Meine Nacht war mehrfach unterbrochen - warum, weiß ich gar nicht so genau... miese Träume? Die lärmende Müllabfuhr? Angst vor dem bevorstehenden Geburtstag? Keine Ahnung. Aber ich schlafe dafür bis kurz vor zehn und erwache gut ausgeruht. Es regnet heftig, so dass ich froh darüber bin, gestern noch mal am Strand gewesen zu sein. Mein Liebster betritt das Zimmer mit einem strahlenden Lächeln und begrüßt mich herzlich. Ob ich Tee möchte? Aber zu gerne doch!
Heute bin ich also tatsächlich 50 Jahre alt. Unglaublich.
Ein Blick in mein eMail-Postfach erfreut mein Herz, weil ich entzückende Nachrichten vorfinde. Besonders Ulrich's Worte berühren mich so stark, dass ich spontan weinen muss. Es ist einfach herrlich, von so lieben Menschen umgeben zu sein. Tiefe Dankbarkeit empfinde ich und bin froh über den wunderbaren Zuspruch. Nur einen bitteren Stich spüre ich: kein Wort von Sina! Warum ich immer noch auf Zuwendung von ihr hoffe. So langsam müsste ich doch begriffen haben, dass sie nur um sich selbst kreist und keinerlei soziale Kompetenzen aufweist. Traurig, aber nur zu wahr!
Im Wohnzimmer steht ein Tisch für mich bereit, liebevoll geschmückt.
Eine Weile brauche ich, bis ich mit dem Auspacken der Geschenke beginnen kann. Meine alte Geburtstagsfurcht befällt mich immer wieder: es bereitet mir Schwierigkeiten, vor den neugierigen Augen anderer deren Gaben entgegen zu nehmen und zu öffnen. Irgendwie habe ich Angst, mich nicht ausreichend freuen zu können und damit mein Gegenüber dann vor den Kopf zu stoßen. Zum Glück weiß Uli um diese Problematik, und so fällt es mir nicht mehr so schwer, mit meinem Geburtstagstisch umzugehen. Mein Schatz hat sich wieder sehr viel Mühe gegeben, mich mit tollen Geschenken zu überraschen, ich freue mich sehr über seine fantasievollen und persönlichen Gaben. Von P und B erhalte ich den Rucksack, welchen B mir vor zwei Wochen in der mall aus der Hand riss... welch Zufall ;).
Da ich heute bestimmen darf, was wir unternehmen, äußere ich den Wunsch, zum Frühstück einen Diner aufzusuchen, den wir gestern im Vorbeifahren gesehen hatten. Es ist schon fast zwölf, als wir uns im strömenden Regen auf den Weg machen, und der Hunger ist inzwischen beißend. L mault herum, nichts passt ihm - leidet er unter Schlafmangel? Meist ist er ja als erster wach, oft schon vor sechs, auch wenn er erst abends um zehn schlafen ging.
Im Diner herrscht reger Betrieb, aber es findet sich ein Tisch für uns fünf. Wir bestellen Omelettes, Hamburger, Leber mit Zwiebeln und Pommes sowie Hackbraten und Bohnen. Alles schmeckt bestens und sättigt ausreichend.
P möchte danach Kaffee und lädt in eine vegane Bäckerei ein, wo L den nächsten Anfall schlechter Laune bekommt, weil er sich nicht den Kuchen aussuchen darf, den er haben will. Eigentlich bin ich pappsatt, kann aber einem Cappuccino mit Mandelmilch und einem Peanutbutter-Brownie nicht widerstehen. Beides ist köstlich, allerdings nach dem üppigen Frühstück nicht zu schaffen.
Mein nächster Wunsch ist ein Besuch des Culinary Art Museums. Routen-Uschi führt uns durch die verregnete Stadt in eine sehr industriell anmutende Gegend am Hafen. Ein bisschen irren wir herum und fragen mehrere Leute, bis wir schließlich den Eingang zum Museum entdecken.
Gleich zu Beginn der Ausstellung erfahren wir, dass der Diner, in dem wir eben zum Frühstück waren, der allererste Diner in den USA überhaupt war! Zufälle gibt's... schon verrückt. Fasziniert betrachten wir die tollen Exponate, von denen man viele anfassen darf.
Hier dreht sich alles um Essen und die Kultur desselben. Mit spürbarer Liebe zum Detail und jeder Menge spannenden Background-Informationen wurde hier eine großartige Ausstellung geschaffen, die uns mehrere Stunden fesselt. Bis geschlossen wird wandern wir dort herum und vergnügen uns auf das Beste. Sogar der bis hierhin ziemlich gnatzige L hat seinen Spaß.
Erschöpft gehen wir zurück zum Auto und beschließen, noch kurz einzukaufen und dann nach Hause zu fahren. Bei Whole Foods besorgen wir Brot, Waschmittel, Käse, Kokoswasser und Mais, und dann nichts wie ab in die Doyle Ave. Mir geht L's Dauergenörgel gegen den Strich, ich muss mich für ein Stündchen zurückziehen und beantworte die vielen lieben eMails. Danach beginne ich, den heutigen Blogeintrag zu verfassen und packe weiter Sachen zusammen, damit ich morgen nicht in Stress gerate.
Gegen halb neun gibt es Abendessen: B hat einen Salat vorbereitet, dazu gibt es Brot. L dreht noch mal so richtig auf - etwas, das ich nicht vermissen werde, wenn wir wieder daheim sind. Nach dem Essen ist Schlafenszeit für L, Uli und ich räumen die Küche auf, und P und B starten eine Spaziergangrunde durch die inzwischen trockene Nacht.
Morgen ist das Abenteuer vorüber - schade! :(

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