Unser Nachtquartier war so ruhig, dass wir bis kurz vor zehn schliefen, und ich weckte zur Abwechslung mal Uli ! Kaffee und Tee, und dann nichts wie los, denn die Sonne schien und verhieß einen weiteren wundervollen Tag.
Da wir im Dunkeln angekommen waren, verschafften wir uns erst mal einen kleinen Überblick, indem wir ein bisschen herum fuhren. Schon bald ließen wir das Auto stehen und erkundeten die Stadt zu Fuß.
Die fantastischen viktorianischen Villen verschlugen uns den Atem, vor allem Pink Lady begeisterte uns sehr:
Aber auch Carson Mansion konnte sich sehen lassen ! Prächtige Architektur-Kunst, nur leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, daher nur auf Abstand zu genießen.
Der Bereich Old Town, das historische Eureka, gefiel uns auch ausgesprochen gut. Wir liefen eine Weile herum, hoben ein bisschen Bargeld ab und suchten uns dann ein Lokal zum frühstücken. Im Oberon Grill gab es wochentags kein Frühstück, aber die Lunch-Karte regte uns sofort an, dort zu bleiben. Während wir warteten, schrieb ich ein paar Postkarten; dann kam das Essen (für Uli ein Snapper Burger und für mich ein California Sandwich mit Pute und der unvermeidlichen Avocado) - alles überaus schmackhaft.
Nachdem wir ausreichend gesättigt waren, verließen wir die gastliche Stätte. Uli zündete sich auf dem Fußweg eine Zigarette an, um sie gleich wieder aus zu machen: Rauchen war hier überall verboten, man musste mindestens 30 Fuß Abstand zu den Häusern halten, was bedeutet hätte, mitten auf der Straße zu stehen... dann eben nicht. Wahrscheinlich hatte es schon oft genug gebrannt, schließlich sind alle Gebäude aus Holz.
Zufrieden spazierten wir noch ein bisschen umher und trutzten dem kalten Wind. Wunderschön anzuschauen die üppig blühenden Kirschbäume (man beachte auch hier das Rauchverbot):
Dann wurde es uns zu kalt, wir retteten uns ins Auto, fuhren tanken und den Ölstand prüfen und starteten dann Richtung Süden, bzw. Südwesten, denn wir hatten einen "kleinen" Schlenker auf der Karte entdeckt, der vielversprechend aussah. Also bogen wir von der 101 ab und folgten der 211 Richtung Ferndale. Bis dahin ging es zügig voran - aber danach, Richtung Capetown und Petrolia, well...
So langsam waren wir bisher noch nie vorwärts gekommen. Enge Serpentinen, Geschwindigkeitsbeschränkung von 10 Meilen /Stunde (schneller konnte man sowieso nicht fahren), starke Steigung, bzw. Gefälle - aber die Landschaft - traumhaft !
Meine Gedanken wanderten immer wieder zu Susanne... ob wohl alles gut gegangen war ?! All meine guten Wünsche bündelte ich für sie und schickte sie zu ihr, in der stillen Hoffnung, dass es helfen möge.
The lost coast heißt der Küstenstreifen, und diese Bezeichnung passt wirklich gut, denn außer Kühen, die überall ungehindert herumlaufen (auch auf der Straße - ein Grund mehr, langsam zu fahren), finden sich hier kaum Zeichen von Zivilisation.
Der "Ort" Capetown besteht aus zwei Häusern und einer holperigen Straße - that's it. Idylle pur !
Wenn uns dieser Umweg auch mindestens 3 Stunden kostete (für knapp 50 Meilen), für die Aussicht hatte er sich auf jeden Fall gelohnt. An jeder zweiten Ecke mussten wir anhalten, um Fotos zu machen und zu staunen, dadurch dauerte es natürlich noch länger, aber schließlich waren wir nicht auf der Flucht, sondern im Urlaub.
Ein Duft nach Holz, Erde und Blüten lag in der Luft, so üppig und süß, dass es ein Vergnügen war, mit offenen Fenstern zu fahren.
Am Straßenrand entdeckten wir diese herrlichen Calla-Stauden, und zwar nicht eine, sondern jede Menge.
In den höheren Lagen war es kühl und nass, und die Bäume trugen gespenstische Mooskleider:
Endlich erreichten wir unser ursprüngliches Ziel: den Humboldt Redwoods State Park. Als die ersten Mammutbäume auftauchten, konnten wir es kaum fassen ! Gigantisch ist gar kein Begriff für diese erhabenen Lebewesen (die größten der Welt) !
Ehrfurchtsvoll schweigend wanderten wir zwischen den Riesen umher und kamen uns nichtig und klein vor.
Eine ganze Weile verbrachten wir zwischen den Bäumen, völlig alleine und ungestört. Die Stille war berauschend und tat der Seele wohl.
Die Avenue of the giants lockte uns, und wir folgten der verwunschenen Strecke bis nach Miranda.
Dort kehrten wir ins Avenue Café ein und verspeisten einen Chicken Burger (Uil), bzw. ein Grilled Cheese Sandwich (ich).
Danach rief Uli bei Sina an, um zu hören, ob sie inzwischen wieder gesund ist - ja, sei sie. Mehr erfuhren wir nicht. Seltsam und undurchdringlich, dieses Dickicht aus Schweigen und gefühlter Ablehnung... irgendwie immer wieder frustrierend.
Zur Ablenkung und Erheiterung besuchten wir deshalb diesen Drive Through Tree:
Aber auch die längste Fahrt hat irgendwann ein Ende (in diesem Fall um kurz nach zehn), und das Motel erwartete uns mit einem schnuckeligen Zimmerchen, quietschsauber und fein.
Morgen werden wir in Ripon aufschlagen - unsere Gefühle sind sehr gemischt.
Aber erst mal schlafen, und dann weiter sehen !
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen