Lange konnte ich nicht einschlafen und musste über Tom nachdenken. Die Angst, er könne in eine Szene abrutschen, die schädlich für ihn ist, schnürte mein Herz ab und tat mir so weh! Zuviele Jugendliche habe ich schon kennen gelernt, deren Schicksal besiegelt war, weil sie sich mit den falschen Freunden abgaben und schließlich so verstrickt waren, dass sie nicht mehr umkehren konnten. Meine Bitte an das Universum lautete in der letzten Nacht: Lass nicht zu, dass meinen Söhnen etwas zustößt.
Ziemlich gerädert wache ich um kurz nach sieben auf. Mein Schatz liegt nicht mehr neben mir. Aufstehen möchte ich noch nicht, so wälze ich mich von einer Seite auf die andere und versuche, noch ein wenig zu entspannen, bevor der Tag endgültig beginnt. Viertel nach acht erscheint mein Liebster. Er begrüßt mich herzlich und berichtet, dass er mit Tom Kontakt via WhatsApp hatte. Tom ärgert sich massiv über den Vorfall, zumal er eigentlich nicht mit den Leuten los wollte, sich aber überreden ließ. Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Immerhin sieht er ein, dass die Aktion völlig blöd war, das beruhigt mich. Im Licht des Morgen betrachtet erscheint die Zukunft ein wenig heller... wir werden auch diese Klippe umschiffen.
Nun möchte ich einen Tee und klettere die Treppe hinab. L sitzt auch schon in der Küche, P und B kommen hinzu, und wir beginnen damit, ein umfangreiches Frühstück vorzubereiten. Da die Beiden gestern noch einkaufen waren, sind alle Teller bestens gefüllt. Gestern hatte die beunruhigende Nachricht mir ja gründlich den Appetit verdorben, daher bin ich nun umso hungriger.
Nach dem Essen räumen wir fix zusammen auf und packen unsere Sachen für den Angelsee: L möchte gerne nochmal sein Glück versuchen. Es ist bewölkt und frisch, also muss heute etwas wärmere Kleidung eingeplant werden. Wir sind alle fertig und warten auf B, die noch eine Weile im Bad verbringt. Der Kurs beginnt um elf, viertel vor brechen wir auf. Zum Glück ist kaum Verkehr, so dass die Beiden pünktlich ankommen. Ein fröhlicher Abschied, und schon sind wir wieder auf dem Weg zum Pulaski State Park. Routen-Uschi ist arbeitslos, denn ich erinnere die Strecke und fahre sie fehlerfrei. Ein Cappuccino auf halbem Weg muss sein. Dieses Mal nörgelt L nicht, wahrscheinlich hat er sich meine Worte von gestern gemerkt.
Trotz des durchwachsenen Wetters ist der Park gut besucht. L erblickt andere Angler auf "seiner" Brücke und ist empört! Mich stören die Angler weniger, aber eine Frau mit zwei dauerkläffenden Hunden plus Dudelradio strapaziert meine Nerven. Ihr Mann zieht einen enormen Fisch aus dem See und präsentiert diesen stolz. Nachdem er genug gewürdigt wurde, setzt er ihn zurück. Das gefällt mir gut. Nun sind Uli und L hoch motiviert! So einen Brocken wollen sie auch angeln. Allerdings muss Uli bald in den See steigen, denn der Haken hängt irgendwo fest. Wie günstig, dass wir Badezeug dabei haben, auch wenn es niemanden wirklich gelüstet, ins Wasser zu gehen. Die Beiden geben alles, aber heute wollen die Fische offenbar keine Piercings.
L muss einen seiner Köder opfern, weil der Haken in einer Mauer hängen bleibt, welche nicht zu erreichen ist. Also greift Uli zur Schere, damit wenigstens die Angel befreit ist. Das freut L gar nicht!
Ich sitze im Campingstuhl und lese, es ist reichlich kühl...hätte ich doch nur auf meinen Instinkt gehört und eine Jacke mitgebracht. So bleibt mir nur, mich ins Handtuch zu wickeln. Über jeden Sonnenstrahl bin ich froh.
L's Laune ist getrübt, weil so gar nichts beißen möchte.
Gegen drei ist es dann genug und packen zusammen. Hunger haben wir auch, also suchen wir einen Platz zum Essen und finden ein Restaurant am Straßenrand, welches alle Wünsche erfüllt: Uli möchte Hamburger und L Nudeln mit Tomatensauce.
Die Bestellung ist schnell aufgegeben und wird auch zügig gebracht, allerdings ist mein Burger nicht nur well done sondern verbrannt.
Das mag ich nicht und erbitte einen neuen Burger. Und dann darf ich warten...
Uli und L sind bereits fertig, als endlich mein Essen serviert wird. Die nächste Reklamation: der Bacon fehlt. Man bringt mir einen Teller mit zwei Streifen Bacon, welcher so fett ist, dass ich ihn lieber L überlasse. Der stürzt sich gierig darauf. Mein Burger schmeckt okay, aber am letzten Bissen verschlucke ich mich so heftig, dass ich einen Moment lang fürchte, ich müsse ersticken. Grässlich!
Die Rechnung wird gebracht und ist enorm hoch - kein Wunder, denn man hat uns ein Gericht zusätzlich berechnet. Die dritte Reklamation. Entsprechend niedrig fällt das Trinkgeld aus.
Dennoch bleiben wir guter Dinge und fahren - Beatles-Songs singend - nach Pawtucket zurück. Drei Stops legen wir ein: bei Dunkin Donuts für Drinks, bei Walgreen's, um vergeblich nach einem Sweater für Uli zu suchen und bei Stop and Shop wegen der Skittles, die Tom sich gewünscht hat. Dann hören wir noch zwei Genesis-Stücke und sind pünktlich um sechs am Artiste Village. Bald erscheinen P und B, sie sind erschöpft von dem langen Nachmittag bei schlechter Belüftung.
Wir lachen fröhlich zusammen, während ich uns in die Doyle Ave kutschiere. Dort beginne ich ganz gemächlich mit ersten Vorbereitungen für die bevorstehende Heimreise. Nur noch drei Tage...
Abendessenzeit. L duscht, B schläft, also bereiten P, Uli und ich den Tisch vor und warten, bis alle beisammen sind. Über das Brot kann man heute streiten: das eine - Olga, benannt nach der Bäckerei, die dieses herstellt - ist altbacken und hart, das andere enthält Oliven - mit Marmelade nur bedingt lecker. Wir lachen darüber, lassen nebenbei den Tag Revue passieren und diskutieren, ob die amerikanische Freundlichkeit besser ist, als die deutsche Reserviertheit. Das Ergebnis bleibt offen, beides hat Vor- und Nachteile.
L geht ins Bett, P und B auf ihre Abendrunde, und mein Schatz und ich ziehen uns zurück. Gerne möchten wir einen lustigen Film gucken, wissen aber noch nicht genau, welchen...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen