Catania at it's best

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la bella città nera

Dienstag, 15. April 2025

mercato, arancini e hamburger * secondo giorno

Als ich die Augen aufschlage, habe ich das Gefühl, sehr lange geschlafen zu haben - und richtig: es ist bereits nach 11 Uhr. Also nichts wie raus aus den Federn und erstmal die dichten Schotten öffnen, die den Raum zuverlässig vor allem möglichen schützen. Ein wolkiger Himmel zeigt sich, die Straße ist etwas nass, es muss geregnet haben. Die Quaddeln sind vollkommen verschwunden, den Weichspüler rieche ich nur noch schwach: na bitte, es geht voran.
Uli ist natürlich schon etwas länger auf, hat bereits meinen Morgentee zubereitet und spricht direkt den vergangenen Abend an. Das mag ich so an uns, wir können über alles sprechen, es herrscht nie unbehagliches Schweigen. Die vorabendlichen Zwocken sind schnell zusammengefasst und wir können uns alltäglicherem zuwenden, zum Beispiel, wo wir unseren ersten Cappuccino einnehmen wollen? Schnell hüpfe ich ins Bad und in die Klamotten und ebenso schnell aus dem Haus, denn nach 12 Uhr mittags trinken nur noch Touristen Cappuccino; zu denen wollen wir nicht unbedingt gehören.

Auf der Piazza Vincenzo Bellini finden sich gleich mehrere Cafés und wir wählen das uns unbekannte Caffè Opera. Es fallen ein paar Regentropfen und ein frischer Wind bläst. Ich bin froh über meine Jacke und denke an Michaelas Worte: „und was, wenn es in Catania mal kalt ist?“ Tja, dieser Moment ist wohl meiner etwas überheblichen Antwort geschuldet: „da ist es nicht kalt!“ Haha.
Es sind diverse andere Touristen unterwegs, zu erkennen an ihrer zu leichten Kleidung. Womöglich gehöre ich doch dazu?! Nach einem Brioche für Uli und zwei Cappuccini staune ich über die Rechnung, die sich auf mehr als 10 € beläuft - und das heißt ja wohl deutlich: abgezogen. Einmal Tourist, immer Tourist.

Als nächstes möchte ich auf den tollen mercato, um ein Pfeifchen zu erwerben. Außerdem braucht Uli ein neues Feuerzeug. Wir werden mehr als fündig und bestaunen so begeistert all die interessanten Stände mit ihren teils exotischen Waren, dass ich vollkommen vergesse, wenigstens ein winziges Foto zu machen… zum Glück gibt’s den Markt ja jeden Tag.
Schnell muss ich schauen, ob mein Lieblingslokal Easy noch da ist - Evviva, Easy Bistrot gibt’s noch. Alles glutenfrei, das reinste Paradies für mich. Wird baldigst aufgesucht. Aber zuerst einen Arancinu, hatten wir doch gestern Abend den Flughafen ohne verlassen. Wir schlendern durch die pittoresken Gassen, in denen reges Treiben herrscht und es aus allen Ecken unterschiedlich duftet. Hier finden sich Schuhmacher neben kleinen Bäckereien und Musikinstrumenten- Gürtel- und Haushaltswarenhändlern. Die Augen können sich kaum sattsehen, so viele Details gibt es zu entdecken!

Unser Weg führt uns zur Via Etnea, der prunkvollen, ewig pulsierenden Hauptschlagader von Catania. Hier reihen sich die Boutiquen und Feinkostläden aneinander und wir steuern zielstrebig Savia an, einen alteingesessenen Arancini-Dealer mit besten Referenzen. Vor der Tür fällt uns ein, wir könnten ja auch zu Munnu gehen, da haben sie nämlich welche mit Sepia und so einen möchte Uli jetzt gerne. Gesagt, getan. Also die Etnea wieder runter bis zur Piazza Duomo, wo sich die Menschen eifrig tummeln. Hier ist nämlich gleich der beliebte Fischmarkt, dazu jede Menge Restaurants und Andenkenshops und auch die Arancini-Schmiede Munnu. Ich teste mein klägliches Italienisch und man versteht mich auch, aber Sepia ist aus.  Dann eben zweimal Burro, auch gut. Nun will ich sofort einen frischgepressten Granatapfel-Saft, una spremuta di melograne. Ein netter alter Herr mit einem kleinen Spremuten-Wägelchen am Fischmarkt versteht mich zum Glück auch sofort, hat noch einen Granatapfel, braucht aber fünf für meinen Saft. Orangen vielleicht? No, grazie. Domani, lacht er mich fröhlich an und ich muss auch lachen - will aber immer noch dringend den Saft. Uli verspeist inzwischen gemütlich seinen Burro-Arancinu im Gehen. So ein genialer Snack, diese hübschen kleinen Dinger!

An einem Kaffee-Stand entdecken meine Adleraugen einen Haufen Granatäpfel und so teste ich erneut mein Italienisch beim Herrn hinter dem Tresen. Auch hier klappt es ganz gut, ich erhalte einen nicht ganz vollen Becher mit dem begehrten Getränk und der zuerst etwas mürrisch wirkende Herr wirft mir zum Abschied eine bezaubernde Kusshand zu.
Auf einer Mauer findet sich ein Plätzchen, wo ich meine soeben ergatterten Schätze verspeisen und dabei dem Müllwagen zusehen kann, der all die unterschiedlichen Tonnen in ein und dasselbe Fahrzeug entleert.

Es ist eine gut befahrene Ecke, aus verschiedenen Richtungen flitzen Roller, Räder, Autos, Laster heran, dazwischen Fußgänger und die Müllabfuhr - und alle einigen sich vor unseren begeisterten Augen höchst elegant und äußerst effektiv, sodass niemand zu Schaden kommt.
Es beginnt wieder zu tröpfeln, also kippe ich schnell die letzen Reisbrocken den Tauben hin, welche sich furchtlos direkt vor meinen Füßen darauf stürzen. Uli möchte noch einen Cannolo zum Nachtisch, eine lecker frittierte Teigrolle mit Ricotta-Vanillecreme gefüllt. Auch der kann problemlos im Gehen verschlungen werden. Und ja: nächstes Mal gibt’s davon ein Foto!

Müdigkeit macht sich breit, so satt und erfolgreich, also nichts wie zum Palazzo Felice und ab ins Bett.
Erst nach 17 Uhr werden wir wieder wach. Ich finde die Muße, mich ans Blog zu setzen - hatte ganz vergessen, wie die Zeit dabei vergeht… erst, als der Appetit auf Abendessen (cena) nicht mehr zu ignorieren ist, kehre ich aus dem Schreib-Rausch zurück. Uli war inzwischen kurz einkaufen, hatte Schwierigkeiten mit dem Schlüssel der Zwischentür und musste von der Nachbarin ins Haus gelassen werden. Diese seltsamen Schlüssel... Er möchte auch essen und weiß schon, was: Burger, da, wo wir letztes Jahr schonmal waren. Okay, andiamo. Ist nicht weit, nur kurz über die Via Etnea runter Richtung Duomo. 

Besonders warm ist es nicht, es weht ein frisches Lüftchen, aber wenigstens fällt kein Regen. Die Stadt ist gut besucht, aus vielen Ecken tönt Musik und auf der Piazza Duomo wagen einige ein Tänzchen zu den Klängen einer Geige. Bezaubernd!

Bei Cuore Fresco haben sie Platz für uns, quittieren meine Italienisch-Versuche aber mit englischer Entgegnung. Wahrscheinlich aus Höflichkeit. Oder weil ich so unverständlich bin…
Eine Speisekarte gibt es nur virtuell, ohne Smartphone keine Chance!

 
Das Essen wird zum Glück flott serviert und mundet vorzüglich. Wir werden richtig satt und sind sehr zufrieden. Hier waren wir bestimmt nicht zum letzten Mal.
 

Nur noch ein kurzer Spaziergang zurück, alle Schlüssel funktionieren einwandfrei und ich kann mich wieder am Schreibtisch einfinden, um diesen Beitrag fertig zu stellen, danach endlich ein paar Italienisch-Lektionen zu absolvieren (sind heute sträflich zu kurz gekommen!), vielleicht noch was zu gucken und dann herrlich erholsam zu schlafen (hoffentlich ohne Blutsauger!).

Buona notte. A domani!

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