbank, so langsam entwickelten wir Routine im Hineinpferchen.
Erster Stopp: Black Bear Diner, Curt's Lieblingslokal, also hatten wir zum Frühstück dorthin eingeladen. Runde 20 Minuten Wartezeit galt es zu überbrücken, der Andrang war groß, typisch für einen Sonntag. Ich entdeckte einen hübschen Becher, der einen Bären mit Gitarre zeigte, also erstand ich ihn und überraschte Curt damit.
Das Frühstück fiel üppig aus, und die Lautstärke um uns herum grenzte an Körperverletzung - unglaublich ! Von daher war es fast eine Erholung, als wir uns wieder ins Auto quetschen durften. Sina schlief direkt ein, während wir Musik hörten, plauderten und lachten.
Je näher wir der Stadt der Städte kamen, desto stiller wurde ich; und als schließlich die Bay Bridge vor uns auftauchte, liefen meine Tränen haltlos. Oh, wie berührt mich der Anblick dieser wundervollen Stadt immer wieder aus's Neue, es geht mir direkt ins Herz !
Curt fuhr uns auf Umwegen in den Hippie-Stadtteil Haight-Ashbury. Dort parkten wir und wanderten eine Zeitlang herum. Der Sommer der Liebe 1967 schien hier nach wie vor lebendig. So viele wilde Gestalten, überall Marihuana-Geruch in der Luft, und die Auswahl an besonderen Geschäften war enorm. Wir ließen uns treiben und genossen die bunte Umgebung.
Drei fast völlig nackte Männer, nur mit einem winzigen Tuch über den Genitalien, erregten unsere Aufmerksamkeit. Sie gingen aufreizend langsam zwischen den vielen Passanten herum und erfreuten sich an den Reaktionen. Für Fotos posierten sie geduldig. So etwas hatten wir noch nie gesehen !
Nach einem Kaffee waren wir bereit für die nächste Station: ein Outdoor-Laden downtown, in dem Bianca und Curt gerne einkaufen. Dort erstand ich fast einen Rucksack, bis mir einfiel, dass ich ja noch zwei Rucksäcke zuhause liegen habe. Sonderangebote verführen so zu Kopflosigkeiten ! Nur gut, dass wir ziemlich lange auf Bianca und Sina warten mussten, denn in dieser Zeit kam ich zu mir und hängte den Rucksack, den ich bereits heimelig auf dem Schoß liegen hatte, schleunigst zurück.
Ein weiterer Kaffee für Curt musste sein, dem die letzten Tage in den Knochen steckten, genossen in einem Laden mit eigener Rösterei. Der Duft, der in der Luft lag, war sehr angenehm und überaus würzig.
Danach fuhr Curt mit uns in ein Parkhaus am Union Square, wo er sich sofort in Liegeposition begab und um eine halbe Stunde Ruhe bat. Wir wanderten derweil durch die Straßen und überlegten, was wir tun wollen. Mich lachte ein Cheesecake-Lokal an, aber nach Betrachten der Speisekarte mochte ich nichts mehr dort verzehren. 7,95 Dollar für ein Stück Kuchen - nein, beim besten Willen nicht ! Wir beschlossen, einen nahegelegenen Jack in the box aufzusuchen, denn dort gibt es auch Cheesecake, allerdings für 1,99 Dollar.
Ein kalter Wind pfiff durch die Straßen, und ich in kurzen Ärmeln und ohne Jacke... typisch Tourist, daran erkennt man sie in SF -> nicht warm genug angezogen.
Sina in ihren kurzen Hosen schlotterte auch ein wenig. Bianca war besser ausgerüstet, hatte bei vorherigen Besuchen allerdings auch schon Sweater kaufen müssen, um der Kälte zu trutzen.
Da Curt sich nicht meldete, beschlossen wir, ein bisschen Chinatown zu erkunden. Es ist erstaunlich: mitten in der Stadt geht man durch ein Tor, und plötzlich ist man in China !
Wir bestaunten das gigantische Angebot an Andenken, Kleidung, Elektrogeräten, Schmuck, Möbeln etc., wurden an jeder Straßenecke von freundlichen Damen mit Speisekarten aufgefordert, doch dringend ihr Lokal zu besuchen und freuten uns über das exotische Aussehen der Häuser.
Dazwischen immer wieder Ausblicke auf die Bay Bridge und das Transamerica-Gebäude (erbaut auf Gummi-Füßen, falls mal wieder die Erde bebt) - eine berauschende Mixtur aus Ost und West, Alt und Neu.
Die Dämmerung nahte, es wurde noch ein bisschen kälter, und endlich war auch Curt wieder bei uns. Er hatte länger als erwartet geschlafen und war nun frisch für den weiteren Abend - aber erst mal hungrig und holte sich aus einer chinesischen Bäckerei ein warmes, mit Schweinefleisch gefülltes Brötchen.
Schnellen Schrittes ging es voran, um eine Straßenecke, und vorbei war's mit Chinatown; dafür begann Little Italy: North Beach.
Je weiter wir Richtung Wasser kamen, desto kühler wurde der Wind. Ich war dankbar für jeden warmen Luftzug von den Heizlampen über den Terrassen der Lokale !
Fisherman's Wharf war unser nächstes Ziel, um genau zu sein Pier 39, wo die Seelöwen das Sagen haben. Die Sonne war schon fast verschwunden, und wir folgten dem lauten Grunzen und dem strengen Geruch, bis wir (zumindest schemenhaft) die vielen süßen Tierchen auf ihren schwimmenden Stegen erblickten.
Als Curt mich bat, mit ihm ein Geschäft aufzusuchen, wo er sich mit meiner Unterstützung einen Scherz mit einem Bekannten erlauben wollte, war ich dankbar für ein paar Minuten im Warmen !
Oh ja, die Kälte in San Francisco... aber dafür immer wieder diese Ausblicke - bezaubernd, wundervoll, herzerwärmend.
Wir lauschten Straßenmusikanten, beobachteten Zauberer, schlenderten zwischen den vielen anderen Schaulustigen umher und begaben uns schließlich zur Cable Car-Station, um mit diesem enormen Gefährt zurück zum Union Square zu gelangen. Beeindruckend ist gar kein Ausdruck für das Erlebnis, mit diesen Wagen zu fahren. Viel zu schnell war der Spaß vorbei.
Essen war jetzt dringend notwendig, war es doch schon nach 10. Wir eilten im beißenden Wind zu einem Lokal auf der Geary Street, wo wir authentisches vietnamesisches Essen genossen - sehr gut (und schön warm). Satt, müde und einigermaßen aufgewärmt verließen wir kurz vor elf das Restaurant. Auf den Straßen war das Nachtleben hereingebrochen: Prostituierte, Betrunkene, Bettler, Obdachlose, Nachtschwärmer - alles wild durcheinander. Zum Glück war es nicht weit bis zum Auto !
Schnell war der Weg aus der Stadt gefunden und die Bay Bridge erreicht. Ich konnte mich nicht satt sehen an der nächtlichen Silhouette meiner geliebten Stadt und weinte still in mich hinein, weil es wieder ein Abschied für länger sein wird.
Sina schlief sofort ein, Bianca döste vor sich hin, Uli suchte Musik für uns aus und Curt fuhr konzentriert zurück nach Ripon. Ich war benommen von der Trauer, schon so bald dieses wundervolle Land verlassen zu müssen, und immer wieder begannen die Tränen zu laufen... but we will be back, that's for sure !
Erst gegen kurz nach halb eins erreichten wir die Avenue A und schleppten uns alle direkt in unsere Betten. Was für ein Tag.
Es gibt keinen schöneren Platz auf Erden !
AntwortenLöschenAbsolutly true!!!
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