Catania at it's best

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la bella città nera

Samstag, 26. April 2025

una bella festa in campagna e sui prati * tredicesimo giorno

Uli weckt mich sanft - ich hatte darum gebeten, damit ich heute nicht in Zeitdruck gerate: vor der Abfahrt gegen 11 Uhr möchten wir ja schließlich noch zu Comis (fare colazione), zu Savia (nove Arnacini, zu besorgen als Mitbringsel für’s Büfett) und natürlich den unvermeidlichen Obstsalat vom fruttivendolo preferito, aber bitte mit Granatapfelsaft - meine Mutprobe des Tages.
Das Frühstück haben wir schnell abgehandelt, was zu wenig wertschätzend klingt für das, was man uns bietet, denn es ist erneut und wie gewohnt köstlich. Der mürrische Kellner wird auch zunehmend freundlicher zu uns - grazie, molto gentile!

Nun aber zum Arancini-Dealer, auf Schleichwegen, weil ja mittendrin der Markt tobt und der ist heute besonders gut besucht… soviel Zeit haben wir nicht (aber für ein, zwei Fotos muss es reichen!).

Bei Savia geht es blitzschnell; dort hält sich der Andrang in Grenzen (es ist noch zu früh für pranzo). Man überreicht uns ein sorgfältig, fast liebevoll verpacktes Tablett mit den begehrten Reisklößen. Das Gewicht ist erstaunlich! 

Danach ist die Mutprobe dran. Diese wird vom Schicksal noch ein bisschen verschärft, denn am Stand steht nicht mein netter Verkäufer sondern zwei Jungen, geschätztes Alter 12. Hilfe, ich trau' mich nicht, denke ich erst - aber dann siegt die Abenteuerlust und ich trage mein Anliegen vor. Man versteht mich sogar, erklärt aber, den Salat gibt es nur mit Orangensaft. Dennoch versuche ich es wieder, der eine Knabe wird schon schwach und da eilt der Händler herbei. „Eigentlich machen wir das nicht, Signora, aber du bist ja hier zuhause und bekommst selbstverständlich deinen Obstsalat, wie du ihn möchtest.“ Mutprobe bestanden, Ganzkörpergänsehaut gratis dazu! Ich bin unglaublich stolz, verabschiede mich mich mit einem verbindlichen „a lunedì“, erhalte ein zutrauliches Winken zurück und schwebe beseelt von dannen.

Pünktlich um 11 Uhr sind wir im Palazzo, Felix konnte erfolgreich ein Auto für uns ergattern, das gehen wir jetzt gemeinsam abholen, um dann Richtung Presa zu starten. Dort befindet sich das Grundstück von Carlo und Anita, wo sie sich gerne als Selbstversorger häuslich niederlassen möchten.
In der Autovermietung haben wir unvermutet eine kleine Wartezeit zu überbrücken (solo dieci minuti), die Felix dafür nutzt, unsere Ankunft zu bestätigen. 

Der klebrige Obstsalat darf auch bald verspeist werden, das mache ich dann gleich ganz gemütlich im Auto. Eine knappe Stunde Fahrt liegt vor uns, herrlich - ich liebe es, herumgefahren zu werden! Und Felix chauffiert uns wie ein junger Gott elegant und sicher durch die wildesten Verkehrs-Turbulenzen…. è meraviglioso.

Ein ordentliches Stück bergauf geht es, das Knacken in den Ohren belegt deutlich den Höhenunterschied. Als wir das Grundstück erreichen, erstreckt sich vor uns ein herrliches Panorama, inklusive verschneitem Ätna, Prachtgewächsen, Mittelmeerblau und malerischen Bergketten rundherum - atemberaubend! Und so still… völlig ohne Straßenlärm, das ist überaus angenehm nach dem durchgängigen Stadttrubel der letzten Tage.

Sehr freundlich werden wir von allen Seiten begrüßt, manche packen sofort ihre Englisch- und Deutschkenntnisse aus und erleichtern uns damit den Einstieg in die Konversation erheblich.

Der flauschige Gino freut sich enorm über die mitgebrachten Snacks aus Wasserbüffel und Ziege, die ich vorsorglich in einer Hundeboutique in Lübeck besorgt hatte, nachdem Almut berichtete, dass sie immer für Gino Leckerli dabei hat. Anita und Carlo finden toll, dass wir bei den Mitbringseln für’s Büfett auch an ihr Hundchen gedacht haben.

Nachdem Gino in Null Komma Nix alle Fleischbrocken verschlungen hat, werfe ich ein interessiertes Auge auf das Büfett für die Menschen und bin voller freudiger Erwartung ob der erblickten Köstlichkeiten. Dagegen sind unsere Arancini absolut langweilig. Zum Glück wird auch sofort zum Essen gebeten und wir dürfen uns die Teller mit derartigen Leckereien füllen, dass ich nicht einmal an ein einziges Foto auch nur denken kann - mi dispiace!

Zwischendurch sprechen uns immer wieder Gäste an und führen entzückende Gespräche mit uns. Eine Dame ist besonders nett und als sich herausstellt, dass sie eine Französischlehrerin ist - die erste ihrer Art, die ich kennenlerne, die entspannt, hübsch, humorvoll und unglaublich lustig ist - bin ich begeistert. Wie wundervoll, ein weiteres Vorurteil stirbt.
Die Stimmung ist ausgelassen und gleichzeitig entspannt. Menschen aller Altersstufen sitzen und stehen gemütlich zusammen und führen angeregte Unterhaltungen. Die Kinder spielen alle fröhlich, erst Ball, dann Verstecken. 10 bis 14-Jährige, offen, beweglich, freundlich, gesund; sie flitzen auf dem gesamten Grundstück herum, rasten zwischendurch bei ihren Eltern, in einem sichtbar fürsorglich-zärtlichen Miteinander, das von beiden Seiten ausgeht. 

Wir beobachten Szenen zwischen Söhnen und Vätern, von denen wir beide bisher nur zu träumen wagten. Am gesamten Nachmittag gibt es nicht eine einzige unpassende Situation, kein grobes Wort, keinen Missklang, nicht die winzigste ungemütliche Zwocke - nein, es herrscht rundherum die reinste Freude. Wir erleben atemlos eine himmlische Gemeinsamkeit, die durch ein Spontan-Konzert gekrönt wird, das mir jetzt noch die Tränen der Rührung in die Augen treiben will. So viele strahlende Gesichter, so eine überwältigende Schönheit. Dieses Gefühl ist so stark… zwischendurch fast unerträglich - es tut sogar mächtig weh (zum Beispiel im Hinblick auf eine immer deutlicher am Horizont auftauchende Rückreise)!

Unsere überaus lieben und so sympathischen Gastgeber verabschieden uns mit einem fröhlichen „a domani“, bis morgen, denn morgen früh um 10 Uhr wird es im Palazzo di Felice das nächste kleine Treffen geben.

Ciao a tutto, wir winken in die Runde, Felix bringt uns sicher wieder den Berg hinab und auf interessanten Nebenstraßen zurück Richtung città nera. Es taucht ein decò auf, den steuern wir an, um bequem unsere Einkäufe zu erledigen - klasse, muss keiner nochmal extra los.

Anna ist da und wirbelt durch die Wohnung, mit Wischmopp, Putztuch und Möbelspray sorgt sie für hygienisch-frischen Magnolienduft in allen Räumen, während ich mit Musik auf den Ohren am Wohnzimmertisch sitze, begeistert schreibe und die vielen Bilder vom Tag sichte. Uli bereitet uns ein leckeres Abendbrot mit Salat und gekochten Eiern zu, wir haben zwei Arancini wieder mit zurückgebracht, die munden auch kalt ausgezeichnet. Und natürlich wollen die Karten unbedingt gleich ein paar Runden bewegt werden! Diese Nacht wird vermutlich viel zu kurz...

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