Catania at it's best

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la bella città nera

Montag, 28. April 2025

evviva domenica * quattordicesimo giorno

… und wie schon vermutet so kam es auch: langes Zocken, manche Zwockel, ein kurzes Ruhen - schon ist er da, der neue Tag. Etwas verknittert begegnen wir uns im soggiorno und vergleichen die Rötegrade unserer Arme. Ich belege eindeutig den ersten Platz, meine Färbung ist am schrillsten. Bereits gestern Abend konnte ich die Spannung der Haut spüren und behandelte gleich mit DMSO und Combudoron-Gel. Wenigstens behob diese Kombi die Beschwerden und so sehe ich einfach nur krebsrot aus. Dagegen hilft eine langärmlige, hochgeschlossene Bluse. Schließlich will ich ja nicht als verbrannte Touristin auffallen, wenn gleich der Besuch eintrudelt. 

Bevor er das tut, machen Uli und ich einen kurzen Trip zur allmorgendlichen Granita bei Comis. Sogar Uli möchte heute eine, zur Feier des Sonntages cioccolato con panna. Göttlich!!

Als wir zufrieden zurückkehren, sind schon fast alle da, nur Anita sucht noch einen Parkplatz. Carlo weist mich als erstens auf seinen verbrannten Nacken hin. Dankeschön, dann kann ich ja auch ungeniert meine glühende Front präsentieren. Wir lachen, weil auch die dunkelhaarige Anita mit einer ähnlich intensiven Rötung aufwarten kann.
Was für eine spannende Runde sich eingefunden hat… in regem Austausch miteinander und sehr freundlich zu uns Außenseitern. Eine Dame spricht ziemlich gutes Deutsch, sie kommt aus den Niederlanden und berichtet über ihr Studium von Gesang und Tanz hier in Catania. Molto interessante. Nach einer gemütlichen Stunde zerstreut sich die Runde, einige möchten Mittagessen, andere streben un gelato an.
Ich habe die große Freude, mit Carlo und Anita ein paar richtige Italienisch-Lektionen absolvieren zu dürfen. Beide sind Lehrer und haben jede Menge didaktische Fähigkeiten, die mir das Sprechen und Lernen sehr einfach machen. Dennoch muss ich zwischendurch auf Englisch ausweichen, vor allem, wenn es um die Beschreibung von Gemütszuständen oder die Situation Deutschlands geht.

Dann brechen wir gemeinsam Richtung Piazza Duomo auf, es besteht der allgemeine Wunsch nach Granite. Gar nicht so leicht, ein passendes Plätzchen zu finden, denn wir sind zu siebt. In einem Straßencafé mit Blick über den sonnigen Platz erkämpft Anita einen Tisch für uns, dann muss Carlo nur noch mehrmals einen der Kellner rufen und schon können wir bestellen. Es ist schon fast 13 Uhr, aber ich möchte trotzdem einen Cappuccino; Felix zum Glück auch.
Schon als mir meine Granita nur hingestellt wird, ahne ich Schlimmes: das Zeug sieht ganz anders aus als von Comis gewohnt. Und leider schmeckt es auch ganz anders, nämlich ganz und gar nicht gut! Lustlos stochere ich in dem wässerigen Matsch herum und lasse über die Hälfte stehen; mein "è disgustoso!" löst allgemeines Gelächter am Tisch aus.
Es folgt eine herzliche Verabschiedung mit den üblichen baci - langsam fange ich an, mich daran zu gewöhnen, Wildfremden rechts und links Luftküsschen auf die Wangen zu hauchen. Auf dem kurzen Heimweg unterhalte ich mich angeregt mit Carlo; es ist immer ganz besonders interessant und intensiv, mit ihm zu sprechen. A presto, bis bald - ja, hoffentlich!!

Schnell steht der allgemeine Entschluss fest: erst ein kleines Schläfchen (un sonnelino), dann ans Meer. Felix ist wieder schnell ausgeschlafen und dreht seine tägliche Joggingrunde, während Uli noch ein bisschen am Kissen horcht und ich diverse Schreibfehler im blog korrigiere und meinen Nachrichtenrückstand aufarbeite.

Gegen halb fünf sind wir startklar, das Auto hat eine angenehme Temperatur, so als kleiner Saunagang vor dem kühlen Nass.
Nach knappen 15 Minuten flotter Fahrt findet Felix uns einen sehr schönen Parkplatz direkt am Strandeingang. Nun kann man das Meer fast schon riechen! Der Strand ist ziemlich breit und wir müssen ein bisschen gehen, bis wir eine Stelle finden, die uns behagt (kaum Müll, aber direkt neben einem Haufen trockener Pferdeäpfel - das haben wir allerdings erst später gemerkt). 

Uli bewacht freundlicherweise unsere Sachen, während Felix und ich blitzschnell im Wasser sind. Das müssen wir auch, sonst wäre der Frischefaktor gar zu unangenehm. Glücklicherweise baden auch ein paar andere Menschen, eventuell sogar Einheimische… auf jeden Fall kommen wir uns so nicht übermäßig exotisch vor.
Herrlich ist das klare Wasser! Wir plantschen eine Weile herum, während neben uns Ozeandampfer in See stechen und hinter uns in kurzen Abständen Flugzeuge landen und starten (Fontanarossa ist nicht weit). Eine seltsam anmutende Szenerie - vor allem mit dem schwer wolkenverhangenen Ätna am Horizont.

 
 
Nach dem Bad sind wir zügig wieder angezogen, denn der Wind ist schon recht kühl. Immerhin geht es auf 18 Uhr zu. Felix hat köstliche Snacks für uns mitgebracht, die wir jetzt mit gutem Appetit zu uns nehmen. Im Minutentakt erscheinen Händler mit den unterschiedlichsten Angeboten an unserem Lager: Getränke, Schmuck, Massagen stehen zur Auswahl. Manche Anbieter sind impertinent und wollen nicht locker lassen, obwohl wir unser „no, grazie“ gebetsmühlenartig wiederholen. 
 
Man beachte die Füße im Bild, der Nächste steht schon in Angriffsposition. ⬇︎⬇︎
 
 
Bald wird es uns zu ungemütlich und wir tigern durch den sonnenwarmen, feinen Sand zum Auto zurück. Nun geht’s direkt zur Autovermietung, wo wir erstmal etwas länger warten müssen, bevor ein leicht angestrengter Herr erscheint, der das Fahrzeug entgegen- und Felix die Last abnimmt, morgen in aller Frühe hier auflaufen zu müssen.

Zuhause starten wir eine Maschine Wäsche und puzzeln an unterschiedlichen Sachen herum, bis es Zeit für das Abendessen ist. Wir wählen den kürzesten Weg: aus dem Haus, über die Straße und rein zu Mamma Rosanna, die entzückt Felix in die Arme schließt und erstmal in ein angeregtes Gespräch über Familie, Gott und ein bisschen Welt verwickelt.
Wir nehmen vor dem Lokal Platz, außer uns ist niemand anwesend, dennoch warten wir auch hier etwas länger ... Aber dann kommt unser Essen und es ist ausgesprochen köstlich. Bereits die Vorspeisen und der Gruß aus der Küche (würzige Mini-Arancini) sind oberlecker, aber die Hauptspeisen begeistern uns geradezu! Ein winziger Nachtisch passt auch noch hinein; schon ist es halb zehn und wir möchten pronto an den Spieltisch, der Terror-Ramsch ruft. Unglaublich viel Spaß macht uns diese spezielle Skat-Variante, bei der man besser über ein gehöriges Potential an Frustrationstoleranz verfügt!

Erst nach halb eins lande ich am Schreibtisch - morgen schlafen wir erstmal richtig schön aus.

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