Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Montag, 21. April 2025

ancora un giorno non stressato * ottavo giorno

Nach einer etwas unruhigen Nacht - mir war zu warm, aber ich hatte Angst vor eventuell vorhandenen Moskitos, daher wollte ich mich nicht abdecken - beginnt der Tag für mich um kurz nach 9. Uli sonnt sich auf dem Morgenbalkon, von dem er einen grandiosen Überblick rund um die Via Coppola genießen kann. Da hier reger Verkehr herrscht, gibt es ständig etwas zu bestaunen. Zum Beispiel die Tatsache, wie wild die Straße zugeparkt ist - trotz absolutem Halteverbot. Das interessiert die Einwohner scheinbar überhaupt nicht; vielmehr parken sie hier gerne in zweiter (oder auch mal dritter) Reihe und so müssen sich alle möglichen Fahrzeuge hupend durch die drastischen Verengungen der ohnehin schon zierlichen Straße quetschen. Lustig wird’s, wenn Laster durch wollen…

 

Nach einer erfrischenden Dusche (das Wasser sprang erneut mitten im schönsten Einseifen überraschend auf eisig) nehme ich meine täglichen Italienisch-Lektionen in Angriff, um schön im flow zu bleiben. Währenddessen liest und liest und liest Uli wie berauscht „Hotel New Hampshire“ - er wird bald ohne Lektüre dastehen, wenn das so weiter geht…
Inzwischen trübt sich der Himmel ein, sodass wir gegen halb 11 lieber mal aufbrechen. Schon im Innenhof zucke ein wenig zusammen, huh, frisch… der Wind hat wieder zugenommen und die Temperaturen sind dadurch wahrlich nicht gestiegen. Wir wollen zu Comis, weil man da jetzt auf jeden Fall auch Sonnenplätze findet und ich meine glutenfreie Brioche bekomme.

Die Sitzplatz-Anwärter stehen allerdings Schlange, der eh schon etwas gnatzige Oberkellner hat alle Hände voll zu tun, die eindringenden Massen zu bändigen. Vor allem Touristen möchten nicht warten und quetschen sich schonmal eifrig auf die proppevolle Terrazza, um lieber selbst nach einem Plätzchen zu suchen. Ich schäme mich ein bisschen für die hier zu beobachtende, höchst unattraktiv wirkende (und womöglich typisch deutsche ??) Eigenschaft, bockig-aufgeregt auf den eigenen Vorteil zu pochen. Es sind gleich mehrere junge Pärchen, die nicht warten können oder wollen und peinliche Szenen verursachen.
Wir nehmen artig den uns zugewiesenen Tisch im Vollschatten; in meinem Flatterhöschen und den nackten Füßen (mein neuer Nagellack muss schließlich ausgeführt werden!) fühle ich mich nur mäßig wohl, aber für die kurze Zeit wird’s schon gehen. Heute darf es mal etwas anderes für Uli sein: eine mit Pistaziencreme gefüllte Brioche zum Cappuccino, während ich das gleiche wie gestern nehme: Granita, heute Pistacchio und Mandorla.
Lange müssen wir nicht warten:


Beim Frühstückseisessen wird mir wieder warm; es ist einfach so unglaublich köstlich - und dazu super spannend, hier dem geschäftigen Treiben zuzusehen. Unser Nachbartisch ärgert sich: das Essen braucht zu lange! Sie sind scheinbar in Eile (oder frieren? immerhin haben sie wesentlich weniger an als ich).
Viel schöner ist die Betrachtung einer großen italienischen Familie, die höflich, fröhlich und ruhig ihre Bestellung aufgibt, sich dann gemütlich unterhält und voller Freude die Gebäckstücke und Eiswaffeln entgegen nimmt. Es gibt weder unzufriedene Gesichter noch gelangweiltes Handy-Geglotze, sondern ein respektvolles Miteinander zwischen Erwachsenen und Kindern. Sie sehen alle so gut aus, so geschmackvoll gekleidet; aber vor allem fasziniert mich die friedliche Stimmung an ihrem Tisch - und hinter mir nörgelt immer noch die junge Deutsche ihren Typen voll „wie lange warten wir jetzt eigentlich schon!? die ham uns bestimmt vergessen!“. Zum Glück findet sie Zerstreuung in ihrem iPhone und zockt ein bisschen Candy Crush oder so. Vielleicht lässt man sie ja auch mit Absicht warten, denn als wir schon lange fertig sind und gemütlich aufbrechen, vertröstet man sie immer noch mit „un momento“…

Uns treibt es auf kürzestem Weg zu decò, wir hoffen sehr, dass sie heute wenigstens vormittags geöffnet haben. Nur, dass der kürzeste Weg durch eine wirklich üble Gegend führt. Kein Problem, denken wir noch, als wir uns an sich stetig mehrendem, stinkendem Unrat aller Art vorbeidrücken, aber als der Geruch immer stechender wird und immer mehr Personen auftauchen, die alle überhaupt gar nicht so aussehen, wie die üblichen Catania-Bewohner, machen wir doch lieber auf dem Absatz kehrt - obwohl wir den belebten Corso Sicilia schon fast sehen können. Vorbei an einem urinierenden Mann stolpern wir aus dieser Gasse hinaus und zurück in die Zivilisation. Dass so ein Viertel mitten in der Stadt überhaupt existieren kann!?! Felix berichtete mal, dass sich auch die Polizei dort lieber fernhält. Eine Querstraße weiter sieht es schon wieder viel sicherer aus, hier stehen nur zwei Prostituierte, die aber desinteressiert weggucken. Ich auch. Lieber konzentriere ich mich auf den schönen Ätna am Horizont.

Und dann stehen wir stehen staunend vor diesem Zaun. Vorratskammer? Opfergabe? Man weiß es nicht!

 
 
Dahinter eine ziemlich große Baugrube, in der sich mehrere Menschen wohnlich niedergelassen haben. Krass, diese starken Gegensätze, so dicht zusammen. Eben noch Schickimicki-Café-Problemchen und zwei Ecken weiter geht’s um’s nackte Überleben!

Wir eilen zu decò - hurra, geöffnet. Nichts wie hinein! Routiniert befüllen wir das Einkaufswägelchen aus dickem Kunststoff - viel angenehmer, als die Metall-Schlachtschiffe bei uns. Heute bleiben wir zuhause und essen einen schönen Salat. Uns ist nach Ruhe, nach Liegen und Verdauen; nicht nur die vielen Arancini, nein, es sind die Unmengen von neuen Eindrücken und die daraus resultierenden Empfindungen, die schwer im Kopf herumturnen.

So doll denke ich an meine liebste Boni - sonnenklar, dass unbedingt dieses Foto entstehen muss:

❤️❤️❤️

 

Den Nachmittag vertrödeln wir auf’s Trefflichste mit Lesen und Spielen und einem ausgiebigen Schläfchen. Der sizilianische Wetterbericht kündigt ein Gewitter an und der Himmel ist fast grau; uns ist eher kühl - da ist das Bett doch wirklich der beste Ort! Beim Erwachen knurren sofort unsere Mägen überdeutlich und wir bereiten gemeinsam ein leckeres Abendessen zu, das wir anschließend in friedlicher Ruhe verzehren.


Das blog ist nun dran, danach noch etwas Italienisch und unbedingt weiter die lustige Serie gucken.
Ich bin müde und froh, dass wir auch morgen nichts müssen, aber alles können dürfen.

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