Ein bisschen skeptisch blinzle ich Richtung Licht: ist es hell genug oder herrscht etwa immer noch die trübe Regenstimmung von gestern Abend?! Nein, es ist alles wie im Bilderbuch: strahlendblau und frühlingsmild. Dazu der appetitanregende Duft aus der Bäckerei von gegenüber - ich muss sofort in den Tag starten!
Uli ist fertig, der Tee ist fertig, das Outfit schnell gewählt und fix noch eine lavatrice angeworfen. Die Kleidung verbraucht sich flott, mit der ganzen Asche und vor allem dem ganzen Schweiß.
Wir streben Comis an, weil nur eine Minute entfernt und verlässlich gut - keine Experimente heute mit dem Frühstück. Unsere erfreuten Augen erblicken den lustigen Kellner und einen perfekten Tisch im Halbschatten; keine vergnatzten Deutschen in Hör- oder Sichtweite… besser geht es nun wirklich nicht! Auch der Chef begrüßt uns winkend, der Kellner eilt fröhlich herbei und scherzt auf Englisch mit uns herum. Dabei bricht er in ein so aufrichtiges Lachen aus, dass bereits der erste magische Moment des frischen Tages geschaffen wurde.
Die Bestellung geht uns inzwischen flott von den Lippen, wir wechseln ins Italienische - es klappt, ich verstehe und kann antworten. So großartig!
Schnell wie nie wird unser Frühstück gebracht, zum ersten Mal bekommen wir kleine Wasserbecher zum Cappuccino; das Wohlbefinden ist unbeschreiblich, das von so viel Zugewandtheit ausgeht.
Voller entspannter Wonne genießen wir unsere Brioches und die Granita, und der würzige Cappuccino setzt dem Ganzen noch die Krone auf: ich komme aus dem wohligen Grunzen und Stöhnen kaum noch heraus.
Interessante Szenen spielen sich derweil am Brunnen ab, wo Kinder balancieren üben wollen. Manche werden von ihren Eltern gelassen und dürfen es alleine ausprobieren, andere laufen ausschließlich an den Händen von Papa und Mama.
Mittendrin plötzlich eine Parade hochdekorierter Uniformträger (und einer -trägerin), ihr Ziel ist der Palazzo delle Finanze, der Steuergerichtshof.
Das liebe ich so an diesem Café: man hat leckeres Essen und tolle Unterhaltung und das verlässlich jedes Mal.
Die Waschmaschine müsste inzwischen fertig sein, also gehen wir kurz nochmal nach oben, damit die Sachen schön in der Mittagssonne trocknen können (aus irgendeinem Grund habe ich nur ein Nachthemd eingepackt). Dann kann ich auch gleich meine Schuhe wechseln, die glitzernden Blumensandalen passen heute einfach besser zum Gesamtbild.
Das Haustürschloss möchte plötzlich wieder nur von mir geöffnet werden, obwohl es Uli gestern Abend auf Anhieb gelang… versteh’ einer diese Dinge!?
Unser nächstes Ziel ist der Markt: ich hätte gerne eine leichte Decke (abends auf dem Sofa fröstelt es mich ein wenig), Uli möchte die Elektroversorgung im Studio gewährleisten (wenn Felix morgen eintrifft, wird er Geräte für die Musikanlage mitbringen, dafür brauchen wir einen Mehrfachstecker), natürlich muss ein Obstsalat mitgenommen werden und bereits gestern lockte ein Stand mit frisch gebratenen Fischsnacks, die das Interesse des Löwen sofort geweckt hatten….
La coperta ist schnell gekauft: eine altrosafarbene Fleecedecke, leicht und zweckmäßig, wechselt für 10 € den Besitzer. Ebenso fix geht’s am Elektrostand, inklusive eines herzlichen Wortwechsels mit dem Betreiber, auch hier gibt es strahlendes Lachen und das ist überaus ansteckend! Der Kauf passt mit in die Plastiktüte, die uns unmissverständlich als Marktkunden kennzeichnet - wir haben das richtige Accessoire -> wir gehören dazu!
Ein Stapel Mangos lacht mich so verlockend an, dass ich sofort zugreifen muss. Ich erhalte meine Wahlfrucht in einer Papiertüte wie aus den 60er-Jahren, grob, dick und superstabil. Die hält auch eine pralle Ananas aus.
Nun zum Fischladen, neben dem ist auch ein fruttivendolo, der die gleichen Becher verkauft, diesem möchte ich heute mal den Vorzug geben.
Fruchtsalat ja, Fischsnacks nein! Wo gestern jede Menge unterschiedliche Teller mit Leckereien standen, herrscht heute gähnende Leere. Äh… Uli ist nicht sehr amüsiert, lässt sich aber sofort auf die Idee ein, wir könnten ja auch direkt zum Fischmarkt gehen, da sitzt man schließlich an der Quelle.
Gut gedacht, aber nicht mittags um halb eins! Hier finden jetzt nur noch Säuberungsarbeiten statt. Also suchen wir weiter und als wir Rauch aufsteigen sehen, ist klar, dass dort etwas Essbares zubereitet wird. Tatsächlich finden wir einen sehr vielversprechenden Fischsnack-Imbisswagen, vor dem sich die Menschen vor allem deswegen knäulen, weil die Auslagen so ansehnlich daherkommen - das muss natürlich von allen Seiten abgelichtet werden, und da es hier von Touristen nur so wimmelt (Hafennähe? Kreuzfahrten? Duomo um die Ecke?) ist es gar nicht leicht für Uli, an die begehrten Garnelen zu gelangen… er kämpft sich wacker voran und ersteht zwei Tellerchen für uns.
Es riecht gut, es sieht super aus, jetzt nur aufpassen, dass uns keine eiligen Touristen anrempeln (die Einheimischen tun das nicht). Oder Tauben sich auf uns stürzen... Der Weg in den kleinen Park ist bekannt, kurz und führt uns direkt auf eine vollschattige Bank, wo wir die köstlichen Snacks genußvoll vertilgen. Mit den saftigen Zitronenstücken reiben wir uns hinterher die Finger sauber, so sind sie sofort wieder fettfrei und duften frisch.Hinterher lese ich im google-Eintrag die vielen schlechten Bewertungen; davon können wir zum Glück diesmal nichts bestätigen. Keine Abzocke - vielleicht, weil wir schon ein bisschen italienisch sprechen und Uli so südländisch aussieht…Der Wind wird inzwischen etwas ungemütlich, ich bitte um Aufbruch. Uli möchte sich noch an einem der Schmuckstände ein Lederarmband kaufen. Es kommen mehrere infrage, aber schließlich trifft er dann diese Entscheidung (molto carino):Am Duomo schleicht ein hübsch gezeichneter Kater herum. Sein Ziel: ein Haufen Erbrochenes in einer Ecke. Das möchte ich ihm wirklich nicht zumuten, zum Glück hatte ich meine Schmecki-Tüte vorhin frisch nachgefüllt und kann ihm mehrere Hände davon hinwerfen. Nummer zwei erscheint, ein schwarzer Haudegen mit weißen Pfoten. Er drängt sich dazwischen und bekommt auch seine Portion. Die Tierchen knuspern die Snacks und um uns herum werden die Handys gezückt: fressende Katzen sind scheinbar sehr fotogen. Zwei kleine Mädchen stehen an der Hand ihrer Mutter daneben und gucken sehnsüchtig zu. Vielleicht wollen sie auch mal?! Ich reiche den Beiden ein paar von den Leckerli, sie schauen erst scheu ihre Mama an, die nickt, dankt mir lächelnd und die Kleinen hocken sich glücklich damit zu den Katern. Ein Souvenirverkäufer spricht mich auf italienisch an. Ich verstehe: „Das war sehr nett, schöne Frau, vielen Dank, Gott segne dich.“ Er will uns nichts verkaufen, sondern zeigt mir nur in aller Deutlichkeit seine Achtung. Oh, wie wundervoll sich das anfühlt! Mein Herz wird so warm, dass ich fast ein bisschen weinen möchte….
Nun müssen wir aber heim, das waren schon wieder eine Menge aufregende Abenteuer, die es erstmal zu verdauen gilt. Mit einem schönen Cappuccino mache ich es mir in der kühlen Küche bequem, sortiere die Fotos vor und schreibe schonmal ein Weilchen. Bei der Recherche entdecke ich ein interessantes blog zu Catania, das kommt auf die Leseliste.
Apropos Leseliste: Uli ist auch mit dem Hotel New Hampshire inzwischen durch (600 Seiten in vier Tagen!) und hat jetzt das Vergnügen, in das nächste Meisterwerk von Herrn Irving einzutauchen (ich hatte es zum Glück vorgestern Abend pünktlich ausgelesen).
Für ein Schläfchen ist es heute zu spät, so räumen wir nur ein bisschen herum, kümmern uns um die Wäsche, lesen, schreiben und bereiten uns aus den restlichen Vorräten einen wirklich köstlichen gemischten Salat, dazu Toast und gekochte Eier - sättigend und vollkommen befiedigend. Morgen müssen wir auf jeden Fall zu decò, den Kühlschrank befüllen - denn ab morgen Abend sind wir ja zu dritt: unser liebster Felix wird hier sein!!
Nun gibt es nur noch ein paar Nachrichten zu beantworten, ein bisschen zu zocken, Italiensich zu lernen (obwohl ich heute bereits einige Lektionen absolviert habe) und zu guter Letzt unter der frisch gewaschenen Kuscheldecke vor dem Fernseher abzuhängen und Serie zu gucken. Ganz gemütlich.
A domani, buona notte!





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