Bereits kurz nach sechs war unsere Nacht zu Ende. Wir hatten erholsam geruht, unbehelligt von Störungen jeglicher Art und freuten uns über einen prächtig-blauen Himmel.
Uli holte uns Kaffee und heißes Wasser für Tee aus der Lobby, ich packte währenddessen unsere 17 1/2 Sachen zusammen. Gegen acht brachen wir auf und suchten ein Frühstückslokal, welches sich uns in Form des Juicy's River Cafés vor die Füße warf. Eine hervorragende Wahl ! Zwar zuckten wir erst zusammen, als die Teller mit den Omelettes kamen, weil wir beide dachten: "Das reicht doch nie !" - aber dann hatten wir echte Schwierigkeiten, überhaupt alles aufzuessen... soviel zum Thema Gier.
Sehr gut gesättigt bestaunten wir die schöne Vegetation und die süßen Vögel auf dem Parkplatz vor dem Lokal.
Das Auto bekam auch noch ein wenig zu trinken, damit wir auf dem Weg durch die Wüste nicht irgendwo im Nirgendwo liegen bleiben (mein persönlicher Alptraum !).
Wir folgten eine Weile der Interstate 40 und bogen dann in die Mojave-Wüste ab. Sofort herrschten Stille und Einsamkeit, welche uns einluden, das Auto zu parken und ein wenig zwischen den Felsen herum zu wandern. Mehrere Eidechsen zeigten sich, und Uli wurde durch einen frechen Kolibri erschreckt, der ihm plötzlich vor der Nase herum brummte.
Der Regen der letzten Tage hatte etwas wundervolles zutage gebracht: überall blühende Planzen und frisches Grün. Zarte Blüten in gelb, weiß, rosa und violett, rot-leuchtende Sträucher - einfach traumhaft schön. Darauf hatte ich ja insgeheim gehofft, und mein Wunsch hatte sich erfüllt.
Weiter ging unsere Fahrt durch die karge Landschaft, und nur wenige andere Fahrzeuge trafen wir auf unserem Weg Richtung Norden.
Gegen 12 Uhr überfiel uns Müdigkeit, und wir hielten ein Weilchen am Straßenrand, um die Augen zu schließen. Das Autoinnere heizte sich dabei allerdings derartig auf, dass wir es nach einer knappen Stunde nicht mehr aushielten und weiterfahren mussten. Die Klimaanlage bescherte uns schnell einen angenehm-kühlen Luftzug.
Im kleinen Ort Baker an der Interstate 15 erstanden wir Kaffee, Kokoswasser und ein paar Postkarten. Eine davon zeigte den Ort mit dem seltsamen Namen Zzyzx, und unsere Neugierde war geweckt. Wir verließen den Highway und bogen auf eine unbefestigte Straße ab, die uns nach Zzyzx führen sollte. Vorbei an einem ausgetrockneten Soda-See wand sich die schmale Piste, bis wir in einem idyllischen kleinen Tal ankamen. Zwischen schattenspendenden Bäumen fanden sich ein paar Picknicktische, und wir fühlten uns eingeladen, hier ein wenig zu verweilen und ein paar Avocado-Käse-Brote zu verspeisen.
Nach dieser erfrischenden Pause fanden wir an einer Info-Tafel heraus, wie es zu dem seltsamen Ortsnamen kam: 1944 kaufte ein Radio-Prediger aus LA das Land an dem Soda-See, um hier eine Gesundheitsoase mit dem Kunstnamen Zzyzx zu gründen, welche allerdings 1974 als illegal geschlossen wurde. Er wanderte wegen Betrugs vor Gericht.
Heute ist der Ort eine Wüsten-Forschungsstation.
Die Gegend ist überaus reizvoll, und wir bereuten es nicht, diesen Abstecher gemacht zu haben.
Zurück auf der Interstate 15 ging es nun in flotter Fahrt nach Barstow, wo sich unser nächstes Quartier befand : wieder ein Motel 6, zentral gelegen, mit einem netten kleinen Raum für uns und einem festen Bett, wie wir es mögen. Die Postkarten waren schnell beschrieben, und wir machten uns zu Fuß daran, ein Postamt zu finden - leider erfolglos, aber an einer Tankstelle befand sich ein Schild mit der Aufschrift postal service. "Super" - dachten wir ! Der freundliche mexikanische Herr an der Kasse verlangte satte 19 Dollar für 6 Briefmarken. Mir war sofort klar, dass hier etwas nicht stimmen konnte, ich bezahlte aber die geforderte Summe, um im Motel-Zimmer vor Wut fast an die Decke zu gehen: die Recherche ergab, dass der Kerl uns pro Briefmarke 2 Dollar zu viel abgenommen hatte. Lange schnaubte ich noch vor Zorn vor mich hin... Lehrgeld muss leider immer wieder bezahlt werden, vor allem auf Reisen.
Nun meldete sich ein Hungergefühl, und die Wahl fiel auf Pizza. Also suchten und fanden wir einen Pizza Hut, der allerdings ziemlich abgerockt aussah. Während wir über 40 Minuten auf unsere Bestellung warteten, bekamen wir den Unmut diverser anderer Gäste mit, die allesamt unzufrieden mit der langen Wartezeit und dem miesen Service waren. Zwischenzeitlich verließen wir das Lokal, um im nahegelegenen Supermarkt ein paar Getränke zu erstehen. Zurück im Pizza Hut war unsere Bestellung abholbereit, und wir zogen mit einer großen Pizza von dannen, die leider viel zu salzig und obendrein überaus fettig war. Im Motel Lärm und Getrampel... Barstow fing an, mir gehörig auf die Nerven zu gehen !!
Ihr Lieben,
AntwortenLöschenEs ist eine Freude, Euch täglich zu begleiten!
ich bin bei den Vorbereitungen für nächsten Di. Bitte die Daumen druecken, dass ich alles gut überstehe - ich habe mich für das neue Gelenk entschieden. Die Geschichte dazu erzähle ich nach Eurer Rückkehr - die kann warten, ;-).
Weiterhin viel Freude, Gesundhheit und Spass auf Euren Wegen,
Liebe Gruesse
Eure Martha
Liebste Martha,
Löschendanke für Deine zuverlässige Begleitung - Du bist in unseren Gedanken sowieso überall und immer dabei, und wir senden Dir die allerbesten Wünsche für die anstehenden Entscheidungen - und vor allem für kommenden Dienstag... es wird bestimmt alles gut gehen !!
Bis ganz bald, es drücken Dich herzlich
Deine Vera und Uli