Unsanft reißt es mich aus dem tiefen Schlaf: die Tür zu unserer Suite quietscht erbärmlich, als Uli versucht, sich geräuschlos ins Bad zu schleichen. Etwas angestrengt mühe ich mich aus dem Bett, eigentlich bin ich noch nicht ausgeschlafen, sehe aber, dass das Licht von draußen viel heller ist als die Tage zuvor - das kann nur eins bedeuten: die Sonne ist da! Und tatsächlich: es strahlt ein blauer Himmel, der zuverlässig die Laune hebt.
Nun stellt sich gleich die ernsthafte Frage: was ziehe ich an?! Chic und praktisch muss es sein, nicht zu warm, nicht zu kalt. Eben genau richtig! Zum Glück ist die Auswahl beschränkt und die Entscheidung schnell getroffen - vorerst…
Wir traben zügig los, um in der Sonne sitzend den morgendlichen Cappuccino zu genießen. Zum Caffè Opera bitte nicht nochmal, aber gleich daneben befindet sich Comis Ice Cafè, wo wir im letzten Jahr zwar etwas überheblich behandelt, aber wenigstens nicht abgezockt wurden. Geben wir doch dem Lokal eine neue Chance - und siehe da: ein super-freundlicher Kellner bestätigt unsere Entscheidung. Wir nehmen an einem halbsonnigen Tischchen Platz und aalen uns behaglich in der wohligen Wärme.
Heute möchte ich endlich mal eine Granita probieren, colazione tipico in Sicilia. Felix hatte begeistert berichtet. Pistacchio-Mandorla-Sorbet und Cappuccino zum Frühstück - öfter mal was Neues. Es mundet erstaunlich gut; auch Uli taucht seine Brioche-Stückchen in die halbgefrorene Masse und nickt anerkennend.
Ein Herr am Nachbartisch beginnt ein Gespräch mit uns und berichtet von seinem Leben als Sänger, Maler und Fotograf (auf Englisch, dafür reichen meine paar Brocken lange noch nicht aus…). Kurz biegen wir auch in die Situation der Welt ab und er bekennt freimütig seine Vermutung, das Wetter würde gezielt manipuliert. Aha! Molto interessante.. Zum Abschied stellt er sich vor, reicht uns seine Hand und deutet eine kleine Verbeugung an. Was für eine leichte, angenehme Begegnung!
Nun soll es aber endlich mit der Seife klappen. Nur schnell die Rechnung begleichen (unter 10 € - daran dürften sich die gierigen Nachbarn aus dem Opera mal orientieren!), grazie e buona giornata und los. Es ist herrlich, so in der Sonne und mit dem frischen Lüftchen. Leichten Schrittes geht’s zu Sa di Sapone, ein gezielter Griff und ein kleines Stück Asche-Seife wechselt für 6 € den Besitzer. Ich liebe diese Seife und lasse den kleinen Schatz in den Tiefen meiner Tasche sicher verschwinden.
Als nächstes wollen wir auf dem mercato nach Kleiderbügeln schauen, um den neuen Schrank noch etwas aufzumotzen. In dem Gewimmel von Waren aller Art findet sich auch bald der passende Anbieter, der - wie alle Händler hier - uns sofort offensiv anspricht, kaum dass wir ein Auge auch nur in die Richtung seiner Auslagen geworfen haben. Der Handel ist fix besiegelt, 10 gummierte Drahtbügel für uns, 3 € für ihn.
Heute ist der Himmel hoch und klar und wir sehen endlich den stolzen Ätna über der Stadt thronen. Was für ein berauschender Anblick! Hochzufrieden schlängeln wir uns zu den Lebensmittelständen durch. Hier gucke ich am liebsten, so viele hübsche und interessante Sachen liegen zu Hauf herum. Es ist wohl gerade Erntezeit für Zitronen und Orangen, 1 kg 1 €, riesige reife Früchte in den schönsten Farben. Und duftend! Daneben frische Schalentiere, Knoblauch, jede Menge Auberginen, junge Kartoffeln, Fische und wieder Früchte, dieses Mal gemischt und appetitlich in einem Eisbett präsentiert: Becher mit Obstsalat aus Erdbeeren, Orangen und Kiwi. Oh ja, und nur 1 € - ich bin begeistert. Per piacere, io vorrei - ich möchte bitte! Der freundliche fruttivendolo (Obstverkäufer, ein so lustiges Wort) presst schnell noch eine Orange in den Becher und reicht ihn mir, zugewandt und fröhlich lachend.
Auf der Treppe vor der Basilica Satuario del Carmine findet sich jede Menge Platz, dazu ein perfekter Blick in alle Richtungen - hier möchte ich essen. Ist das köstlich! Vollreife Früchte im eigenen Saft. Aromatisch, lecker, praktisch, gesund - gut. „Das will ich jetzt jeden Tag“, lasse ich Uli wissen, der mit seiner zusammengerollten Jacke kämpft, die der Wind immer wieder vom Rucksack bläst.
Mutprobe: nach diesem großartigen Frühstück jetzt und hier rauchen. Auf der Treppe, direkt vor der heiligen Stätte. Hunderte von Menschen wuseln auf dem Markt und in den Straßen, einer steht sogar betend da - - "ich mach' das jetzt einfach und denke an Felix, der sagte das interessiert hier keinen Menschen!“. Irgendwie warte ich wohl trotzdem auf Strafverfolgung, weil ich bei allen Fahrzeug und allen Menschen, die sich uns nähern, leicht zusammenzucke. Uli lächelt fürsorglich, zeigt mir den nahenden Hubschrauber und äußert die Vermutung, es handle sich nun wohl doch um eine größere Angelegenheit, die heute Abend als Schlagzeile um die Welt gehen wird: kiffende Oma in Catania unschädlich gemacht. Erleichtertes Lachen. Ja, ich bin da wirklich ein bisschen paranoid… mi dispiace!
Nächste Mutprobe: den leeren Becher einfach auf einen der unzähligen Müllhaufen schmeißen. In meinem Kopf herrscht deutsche Erziehung und das macht man nun mal schließlich nicht! Auch nicht, wenn sich der Abfall überall nur so türmt und nachher die Müllabfuhr zum Aufräumen anrückt?!? Nach inneren Kämpfen gelingt es dann und ich bin den etwas klebrigen Becher endlich los. Meine Güte, was für nutzloser Hirnbrei einem das Leben erschweren kann…
Als Uli’s Jacke zum dritten Mal dem Wind zum Opfer fällt und mir die Kleiderbügel in ihrer Knistertüte bereits lästig werden, fassen wir den Entschluss, erstmal zurück nach Hause zu gehen. Super Gefühl, nur mal schnell nach Hause, in den herrlichen Palazzo! In einer verspiegelten Schaufensterscheibe bemerke ich, dass meine Bluse gar nicht so gut zur Tasche passt. So geht das aber nicht!
Außerdem wehen mir unablässig die Haare ins Gesicht - ich muss mich also schleunigst umziehen und meinen Hut aufsetzen. In dieser Aufmachung fühle ich mich tatsächlich ziemlich wohl und passend gekleidet. Angenehm.
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Uli möchte darauf hingewiesen wissen, dass er sich diesen Foto-Platz nicht freiwillig ausgesucht hat!
Eine kleines Weilchen gelingt das auch. Bis mir urplötzlich einfällt, wie lange ich gestern Abend am blog-Beitrag gesessen und mir hoch und heilig geschworen hatte, zukünftige in Etappen zu schreiben. Mich drängt es jetzt gen Palazzo, subito! Statt eines Schläfchens will ich mich am Laptop einfinden. Vorher aber noch ganz kurz eine Stippvisite im Easy - gibt es heute vielleicht Cheesecake? (gestern Abend war er aus) Jaaaa! Ein Stück will mit - dann muss kein Italiener dabei zusehen, wenn ich mir meinen nachmittäglichen Cappuccino dazu gönne…
Während ich schreibe, läuft la lavatrice, die Waschmaschine mit der ersten Ladung. Dafür nehme ich fertige Wäsche vom Wäscheständer und lege sie zusammen. Bettwäsche, Handtücher und so. Beim Zusammenlegen bekommen meinen Hände eine seltsame Schicht, die sich wie Wachs anfühlt. Schon wieder dieser Weichspüler?!? Aber mit der tollen Ätna-Asche-Seife geht die Schicht sofort wieder ab!
Uli ist mit Garp unterwegs (er suchtet sich mit zunehmender Hingabe durch diesen beeindruckenden Roman). Meine Italienisch-Lektionen brauchen dringend etwas Input, die Spiele zocken sich auch nicht von selbst und in der Küche liegt eine superreife Mango, die verspeist werden möchte. Sie ist derartig weich, dass ich sie einfach mit den Fingern abstreifen kann. Ein himmlischer Mango-Joghurt entsteht daraus, von dem ich sofort mehrere Löffel probieren muss.
Als die unvermeidliche Frage auftaucht: was wollen wir heute Abend eigentlich essen?, plädiere ich für normales Abendbrot zu Hause, vielleicht mit Salat und Käse oder Ei... Also auf zum supermercato unseres Vertrauens, nur kurze 5 Minuten entfernt. Auf den Gehwegen lungern so manch seltsame Menschen herum, die teils recht munter miteinander agieren, aber wir folgen unbehellingt unserem Weg. Ich frage mich kurz, ob ich eigentlich Angst habe und stelle beruhigt fest nöö.
Bei Decò sammeln wir geübt unser Essen zusammen. Ich möchte einen Fertigsalat mit zusätzlichen Artischocken und Tuna, Uli sucht sich für die nächsten Tag schonmal Aufschnitt und Käse aus; heute mag er nur noch einen Apfel und von dem Mango-Joghurt. Fix sind wir wieder daheim und verspeisen in der gemütlichen Küche schlicht und einfach unser Abendbrot. Das glutenfreie Brot von Decò schmeckt richtig gut, so direkt am Tisch getoastet, mit zerlaufener Butter und Käse...
Dann rufen die letzten Seiten von Garp - Uli kann's kaum erwarten - und ich gebe diesem Beitrag den vorvorletzten Schliff. Der Abend darf dann bald ruhig auf dem Sofa ausklingen, vielleicht mit ein paar Folgen von unserer Serie oder einem Film?
Und für morgen haben wir - - - noch nichts besonderes vor! Wir lassen uns einfach überraschen.




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