Voller Begeisterung springe ich aus dem Bett, denn die wenigen Lichtstrahlen, die ins Zimmer dringen, verheißen Sonne pur. Und genau so ist es auch: beim Öffnen der Schotten hüpft mein Herz vor Freude über den herrlichen Himmel und den köstlichen Duft von draußen. Es geht doch nichts über frisch gebackenes Brot!
Uli ist auch schon sehr munter und hat seinen Morgenplatz auf dem Sonnenbalkon belegt. Mein Tee ist fertig, die aufgelaufenen Nachrichten schnell beantwortet und schon sind wir startklar.
Erstmal einen Cappuccino (und heute eine herzhaft gefüllte Teigtasche) bei drink coffee und dann möchte Uli nach Schuhen auf dem mercato schauen. Er hat eine ganz bestimmte Vorstellung und auch schon einen Stand ausgeguckt.
Auf dem Weg dorthin machen wir selbstredend einen Mini-Schlenker zum fruttivendolo - ich habe ihn schmerzlich vermisst an den beiden marktlosen Tagen… In den ohnehin schon vollen Becher füllt er mir heute wieder frischen Orangensaft; ich bin sehr glücklich, sono molto felice. Er strahlt, ich strahle, das Leben ist schön!Vor der Basilika ist wirklich der beste Platz. Voller Wonne vernasche ich das reife saftstrotzende Obst und kann förmlich spüren, wie mein Körper die Vitamine aufsaugt. Uli filmt und fotografiert derweil - gut für’s blog.
Wir sind schon alte Markt-Hasen, kennen unsere Wege und erwerben quasi im Vorbeigehen Feuerzeuggas, eine Mehrfachsteckdose, Sprühöl (für die jämmerlich quietschenden Türen) und sieben kleine vollreife Avocados.
Sehr fürsorglich spricht mich ein Standbetreiber an, er hat meinen leeren Becher bemerkt und zeigt mir, dass ich ihn auf einen Müllhaufen werfen kann - wie aufmerksam!
Am Schuhstand fällt die Auswahl schon deshalb leicht, weil Größe 42 nur sehr sparsam vertreten ist - die sizilianischen Männer haben eben kleinere Füße, hier scheint 38 / 39 die Norm zu sein.
Der junge Verkäufer gibt Alles und im Nu hat Uli neue Geox-Schuhe. Klasse! Jetzt aber erstmal heim, damit wir das Zeug nicht rumschleppen müssen.
Die neuen Schuhe werden in der Wohnung gründlich ausprobiert und für molto comodo, sehr bequem befunden. Perfetto. Das hat ja schonmal geklappt.
Nun möchte Uli den nächsten Erfolg, holt die Leiter von der Terrazza und ölt alle Türscharniere, bis sie schweigen. Das ist wirklich grandios, denn vor allem in den ruhigen Stunden war das Quietschen mark- und beindurchdringend… aber jetzt ist Schluss damit! Hah, weiter so.
Eine der Avocados hat bereits Dellen, die schneide ich vorsorglich auf - dann kann ich mir auch gleich ein Toast damit belegen. Über die Hälfte nutzbar, perfekt weich und absolut lecker. Am Baum gereift? Vermutlich. Auf jeden Fall ein Super-Lunch, danach kann ich nämlich von Versuchungen am Wegesrand unbehelligt die nächsten Pläne verfolgen (erstmal…): im Park Villa Bellini dürfte es jetzt fantastisch sein und ich will dort endlich ein paar Katzen beglücken / mit den Postkarten sollte ich langsam mal anfangen / bei meiner braunen Sonnenbrille ist eine Schraube verloren gegangen, ein Bügel liegt daneben / tolle Tischsets hatten wir in dem Laden mit den Tassen gesehen, die super in die Palazzoküche passen würden / Rauchzeugs soll’s auch sein, in dem Laden von neulich, wo die nette junge Frau arbeitet. Und eine Trinacria suche ich auch noch. Und das Wasser ist alle.
Viele Pläne, also los! Kurz noch umziehen, vorhin war’s doch zu warm, aber jetzt haben wir es genau richtig gemacht.
Die Reihenfolge ist klar: alles, was mit Geschäften zu tun hat, geht frühestens ab 16 Uhr - es herrscht fast überall Mittagsruhe. Also zum Park. Ein wahres Kleinod mitten in der Stadt. Immer gut besucht und auch von Einheimischen gerne zum Pausieren genutzt.
Die vielen Bänke laden dazu ein, sich zu entspannen, und wenn nur für 10 Minuten. Im Moment will ich aber nicht entspannt sitzen, sondern jede Menge Katzen anlocken. Sie wohnen in den dichten Hecken, soviel hatten wir schon herausgefunden. Das Knistern mit der Tüte hilft: die ersten dürren Tierchen kommen vorsichtig aber begehrlich miezend herbeigeeilt. Ein paar besser genährte Exemplare stecken mal kurz ihre Nasen aus der Hecke, sind dann aber doch nicht interessiert. Ach so, da gibt es wohl Besseres…. Man sieht den Tieren deutlich an, dass sie um ihr Überleben kämpfen müssen, einige haben sogar wunde Stellen, alle sehen insgesamt struppig und kläglich aus. Da macht das Füttern noch mehr Freude.Der übersichtliche Park lädt zum Umrunden ein. Wir sehen beeindruckende Gewächse wie dieses Exemplar, um welches herum entspannte Menschen lagern und auf dem die Kindern fröhlich spielen. Man möchte dort auch einfach hineinklettern, so üppig-stabil kommt er daher.
Wir wollen eine Weile sitzen, es ist zu und zu schön. Die Stadtgeräusche toben zwar immer noch, aber hier verwischen sie sich mit Rauschen der Blätter und dem Lachen der spielenden Menschen. Ein echtes Paradies. Jede Stadt sollte so einen Park haben. Was uns auffällt: es gibt gar keine Verbotsschilder. Man darf einfach überall sitzen, gehen, stehen, essen, trinken, rauchen, liegen - einfach leben. Ja, hier können die Menschen das - ganz einfach!
Als wir erneut an der Katzenhecke vorbeikommen, sehen wir einen Mann mehrere kleine Tabletts abwaschen. Die gut genährten Tiere von vorhin sitzen um ihn herum; offensichtlich fand da gerade eine Fütterung statt. Wahrscheinlich wussten die schlauen Katzen das schon und nur deswegen durften die Schwachen und Räudigen unsere Leckerli für sich haben.Jetzt möchten wir einen Cappuccino bei Artemisia, da kennt man uns ja inzwischen und niemand zuckt bei der Bestellung zusammen. Uli greift vorher bei Savia einen kleinen Arancinu ab, den er im gemütlichen Gehen zum Café zügig vertilgt. So ein genialer Snack, ich kann mich nur wiederholen….
Meine Bestellung klappt so gut, dass ich vom nächsten Kellner ein Lob erhalte - ich glaub’, ich bin etwas rot geworden, so doll hab’ ich mich gefreut. Er spricht jetzt nur noch Italienisch mit mir, schön deutlich und langsam. Mi piace!
Die Cappuccini grandi munden überaus gut und der Schokokuchen ist auch wieder eine Offenbarung. Hier kann man es sich gut gehen lassen - was wir auch immer wieder tun werden. Und dann taucht auch noch der supernette andere Kellner auf, wirft uns ein fast freundschaftliches Ciao zu und lobt beim Bezahlen mein Italienisch vor den anderen. Jetzt bin ich wirklich rot geworden!!
Kurz vor vier verlassen wir hochzufrieden das Café und schlendern die Via Umberto entlang, hier gibt es nämlich einen Optiker. Der kleine Laden hat auch um fünf nach vier noch geschlossen; wir sind nicht die einzigen Wartenden. Als schließlich zwei lächelnde Herren erscheinen und die Tür aufschließen gibt es kein Gemurre, sondern nur entspannte Freundlichkeit.
Meinen bereitgelegten Satz: „ich benötige Hilfe, bin aber nur eine Anfängerin in Italienisch“ kann ich fehlerfrei aufsagen und sofort werde ich äußerst zuvorkommend und voller Verständnis bedient. Meine Brille ist wieder wie neu. Quanto costa? Niente.
Sensationell. Heute jagt ein magischer Moment den anderen!
Quer durch die Innenstadt marschieren wir jetzt Richtung Tabacco-Chiosco. Meine Sandalen scheuern an den nackten Füßen, nicht doll, aber nachhaltig. Zum Glück habe ich Pflaster dabei und kann die Stellen so versorgen, dass der weitere Weg keine Zumutung ist.
Kurz kehren wir noch in einem Souvenir-Shop am Duomo ein, wo ich einen Stapel Postkarten und einen Trinacria-Anstecker finde.
Im Chiosco herrscht reger Andrang, in dem Trubel ist Uli plötzlich überfordert und verlässt den Laden zwar mit Tabak, aber ohne Papier und Filter - macht gar nichts, gehen wir eben morgen wieder her.
Wir schwenken spontan von der Hauptstraße ab in eine pittoreske Gegend mit einem imposanten Trutzbau und einer weiteren hungrigen Katze, die scheu aber beharrlich nach den Happen giert.
Eine schnelle Spremuta nehme ich am nächsten Chiosco mit (der günstige Preis lockte mich an, nur 3,50 €), aber ich glaube, es war kein reiner Granatapfelsaft, sondern ein Gemisch mit Orange, trotzdem lecker, gesund und befriedigend.Jetzt pesce fritte, frittierten Fisch? Ja, teilen wir uns eine Portion. In der Sonne auf den Stufen vor dem Duomo sitzen diverse Menschen; für uns findet sich dort auch ein Plätzchen und wir verspeisen die knusprig gebackenen, mit frischer Zitrone beträufelten Fischstücke. Eine hübsche Katze liegt hinter dem Zaun und sonnt sich, reagiert aber sehr interessiert, als ich die Tüte hervor zaubere. Erst angelt sie sich diverse Leckerli, dann bekommt sie die Garnelenschwänze und schließlich ganze Fischbrocken. Sie haut richtig rein. Als wir die Panadereste einer Taube hinkippen, sitzt sie zwar wie hypnotisiert davor, ist aber offensichtlich zu satt, um einen Angriffssprung zu wagen.Der Himmel wird zunehmend wolkig, die Sonne verschwindet, es wird jetzt frisch und wir visieren unsere letzen Ziele an: den tollen Haushaltswarenladen Mertoli und den Kiosk an der Ecke Via Coppola, schon fast Zuhause.
Bei Mertoli sitzt wieder dieser unglaublich nette Herr an der Kasse und freut sich sichtlich über unseren erneuten Einkauf. Hier findet Uli auch einen Salzstreuer, den wir kürzlich bei den gekochten Eiern vermissten. Nur noch Wasser und Cola und nichts wie heim; dieses Mal nehmen wir ausnahmsweise den Fahrstuhl in den zweiten Stock - wir sind fuß- und lendenlahm.
Ächz, raus aus den Klamotten und erstmal Füße waschen; die Sohlen sind schwarz von der allgegenwärtigen Asche.
Ich sortiere die Fotos vom Tag vor und fange an, mit den ersten Formulierungen im Kopf zu jonglieren, damit es beim Schreiben gleich nicht so holpert. Danach geht’s auf die Couch - meine müden Beine sehnen sich danach, endlich hochgelegt zu werden.
Und dann ist er auch schon rum, dieser herrliche Tag voller Sonne und beeindruckender Erlebnisse!
Und morgen ist ein neuer Tag - wie wundervoll ist das denn?!







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