Unruhig war die Nacht, turbulente Träume hatten mich reichlich gebeutelt und so war es mir ganz recht, kurz vor neun relativ munter unter der kapriziösen Wechseldusche sofort richtig wach zu werden!
Was hier auch toll ist: die Haare trocknen im Nu. Schon wenige Zeit später beim Verlassen des Hauses lassen sie sich schon leicht mit den Fingern durcharbeiten.
Der Weg zum Markt führt uns heute wieder an dem Zaun mit den Würsten vorbei - aber dort hängen nur noch Reste… was wohl mit den anderen passiert ist?! Aus der Ferne können wir schon erahnen: irgendwas stimmt da nicht! Es ist so wenig los irgendwie und da, wo sonst schon die ersten Marktstände (zum Beispiel die mit Uli’s Schuhen) beginnen, liegt nur der allgegenwärtige Müll herum.
Kein Markt?!?
Kein Obstsalat??? Oh nein, das soll nicht sein!! Und sieh' mal einer an: ganz hinten, da, wo der Fischsnack-Stand ist, steht auch mein fruttivendolo. Evviva! Er hat Salate und presst gerade Spremuten aus (meine nächste hole ich mir hier). Da er mich ja bereits gut kennt, weiß er, dass ich gerne Saft mag und der Becher wird dieses Mal so voll, dass er mir dazu freiwillig ein Papiertuch reicht.
Uli schaut währenddessen bei den Fischsnacks und hat gerade ein Tellerchen grigliata mista und eine Grill-Artischocke erworben, als ich mit meinem tropfenden Becher zu ihm stoße.
Die Plätzchen auf der Mauer vor der Basilika sind uns wohlbekannt. Wir finden eine Stelle ohne nennenswerte Verschmutzungen und breiten unser kleines Mittagspicknick aus.
Zur Erheiterung erlaubt sich der Wind ein paar Scherze mit den dünnen Plastiktellern und hält uns auf Trab. Die Fischteile lassen sich einfach essen, aber bei der Artischocke wird es etwas haarig… sie ist voller Öl und Asche und entsprechend sehen Uli’s Finger aus. Ein Hoch auf ausreichend Tempos in der Tasche und das schöne Stück Zitrone vom Fisch! Unseren Abfall verstecken wir in der handlichen Tüte und verlassen die windige Ecke Richtung Via Etnea.
Eine sehr magere, sehr scheue Katze erregt meine Aufmerksamkeit eine ganze Weile und so fällt mir erst recht spät auf, dass auch hier gar keine Leute unterwegs sind in dieser sonst so belebten Straße… und dass die hübschen Geschäfte auch alle zu haben… und da dämmert es mir plötzlich und aus meinem hintersten Hinterkopf tönt Felix’ Stimme: wenn ich ankomme, ist Feiertag. Aaaah! Il frigorifero è vuoto - gestern noch so zuversichtlich Kühlschrankfüllen geplant, heute plötzlich gar nicht möglich??Das beschleunigt den Schritt ungemein, es ist zehn vor eins, eventuell hat decò ja ausnahmsweise auf, wenigstens bis eins! Als wir sehen können, dass Leute hinauskommen, stellt sich leichte Beruhigung ein und ich entspanne mich vollständig, als Uli mir das Schild an der Tür zeigt: offen bis 21 Uhr - puh…
In Seelenruhe suchen wir alle Sachen zusammen und kaufen wieder mehr, als in die Taschen passt.
Trotzdem haben wir nicht an alles gedacht; wie praktisch, dass auch der supermercato gleich um die Ecke ist.
Zuhause gibt es Cappuccino, Nachrichten und ein etwas längeres Gespräch über die möglichen Tücken eines lückenhaften Dialogs - im Klartext: beim miteinander Sprechen ist manchmal mehr mehr.
Inzwischen steigert sich die Vorfreude: Felix hat den Flieger in Hamburg glücklich erwischt und wird hoffentlich demnächst wohlbehalten im Palazzo eintreffen.
Wir begradigen die Bereiche, wo unser Zeugs ein wenig zu ausufernd herumliegt - zum Glück haben wir ja jede Menge Platz.
Und dann ist er da: der Felix! Eine fröhliche Begrüßug, ein intensiver Austausch beim Zwockel über Zwocken und Nichtzwocken - vertraut und wunderbar. Heute Abend müssen die Italienisch-Lektionen mal in den Hintergrund treten, denn gleich kommen die Karten auf den Tisch, für ein paar schöne Runden Terror-Ramsch.









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