Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Samstag, 19. April 2025

purtroppo qualcose sono un po’ difficile * sesto giorno

Die Nacht hatte es in sich! Wir waren erst sehr spät im Bett (troppe parole - zu viele Worte) und haben beide nicht besonders gut geschlafen: Uli wurde erneut von schlechten Träumen heimgesucht und mich besuchte ein greifbareres Elend, nämlich ein Blutsauger, sodass ich mitten in der Nacht mit heftig juckenden Quaddeln an Armen und Rücken wach wurde. Morgens um halb neun war davon nichts mehr zu spüren, aber der Erholungsfaktor hielt sich dennoch eher in Grenzen.
Ein etwas verschleierter Himmel begrüßt uns durchaus aufmunternd und von der Straße strömt der köstliche Duft von frischem Brot zu uns hinauf. Allora, schnell unter die Dusche, denn Sharon, Felix’ Haushaltshilfe, wird bald hier sein. Die schöne Dusche hält so ihre Tücken bereit: plötzlich und unvermittelt wechselt sie die Temperatur von warm zu sehr kalt! Es ist ein reines Glücksspiel, wann sie dies tut; da kommt es einem schon sehr zupass, dass die Kabine so angenehm breit ist…)

Die fröhliche junge Sharon betritt telefonierend die Wohnung, unterbricht aber gerne für unsere kurzen Dialoge. Mir gelingt die Bitte, den Weichspüler momentan nicht zu benutzen (sono allergico). Gar kein Problem, klar doch! Grazie mille, è meraviglioso - es ist wunderbar, ich bin erleichtert…
Über unseren kleinen Mest-Marzipan-Gruß aus Lubecca zeigt die junge Frau sich sichtlich erfreut. 

Wir sind inzwischen startklar und wollen hinaus in die Sonne. A presto, ciao e buona pasqua. Sharon winkt ein fröhliches frohe Ostern zurück und wendet sich wieder der Wäsche zu. Als erstes muss ich nachschauen, ob der Ätna womöglich noch Feuer spuckt… das ist gar nicht weit zu gehen, nur um drei, vier Ecken und über ein paar Straßen. Hinter dem Corso Sicilia weitet sich der Blick und: DA, er qualmt munter vor sich hin. Einen Moment staune ich erneut darüber, wie nah uns dieser imposante Vulkan doch ist! Den wuseligen mercato umschiffend streben wir jetzt erstmal direkt zum Cappuccino-Frühstück bei drink coffee.
 

Dort herrscht reger Betrieb, sodass Uli sein Gebäck und die beiden Tassen gleich selbst mit hinaus bringt - sehr zur Freude der Servicekräfte. Die frittierte Rolle (soll Iris sein) ist mit Vanillecreme gefüllt und mundet vortrefflich. 

Belustigt beobachten wir die verrücktesten Verkehrsmanöver. Den Vogel schießt ein jüngerer Mann ab, der seinen SUV einfach direkt hinter uns quer auf den Gehweg stellt und fröhlich von dannen zieht. Dass dort niemand mehr durchkommt und er obendrein vor einer Hofausfahrt steht, scheint ihn auch nicht im Geringsten zu stören. Ob meine innere Blockwärtin da anschlägt, möchte Uli wissen - ja, irgendwie wohl schon. Ich darf noch viel gelassener werden!

Zwei Querstraßen zurück und wir landen mitten im wildesten Markt-Getümmel. Heute machen wir endlich Fotos, obwohl ich mich dabei irgendwie blöd (weil tourimäßig) fühle. Um uns herum machen das Einige, ist allerdings kein wirklicher Trost. 

Auch bei diesen Ständen gilt: schau' auch nur eine Achtelsekunde in die ungefähre Richtung und der Verkaufswille des Händlers ist unmittelbar geweckt.
Links im Bild die preisende Hand der Krustentierverkäuferin; wir sollen von den Seeigeln doch gleich ein paar mitnehmen. No, grazie, vorrei i frutti. 

 

Mein fruttivendolo preferito ist direkt nebenan und so lobt sie den schönen und günstigen Obstsalat auch noch gleich mit.

 

Überhaupt ist hier heute der Lärmpegel sehr hoch, von allen Ständen schallen Anpreisungen und Lockrufe. Und wie es überall duftet… es ist unbeschreiblich!
Leider nicht nur gut. Denn auch hier wabern die dicken Duftschwaden von Körper- und Wäschechemikalien teils belästigend herum - aber hier bin ich im frischen Wind und frei, mich zügigst weg zu bewegen.
Uli schaut durch die Sneaker; ich erstöbere währenddessen Glitzer-Lack für meine Fußnägel und als sich ganz zufällig noch ein passendes Armband aus Ätnalava-Perlen in meinen Weg wirft, greife ich auch da blitzschnell zu.
Nach derartig viel Erfolg möchte ich jetzt meinen Obstsalat verspeisen und dabei den Nagellack ausprobieren. Wie sitzen wunderbar im Halbschatten in der winzigen Piazza Sciuti und lassen uns von einem heftig balzenden Tauberich und einem plastikbecherjagenden Zottelhund belustigen. 


Der Nagellack ist toll, das Armband ist toll, wir sind tiefenentspannt… und was machen wir als nächstes?
Vielleicht jetzt mal zum Wasser?! Der Weg ist nicht weit und vor allem gewohnt. Als alte Catania-Hasen hüpfen wir alert an den unschlüssig herumstehenden Touristengrüppchen vorbei - weil wir uns eben problemlos orientieren können - zum Glück schwappt vor der endgültigen Überhebung eine mahnende Erinnerung ins Fronthirn, nämlich, dass wir genau hier auch schon suchend gestanden haben, jederzeit damit rechnend, ausgeraubt zu werden…. Ja, die Selbsterkenntnis. Selten bequem, nie angenehm.

(liebe mam-grüße gehen raus)

Flugs sind wir am Fischereihafen; erneut treffen mich die Leuchtkraft und das satte Türkisblau des schmuddeligen Hafenwassers wie eine Erscheinung! Fast unnatürlich. Aber es schwimmen jede Menge Fische darin herum, so unnatürlich kann’s dann wohl doch nicht sein.
Hier weht der Wind etwas stärker, ist aber lind und angenehm. Die Temperaturen steigen mittagmäßig in die Höhe - also tranquillo, bloß nicht hetzen (wofür und wohin auch?!). So sitzen wir ein wenig, schauen hier und dort ein bisschen, beobachten Fische, Fischer, Kutter und Flugzeuge, die im Minutentakt von/nach Fontanarossa fliegen.

Man hat einen fantastischen Blick auf den Ätna - beim nächsten Vulkan-Spektakel werden wir hierher eilen!




Etwas Herzhaftes wäre Uli jetzt recht und da kommt das Hafenlokal Docks gerade passend. Als einzige Kunden werden wir sofort und eifrig bedient, danach dann komplett links liegen gelassen. Okay.
Uli’s Mini-Pizza ist fruchtig und würzig und richtig lecker (molto gustoso); mein Versuch, ein nicht kühlschrankkaltes (non freddo) Wasser zu bekommen, scheitert leider. Als die beiden Servicekräfte beginnen, mit ihren Handys der Musikanlage Konkurrenz zu machen, ist für uns der passende Zeitpunkt zum Weitergehen gekommen. Ich möchte jetzt auch etwas essen, nämlich — was wohl?! — einen Arancinu! Bei Munnu. Ist nicht weit, nur an der Bahn lang, etwa 7 bis 12 Minuten. Es ist inzwischen richtig warm und auf der mehrspurigen Straße knäult sich hupend und knatternd der Verkehr. 

...noch so ein Kopfloser am Straßenrand:

 

Zwischen den dicht befahrenen Spuren regelt ein junger Mann in einer dicken Daunenjacke (seine Hautfarbe lässt auf Äquatornähe schließen) lautstark herumfuchtelnd die Zufahrt zum Parkplatz. Ich würde auf der Stelle vor Hitze eingehen, aber ihm scheint's ja eher frisch zu sein.

Das alte Männchen mit dem Spremuten-Wägelchen ist leider nicht an seinem Platz. Ein Granatapfel-Saft zum Essen darf’s aber gerne sein. So fällt die Entscheidung: erst den Arancinu, dann zwei Spremuten von dem Kaffeestand von vorvorgestern. Gesagt, getan. Während der wenigen Minuten Wartezeit bei Munnu (die Bestellungen werden immer frisch frittiert, hier liegt nix in der Wärmevirtine) stille ich meinen Wasserbedarf mit einer schönen Flasche aqua Marke Vera.
Mein Ragu ist pronto, dazu noch zwei Mini-Cannoli - und jetzt zum Kaffeestand. Meine Bestellung wird freundlich entgegen genommen, dann bekommen erstmal ein paar andere Menschen Säfte und schließlich sind der Dame 10 € zu wenig, sie fordert 12. Dass es am Dienstag noch 5 € pro Becher waren, interessiert sie nicht. Und was soll ich machen?! Zähneknirschend berappe ich die 12 € und fühle mich ziemlich ungerecht über den Tisch gezogen. Hier gehen wir auf jeden Fall nie wieder hin. Und 'ne schlechte Bewertung gibt's obendrein. Basta!

Pranzo im bekannten kleinen Park unter der Bahn neben dem Busbahnhof. Es ist hier sehr lauschig, das tröstet ein wenig über die erlittene Schmach hinweg. Und die Spremuten schmecken trotzdem super und das Essen natürlich auch. Allerdings sind unsere Themen happig… wir dringen in die ungemütlichsten Zwocken-Höhlen vor, wo die üblen Grimassen der inneren Abgründe lauern. Unschön. Anstrengend.
Ich bekomme langsam aber sicher Kopfschmerzen und möchte mach dem Essen zügig heim.

Nachdem Uli gestern Abend die Haustür tatsächlich zweimal selbstständig öffnen konnte, möchte der Schlüssel heute wieder nur von mir betätigt werden. Es ist und bleibt absolut verrückt!
Sharon ist inzwischen fertig und verschwunden. Und sie hat unser Bett frisch bezogen. Mit der Bettwäsche, die beim Zusammenlegen so dollen Weichspüler an sich hatte! Supergau. Ich wollte mich doch hinlegen… maul, mecker, quengel… was ja bekanntlich nie hilft, also Lösungen finden! Unsere Bettwäsche hängt fein säuberlich auf dem Wäscheständer und duftet neutral. Uli beschließt, diese sofort auf der Terrazza großflächig über die Balkongitter zu drapieren. In der restlichen Nachmittagssonne trocket sie schnell und riecht herrlich luftig.
Ihre nicht so gut riechenden Kollegen ziehe ich währenddessen gleich wieder ab und verfüge sie direkt in die lavatrice, wo sie bei 60 °C hoffentlich duftärmer werden. Es klappt leider nicht ganz, aber das Bett ist erstmal mit neutralem Duft rundum nutzbar und nächste Woche sehen wir dann weiter.

Schlafen ist irgendwie nicht mehr, dann eben Cappuccino und blog. Und rauchen. Und die Italienisch-Lektionen nicht vernachlässigen!! Zwischendurch noch ein paar Nachrichten beantworten und versenden, die überfällige Ananas schlachten, ein ruhiges Abendbrot mit den Resten des Einkaufs verzehren, Schokolade aus den großen Ostereiern naschen, lesen (Uli ist durch mit Garp und suchtet gleich den nächsten Irving) und endlich eine neue Serie starten.

Heute Abend werde ich nicht alt... so sende ich ein fröhliches buona pasqua in die werte Leserrunde und wünsche allseits eine ruhige, erholsame Nacht!

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