Catania at it's best

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la bella città nera

Freitag, 18. April 2025

i sandali, le tazze e ancora il vento * cinque giorno

Der Tag beginnt störungsfrei und bester Dinge: Sonnenschein, ein tiefblauer Himmel mit Mini-Wölkchen prunkt uns entgegen - malerisch, herrlich - nichts wie raus!! Mutig wage ich mich in die neuen Sandalen, ziehe aber vorsichtshalber gleich Söckchen an, falls es irgendwo scheuert.
Es ist immer noch ziemlich windig und kurz überlege ich, ob ich wohl eine Jacke brauche… aber nein, es ist bestimmt ganz warm!

Erstmal zum mercato, einen kleinen Obstsalat mitnehmen. Im Bereich Lebensmittel ist es heute extra voll - vielleicht wegen Ostern? Immerhin ist ja Karfreitag. Wir bahnen uns den Weg zum Fruchtstand und da stehen sie: die begehrten Becher. Vor dem Stand diverse Interessenten; es gibt auch frischen Saft. Der freundliche fruttivendolo spürt wohl meine Ungeduld und zieht mich vor - ich hab’ das Geld schon in der Hand und freue mich über meinen gut gefüllten Schatz, den ich später verzehren werde.

Jetzt schnell Cappuccino, die Zeit drängt….
Schnurstracks finden wir das nette kleine Café Drink Coffee wieder, wo uns beim letzten Mal bewußt wurde, dass wir andauernd zu viel bezahlen. Uli bestellt drinnen und wenig später werden uns zwei duftende Cappuccini und ein schnuckeliger Zuckerkringel hingestellt (für sensationelle 4,40 €!!). 

 

Die Tische stehen leider etwas eng und so muss ich immer wieder ausweichen, weil die alte Dame hinter mir sich ansonsten ganz zutraulich an meinen Rücken lehnt. Auch riecht sie etwas streng… Also sitze ich mehr oder weniger kerzengerade - es dauert ja nicht lange.

Nun endlich mal Richtung Wasser! Also bewegen wir uns zum Bahnhof, an den unmittelbar das Meer grenzt. Auf dem Weg dorthin gibt's so viel zu entdecken:

 

Hinter den Gleisen leuchtet das türkisblaue Wasser. Ein toller Anblick, nur leider unerreichbar!


Irgendwo weiter nördlich soll es einen kleinen Jachthafen geben, den man wohl betreten kann; wir nehmen die Fährte auf und halten uns eng an der Wasserkante und landen direkt in einem sehr gepflegten Bereich: städtisches Eigentum della citta metropolitana di catania. Hier befinden sich mehrere Museen von denen drei der Ausstellungen uns direkt ansprechen (alte Schreibgeräte, optische Illusionen, Film und Kino). Kommen auf die Liste.


 

Aber jetzt wollen wir ja ans Wasser. Man kann den kleinen Jachthafen sehen, entzückend sieht er aus - nur der Weg dorthin ist nicht für den öffentlichen Durchgang freigegeben und ich trau’ mich nicht, trotzdem durchzugehen! Also kein Wasser, zumindest nicht hier.

Uli möchte sich ein bisschen im Schatten hinsetzen, ihm tut die Hüfte etwas weh. Wir entfernen uns ein paar Schritte von der stark befahrenen Kreuzung und erblicken das Caffè Europa, in dem Boni und Peter so gerne waren. Da wollten wir doch sowieso hin, warum dann nicht gleich!? Draußen sind Plätze frei, an denen der Wind nur so vorbei fegt. Da wir ein bisschen erhitzt sind, macht uns das gar nichts aus - vorerst… Auch hier gibt es keine Speisekarten mehr, sondern nur den üblichen QR-Code zum Abscannen. Möchten wir auch allzu gerne, zumal der Kellner schon in den Startlöchern steht, aber der Code in mittelgrau wird partout vom klugen Gerät nicht erkannt - nix zu machen! Die Website des Europa hat sehr viel zu bieten, aber leider keine Speisekarte. Ich gehe an den weitläufigen Tresen (la tavola calda = der warme Tisch bzw. Imbiss), davor stehen jede Menge Menschen und warten auf ihre Bestellungen zum Mitnehmen. Arancini kann ich entdecken, aber kein einziges Schild, um welche es sich handelt. Egal, mit Ragu und Spinacchi machen wir nichts falsch. Endlich können wir die Bestellung aufgeben, die mir tatsächlich fast ohne Aussetzer oder grobe Fehler gelingt.

Ha. Klasse, es geht voran! Es ist inzwischen nicht nur nicht mehr zu warm, sondern reichlich frisch. Ich freue mich über meine dünnen Söckchen und die langen Ärmel und bemitleide die Jungs am Nachbartisch, barfuß in Adiletten, Shorts und dünnsten Flatter-T-Shirts… brrrr. Vielleicht tobt aber auch das heiße Blut der Jugend in ihren Körpern und sie merken nichts von den Kälte. Uli’s Ragu wird serviert, Spinacchi wird gerade zubereitet, „solo cinque minuti“. 

Irgendetwas in mir hört den lieben Felix lachen und sagen „stell’ dich besser auf die vierfache Zeit ein“. Und ja: Uli’s Arancinu ist lange verschlungen und ich sitze immer noch ohne da. Meinem fragenden Blick wird entgegnet „due minuti“. Ich sehe den Oberkellner mit unserer Servicekraft tuscheln, diese verschwindet und stellt mir kurz darauf wortlos ein kleines Schälchen mit Pommes und ein paar Beutel Ketchup vor die Nase. Kleine Probe: die Pommes sind quasi kalt und entsprechend labberig. Häh?! Was soll das?! Uli reicht’s! Er hechtet dem Kellner hinterher, dieser verschwindet elegant im Lokalinneren und taucht auch erstmal gar nicht mehr auf. Vielleicht sieht er Uli lauern?
Als der Oberkellner auf der Bildfläche erscheint, stürzt Uli sich auf diesen und versucht zu erfahren, ob es eine Verwechslung gab? Nein, übersetzt man uns freundlich vom Nebentisch, es handelt sich um einen Gruß aus der Küche, als Überbrückung, bis der verschollene Arancinu endlich serviert wird. Hmmm, kalte Pommes… ein nur mittelschöner Gruß! Aber da naht endlich der Kellner mit dem Reisball. Vorsicht, heiß, tönt es vom Nebentisch. Ja, das hoffe ich - vielleicht kann ich mir daran ein wenig die kalten Hände wärmen? Schön wär’s! Mein frisch zubereiteter Arancinu ist zwar außen knusprig-warm, aber innen nur lau. Wurde er aus der Frittüre gerissen, weil die nörgelnden Touristen mal wieder nicht warten konnten?!? Egal, er schmeckt trotzdem gut, ist üppig gefüllt und ich kann ihn schnell essen - was jetzt auch dringend notwendig wird, denn uns ist richtig kalt hier im windgebeutelten Schatten; wir müssen sofort in die Sonne. Die Rechnung ist flott beglichen und blitzschnell sind wir auf der anderen Straßenseite, wo uns gnädige Wärme empfängt. 

Aaahh, erstmal auftanken. Natürlich dauert es keine 5 Minuten, da wird’s uns wieder ziemlich warm und der Wind kommt gelegen… Leider reiben die Sandalen ungemütlich an meinen Füßen herum, das macht das Gehen eher beschwerlich.


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Häh? Was denn nun?!?

Ein kleiner Nachtisch darf’s jetzt gerne sein, vielleicht eine Iris? Bei Savia? Aber als wir auf der Via Umberto landen, zieht es uns plötzlich quasi wie von selbst zum Artemisia, wo ich mich auch nach 12 Uhr traue, Cappuccino zu bestellen. Unser superfreundlicher Kellner vom letzten Besuch wirft mir zur Begrüßung eine Kusshand zu - wie schön fühlt sich das denn an?! Es gibt leckerste Schokokuchen, für Uli mit Birne, für mich mit Mandel. 
 
Hier ist es so gemütlich, im Halbschatten, von freundlichen Menschen umgeben (die junge weibliche Bedienung spricht recht gut Englisch und erzählt ein bisschen von sich).

Mittelschwere Müdigkeit macht sich breit; wollen wir mal zurück? Ich streife die Söckchen von den leicht gereizten Füßen und hoffe, dass das Gehen dadurch weniger beschwerlich wird. Es funktioniert tatsächlich, per fortuna.
Wir wählen den schnellsten Weg, der uns über den Marktplatz führt; heute Vormittag noch vollgestellt mit Ständen und Unmengen von Menschen, jetzt sind dort nur noch die Müllmänner, die eifrig die zurückgelassenen Berge abtragen.

 
Oh, der tolle Laden mit den Haushaltswaren ist geöffnet! Dort hatte ich so hübsche Becher entdeckt, die ich gerne in Felix’ Bestand integrieren möchte (für alle, die ihre Becher gerne in extra-groß haben - so wie ich zum Beispiel). Ein fröhlich lachender Herr begrüßt uns herzlich und während Uli sich umschaut, wickle ich den Kauf zweier tazze ab - komplett auf Italienisch. Fest in Kartons verpackt und in einer dekorativen Tüte trage ich stolz die schönen Becher nach Hause. Uli kämpft erneut erfolglos mit der Haustür - es ist zu seltsam: mir gelingt es quasi sofort, mit ein und demselben Schlüssel! Wir lachen noch darüber und beim Treppensteigen rutsche ich weg, lande hart mit der Tüte auf einer Marmorstufe und höre sofort ein ungutes Knacken, gefolgt von einem bestätigenden Klirren… Dreck! Eine Tasse hat’s zerbatzt! Wie schade - aber zum Glück ja nicht unersetzlich; hole ich eben nachher eine neue.

Aber erstmal für’s blog schreiben. Das dauert runde zwei Stunden und der Abendessenhunger stellt sich inzwischen auch zuverlässig ein. Letztes Jahr hatten wir einen Burger-Imbiss ins Auge gefasst, der aber damals gerade umgebaut wurde. Heute haben wir ihn offen gesehen und da wollen wir jetzt hin. Der Weg führt uns an dem Tassenladen vorbei, der auch noch geöffnet ist. Zuhause hatte ich mir den Begriff für „runtergefallen“ eingebimst, aber wo ich so mitten im Laden stehe, fällt er mir natürlich prompt nicht ein! Egal, ich bekomme auch ohne Begründung eine neue Tasse und der Herr ist immer noch wahnsinnig freundlich.

Im Street Food-Laden Poldo sind außer uns keine Gäste - viel zu früh für cena (Abendessen) in Sicilia, es ist ja noch nicht einmal halb acht! Umso besser, dann müssen wir nicht lange warten. Die Wahl fällt auf zwei große Burger mit Pommes - zu groß, wie sich beim Essen schnell herausstellt. 


 
 
Diese Gier aber auch immer… Nicht nur, dass man von den Teilen kaum abbeißen kann, ohne dass es gefährlich im Kiefer knackt, nein, es ist auch ingesamt zu viel. Meine Pommes bleiben fast unberührt stehen. 
Auf dem Heimweg begegnen uns mehrere Streunerkatzen, alle klapperdürr, was mich daran erinnert, dass ich Leckerli kaufen wollte, um mich einzuschmeicheln. Also auf zu Penny, wo ich gleich drei Tüten von diesen Snacks erstehe. Mal schauen, wie weit ich damit komme.
 
 
Uli verliert erneut den Kampf mit der Haustür. Er hatte schon Alpträume letzte Nacht und wurde von dieser Tür gepeinigt. Auf den Geräten befindet sich eine Nachricht von Felix: Carlo hat ein Foto vom feuerspeienden Ätna geschickt. Wir pesen sofort wieder los. Das wollen wir sehen! Und wirklich: als wir um die Ecke biegen, sehen wir die rotglühenden Lavaströme am schwarzen Nachthimmel. Beeindruckend! Ich will näher ran, noch besser gucken. Von der Aussichtsplattform im Bellini-Park müsste man eigentlich super sehen können. Also tigern wir dort hin - um vor verschlossenen Toren zu stehen! Parks sind womöglich nachts gefährlich?!

Zurück geht’s zum vorherigen Platz. Dort stehen wir dann eine ganze Weile und bestaunen andächtig dieses ungewohnte Naturschauspiel - und wir sind damit wahrlich nicht alleine! Um uns herum werden die Geräte gezückt; auch Uli versucht sich an ein paar Schnappschüssen...

 
Müde schleichen wir heim. Kurz überlege ich, ob ich noch einen Blick in Felix' Osterüberraschung werfe... 
 
 
... molto interessante - - aber das verschiebe ich lieber ein bisschen. Am Laptop wartet noch ein Stündchen Feinarbeit auf mich und ich muss auch noch Italienisch üben. Und morgen früh um 9 kommt die Putzfrau… also: buona notte e a domani!

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