Im Haus und auf der Straße ist es ganz still, als ich um kurz nach acht erwache. Genüsslich wälze ich mich auf meiner Matratze herum, bis Uli erscheint, mich liebevoll begrüßt und mir einen frischen Tee bringt. Herrlich! Ob er mich zum Frühstück ausführen darf? Sehr gerne doch - aber erstmal muss ich mein Blog auf den neusten Stand bringen. Das Schreiben dauert eine ganze Weile, währenddessen duscht mein Schatz in aller Seelenruhe. Wie gut es tut, sich einfach treiben zu lassen...
Gegen elf bin ich fertig, wasche mich und schlüpfe in ein leichtes Shirt und Shorts. Dazu noch Sandalen und Sonnenbrille, und mehr braucht es nicht. Routen-Uschi manövriert uns zu einem Lokal mit dem anregenden Namen The Clean Plate.
Wir finden direkt davor einen Parkplatz und treten ein. Modern und freundlich - angenehm. Auch sehr schön ist die übersichtliche Speisekarte. Nicht so ein Riesenmonster, wie es manch andere Gaststätte bereit hält.
Schnell haben wir unsere Wahl getroffen und harren der Dinge (Speisen), die da kommen sollen. Die Getränke werden sofort gebracht: für Uli Kaffee und heißes Wasser für mich, meine Teebeutel habe ich dabei. Wir warten ein Weilchen auf das Essen, und ich schreibe schon mal ein paar Postkarten sowie eine Antwort auf Beatrix' letzten Kommentar.
Dann bringt man unsere Teller, ich habe wieder mal die Sorge, von der Portion nicht satt zu werden... Unnötig, wie sich heraustellt.
Alles schmeckt sehr gut und sättigt ausreichend. Der Name des Lokals ist Programm: unsere Teller sind wie leergeputzt. Wir verabschieden uns und treten hinaus in die brütende Mittagshitze.
Auf der andere Straßenseite ist gerade Flohmarkt. Dort bummeln wir ein bisschen herum, finden aber nichts, was uns zum Kauf animieren würde. Interessant finde ich die vielen Food Trucks, eine hübsche Sitte, die uns bereits in Kalifornien begegnete. Uli möchte ein Eis, es gibt aber nur Frozen Yoghurt - damit kann man ihn nicht reizen.
Hier herrscht ein Getümmel... der blanke Wahnsinn. Dazu eine Lautstärke wie auf dem Rummelplatz.
Meine Nerven werden schnell dünn. Uli bekommt das gewünschte Eis: in einem Laden mit belgischen Schokoladenspezialitäten wird Softeis angeboten, Portion 6 Dollar. Vielleicht enthält es ja Goldsplitter? Lecker ist es, sagt mein Mann. Das freut mich, und dann ist der Preis auch egal.
Wir wandern weiter und hören plötzlich ein Baby lauthals weinen: in einem Schmuckgeschäft halten mehrere Erwachsene den Säugling fest, während die Bedienung ihm Ohrlöcher sticht. Ich bin entsetzt und möchte spontan losheulen. Was sind manche Menschen nur für Scheusale! Die Lust am Shoppen ist uns gründlich vergangen, und wir verlassen so schnell wie möglich den Konsum-Tempel. Noch lange schüttelt es mich in Gedanken an das gequälte Baby.
Auf dem Weg nach Hause halten wir bei Whole Foods an und suchen nach einem Brot ohne Zucker. Interessant ist, dass auch in diesem sackteuren Bio-Supermarkt alle Brote gezuckert sind. Nach längerer Recherche finden wir eins, das "nur" 1 Gramm pro Scheibe enthält. Einen Liter Kokoswasser möchte ich auch noch haben, und ein paar von den superleckeren Pflaumen. Dann geht's zum Bezahlen - und, schwupps, 20 Dollar verschwinden in der Kassenschublade. Immer wieder erstaunlich!
Zu Hause fällt uns ein, dass wir keine Servietten mehr haben. Also steigen wir erneut in unser treues Gefährt und besuchen einen K Mart, ein riesiger Hardware Store, der mir aus Kalifornien in guter Erinnerung geblieben ist. Nebenan entdecken wir einen TJMaxx; da müssen wir natürlich auch sofort rein.
Uli kauft sich eine kurze Hose, während ich in der Herren-Abteilung nach chicen T-Shirts für die Lumpis stöbere. Zufällig entdecke ich auch noch Levis-Jeans, genau das Modell, das Uli am liebsten trägt. Davon muss auch eine mit, denn der Preis ist unschlagbar günstig. Zufrieden klettern wir wieder ins Auto, als sich Hunger meldet. Große Lust auf ein Sandwich habe ich und schlage vor, das italienische Bistro aufzusuchen, in welches P uns geführt hatte.
Nach einer kurzen Fahrt mit kleinen Umwegen finden wir das Lokal, aber es hat geschlossen. Wir stiefeln die gesamte Straße rauf und runter, fragen in einigen Läden nach, aber Sandwiches gibt es nirgendwo. Enttäuscht beschließen wir, uns Zuhause selber Sandwiches zu bereiten. Gesagt, getan. Flugs sind wir daheim und toasten das frische Brot, dazu koche ich ein paar Eier, schneide noch zwei Tomaten auf und decke den Tisch. Wir essen gemütlich zu Abend und bereuen nicht, nicht noch weiter gesucht zu haben.
Nach dem Essen baut Uli eine von Susan's Behandlungsliegen auf und massiert mir den verspannten Nacken - herrlich! Ich genieße diese Behandlung sehr. Nach einer Weile tauschen wir die Plätze, und Uli's Rücken ist dran. Ernsthaft überlegen wir, ob es nicht eine gute Idee wäre, so eine Liege für Zuhause anzuschaffen... Mal schauen, wo man so etwas bekommen kann.
Und nun ist es gleich zwölf, ich bin müde und werde mich bald zur Ruhe begeben.
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