Wieder schlafe ich lange in den Tag hinein, auch der gestrige Abend endete erst nach zwei Uhr. Ein vorsichtiger Blick durch die Lamellen vor dem Badezimmerfenster lässt bereits erahnen: es ist trüb draußen! Und als ich die schweren Holztüren vor den Schlafzimmerfenstern zurückschlage, stellt sich heraus, dass es auch ziemlich windig ist. Und dass es regnet. Tja… Soviel zu meiner ausgefeilten Kleidungsplanung. Jetzt hätte ich gerne ein warmes Jäckchen. Oder wenigstens meine Wollweste. Aber diese Sachen liegen sicher zuhause. Ebenso der Regenmantel.
Nun, dann ist eben Zwiebellook angesagt, auch kein Problem.
Es gibt ein paar Tippfehler im blog zu beseitigen und ein paar Nachrichten zu beantworten und schon drängt wieder die Cappuccino-Zeit… bloß nicht nach 12 Uhr! Schnell schnappe ich mir die beiden wunderbar reifen Bananen (noch von Felix), für den Weg. Wir streben das Artemisia Caffetteria Bistrò an - wohlvertraut vom letzten Mal, immer sehr beliebt!
Ja, es ist etwas frisch und tröpfelt leicht, für Norddeutsche aber kaum erwähnenswert.
Unser Weg führt uns über den mercato, wo wir quasi im Vorbeigehen noch drei weitere Feuerzeuge erstehen; sie sind so hübsch anzusehen, changierend in tollen Farben.
Der starke Wind wirbelt den allgegenwärtigen Müll (vor allem aus Plastik) eindrucksvoll durch die Gegend, wie in kleinen Windhosen kreiseln und tanzen alle möglichen Folien und Tüten um uns herum.
Auf gewohnten Wegen erreichen wir unsere lieb gewonnene alte Bekannte, die Via Umberto. Sie nimmt uns freundlich in Empfang und wir staunen nicht schlecht, als wir als erstes in einem Straßencafé sitzend just DAS alte Pärchen entdecken, welchem wir in Schiphol beim Boarding gegenüber saßen! Wie verrückt ist das denn wohl?!?
Vor dem Artemisia sind unsere gewohnten Plätze frei und die Überraschung ist groß, als der nette junge Mann vom Service uns mit Begeisterung begrüßt und sagt, es sei ja schon lange her. Ich versuche mich natürlich eifrig auf Italienisch und mache völlig absurde Fehler, die er pronto verbessert und mir genau erklärt, was falsch war. Perfetto.
Beim herrlichen Cappuccino Grande schimpfe ich noch kurz intern ob meiner Sprachmängel auf mich ein, aber das hält dem Vergnügen, lieber die Szenerie zu genießen, nicht stand.
Ein Bettler spricht mich flehend an und als ich ihm 2 € gebe, ist er nicht zufrieden. Er möchte mehr! Alles klar. Arrivederci, have a nice life!
Next stop: der Tabacco-Kiosk, den eine Fitnessstudio-Freundin von Felix betreibt. Wohl hundertmal hatte ich den Satz wiederholt, den Felix mir geduldig beigebracht hatte: cari saluti da parte di Felix - liebe Grüße von Felix. Bis zu „saluti“ schaffe ich es, dann beginnt das Stottern, was durch die verwunderten Blicke der jungen Ladenbesitzerin nicht besser wird. Zum Glück kann sie mich dann doch etwas verstehen, ihr verwunderter Blick wird fröhlich und sie freut sich sichtbar. Uli bekommt hier seinen Tabak und wir verabschieden uns ganz herzlich.
A presto, bis bald.
Nun zu Munnu, anderer Standort, wegen der Sepia-Arancini… leider auch hier Fehlanzeige - ebenso Uli’s zweite Wahl. Dann eben einen mit Ragout und einen mit Gemüse. Bestimmt auch lecker. Der Laden ist knackevoll und entsprechend laut. Italienisches Radio berieselt uns und tatsächlich meine ich, die eine oder andere Zeile zu verstehen - das macht Mut und hebt die Stimmung.
Was für nicht so gute Stimmung sorgt, ist der Waschraum, der weder über eine Toilettenbrille, noch über Papier und erst recht nicht über eine abschließbare Tür verfügt! Uli muss draußen Wache stehen und gleichzeitig unseren hochbegehrten Tisch verteidigen.
Dann sind die frittierten Reisklöße fertig und werden gierig von uns verschlungen. Ebenso sieht es an den anderen Tischen aus: lauter begeisterte Esser aller Altersstufen, oft mit gleich mehreren Arancini vor sich. Wir schauen uns das Treiben noch ein bisschen an, geben dann aber gerne unsere Plätze für die stetig nachrückenden Anwärter frei.
Ein kurzes Schlendern durch den winzigen Giardino Pacini, vorbei an diesem kopflosen Signore:
Und schon sind wir wieder am Duomo. Dort ist auch der Laden, wo Uli gestern seinen Cannolo geholt hat. Jetzt möchte ich auch mal einen probieren und halte schon 4 € passend bereit, da Uli ja gestern 2 € bezahlt hatte. Nun möchte die Dame allerdings 6 € von mir. Ah. Okay. Touristenaufschlag? Non mi piace - das gefällt mir nicht. Gar nicht.
Auch das Cannolo-Essen im Gehen ist nichts für mich. Der Wind treibt mir die Haare ins Gesicht, dicke Regentropfen fallen plötzlich, die Ricotta-Creme quillt in alle Richtungen und klebt nicht nur an meinen Händen, sondern auch dekorativ auf meiner Nase. Klasse! Nächstes Mal vielleicht im Sitzen versuchen, zum Beispiel mit einem schönen Kaffee?
Nun treibt es uns zurück Richtung Palazzo, wir wollen vorher aber noch kurz drei Sachen besorgen: umparfümiertes Klopapier, Mehrfachsteckdosen und Ascheseife aus der tollen Seifenmanufaktur. Bei Decò, dem praktischen supermercato, klappt es mit dem Sprechen recht gut; im Elektroladen fange ich direkt wieder an, herum zu stammeln. Für den Seifenladen habe ich dann auf dem Weg geübt, was sich aber erstmal erledigt: Mittwoch nachmittags geschlossen.
Schon wieder so viele Abenteuer erlebt. Schnell noch ein paar Italienisch-Lektionen und ein Kapitel im Buch und dann ins erholsame Nachmittagsschläfchen.
Nach dem Erwachen gibt es sofort was zu Lachen: die internationale Buschtrommel hat Felix bereits zugetragen, dass Freunde von ihm im Tabak-Kiosk eingekauft haben. Wie verrückt!
Die Abendplanung sieht baldiges Essen vor und wir sind uns schnell einig, zum Bistro Easy zu gehen; das ist nicht weit und verlässlich gut.
Erstmal versuchen wir es draußen, aber der Wind wird derartig ungnädig, dass wir lieber nach drinnen flüchten. Gut so, denn im nächsten Moment geht ein heftiger Regenguss nieder. Das kann ja noch heiter werden…
Im Laden ist es erstmal sehr gemütlich, wir werden zuvorkommend bedient und schnell versorgt. Das Essen, (Cheesy Pommes und Pinse mit Gemüse) schmeckt sehr gut, aber mir ist sofort klar, dass die Portion zu üppig ist. Nicht zu schaffen. Also geht der Rest einfach mit.
In dem kleinen Lokal wird ein Schlagzeug aufgebaut, ein Kontrabass herangetragen und schonmal fleißig geübt. Es ist laut! Zum Glück haben wir das Thema Essen abgehakt, müssen nur noch zahlen und können dann aus dem Lokal fliehen.
Noch eine winzige Kugel Eis, für den süßen Zahn. Ja, wir sind uns einig.
Auf der Via Etnea ist nicht mehr viel los, viele Läden sind bereits zu. Wegen des Wetters? Eine prunkvolle Eisdiele entdecken wir und treten fröhlich ein. Und werden so gnadenlos vom gelangweilten Personal ignoriert, dass wir nach ein paar Minuten irritiert wieder verschwinden. Man scheint unser Geld nicht zu benötigen.
Nebenan gibt’s noch einen Eisladen, also versuchen wir den. Hier empfangen uns gleich mehrere ausgenommen zugewandte Damen und Herren, dass es ein reines Vergnügen ist. Und wir können leider nicht verhindern, dass man uns für 11,50 € Eis verkauft, das wir dann auch noch essen müssen.
Vor dem Laden mehrere Bettler; ich komme mir pervers vor mit meinem dicken Sahneeis neben diesen abgerissenen Gestalten.
Heim schlendernd philosophieren wir noch ein wenig über dieses verrückte, wilde Leben, das sich in so bunten Facetten schillernd immer neu präsentiert.
Uli steht erneut vor der Zwischentür im Haus, es will partout nicht klappen mit dem Schlüssel. Ich kann helfen, per fortuna. Der Abend endet mit ein paar Lektionen Italienisch, ein bisschen Zocken und natürlich (nicht zu vergessen) diesem Beitrag.
Mal schauen, ob morgen die Sonne scheint…



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