Erst nach 10 Uhr schaffe ich es aus dem Bett und fühle mich leicht gebeutelt, da sich an meiner Unterlippe eine Pestbeule gebildet hat, rot und brennend und gar nicht angenehm. Die wird gründlich ignoriert und lieber schnell in den Tag gestartet mit duolingo-Sprach-Lektionen. Dazu serviert Uli mir meine übliche Dosis an CDL-Wasser und Tee. Wie üblich lese ich meinen letzten blog-Eintrag und wie üblich finde ich auch sofort Fehler… obwohl ich mindestens viermal gegengelesen hatte… nun ja!
Heute wollen wir mal eine richtige Iris zum Frühstück, schließlich schwärmt Felix immer davon. Bisher hatte Uli es lediglich versucht, aber ohne wirklichen Erfolg. Die bekommt man überall, ist typisch für colazione in Catania gibt Felix uns noch mit auf den Weg. Gut, dann wird es ja kein Problem. Auf der Via Antonio di Sangiuliano Richtung Zentrum herrschen hochsommerliche Temperaturen, sodass wir lieber gleich in schattige Seitenstraßen streben wollen. Ein paar Cafés (Bars) steuern wir an und hören entweder Iris? Führen wir nicht! oder Iris? Leider keine mehr da! So entsteht doch ein kleines Problem, denn gleich ist es 12 Uhr und dann ja herrscht das beinharte Cappuccino-Gesetz! Eine freundliche Barbesitzerin deutet uns: da hinten gibt es welche. Tatsächlich werden wir fündig: noch genau eine Iris mit Schokofüllung wartet auf uns, e due Cappuccini, per piacere - grazie. Flüssig gehen die Worte inzwischen über unsere Lippen und fühlen sich vertraut und lieblich an.
Mein fruttivendolo strahlt über’s ganze Gesicht und befüllt sofort den von mir zielsicher gewählten Becher mit Saft, dann wählt er einen zweiten, füllt diesen auch und reicht ihn Uli, während er erklärt, wie sehr er sich freut. Bezahlen darf ich nur meinen. A domanì? No! ruft er uns hinterher, morgen ist kein Markt, morgen hat alles zu - 1. Mai. Oho, das ist gut zu wissen und erklärt das Gedränge.
Im Tabakladen steht wieder Felix' Bekannte und wir wollen nicht nur Tabak und Briefmarken kaufen, sondern ich habe auch wieder den Auftrag, ihre eine Nachricht zu überbringen - und wieder erlebe ich mich stammelnd und nach Worten ringend! Aber sie ist so niedlich und lacht mich so fröhlich an, dass ich mich nicht schlecht fühlen muss, sondern mit ihr das Vergnügen teilen kann. (Die Buschtrommel trägt übrigens auch diese Begebenheit flugs zu Felix: als wir später zurückkehren, wurde er bereits über unseren Auftritt informiert…) Sie schenkt uns ein Feuerzeug mit Sicilia-Aufdruck - als Erinnerung. Zu schön!
Am Straßenrand finden wir die lustigsten Sachen, über die wir wirklich herzlich lachen und staunen -
zum Beispiel dieses praktische Fahrzeug:
oder dieses irre Gebäude:
oder diese hübsche Werbung:
Jetzt drängt es mich wirklich, mit den Postkarten fertig zu werden; die kommen sowieso erst lange nach uns in Deutschland an, aber ich trage sie seit über einer Woche mit mir herum und möchte sie endlich abschicken.Eine schattige Bank in der Piazza dei Libri erscheint praktisch, ich breite meine Sachen um mich herum aus, Uli holt mir eine schöne Flasche Vera und ich schreibe drauflos.
Knappe drei Karten schaffe ich, dann tut mein Nacken derartig weh, dass ich zusammenräume und vorschlage, das Ganze ins Artemisia zu verlagern, da können wir Cappuccino trinken und Kuchen essen und vor allem zum Schreiben an einem Tisch sitzen. Aber erst möchte Uli noch einen Arancinu, am liebsten einen mit Sepia. Es ist auch in den Nebenstraßen um die Piazza Duomo brechend voll. Vor den Lokalen sitzen jede Menge Gäste und es duftet überall höchst verführerisch. Als wir an einem Obststand vorbeikommen, spricht mich ein etwas älterer fruttivendolo an: oh, du schöne Frau, ich wünsche dir einen guten Tag. Das hört man ja gerne!
Bei Munnu gibt es keine Arancini mit Sepia. Dann zu Savia meint Uli. Aber auf dem Weg dorthin zieht uns dieses Lokal magisch an; wir sollen es nicht bereuen! Ein unglaublich netter junger Mann berät uns zu den Auslagen, wir wählen einen mit Garnelen und einen mit Schwertfisch. Beim Bezahlen hält der junge Mann inne, schaut mir in die Augen und lobt eindringlich mein Italienisch. Sono solo una principiante, ich bin nur eine Anfängerin, gebe ich zurück, aber er behauptet, mein Akzent sei perfekt italienisch - darüber freue ich mich natürlich sehr!
So wie es sich für Touristen gehört, suchen wir uns ein Plätzchen am Elefanten und verspeisen dort voller Genuss unser hervorragendes pranzo. Mann, sind die lecker! Dahin zieht es uns bestimmt bald wieder!!
Bei Artemisia werden wir wie immer sehr freundlich bedient und sitzen eine ganze Weile vor unseren schönen großen Tassen mit würzigem Cappuccino. Auch die Kuchen sind wieder fantastisch. Tatsächlich schaffe ich es, einige Postkarten fertig zu schreiben, bei ein paar anderen fehlt es an Adressdetails, die vervollständige ich dann eben nachher. Auf dem Weg zu decò findet sich auch gleich ein Postkasten und die Fracht ist auf die Reise gebracht, klasse.
In der Eingangstür vom decò sitzt ein Bettler, der mich besonders berührt: seine freundlichen Augen bitten, er fragt sehr höflich und reagiert ohne irgendeine negative Schwingung auf unsere Absage. Die paar Sachen, die wir brauchen, sind schnell gefunden; währenddessen suche ich eine Münze, die ich dem Mann gleich geben möchte. An der Kasse stehend kommt mir ein anderer Gedanke: wenn ein 5 €-Schein übrig bleibt, gebe ich ihm den. Genau das passiert und beim Verlassen des Ladens reiche ich ihm den Fünfer. Was da in seinem Gesicht passiert, rührt mich zu Tränen! Er zeigt mir so aufrichtig seine Überraschung und tiefste Dankbarkeit mit Herzensgesten und -worten, dass ich mich reich beschenkt fühle. Überaus beglückt schwebe ich davon und darf noch eine ganze Weile von dieser Freude zehren.
Zuhause kühlen wir uns erstmal etwas runter und kümmern uns um ein paar grundsätzliche Dinge wie Wäsche und sowas. Während der Nachmittag zum Abend wird, merke ich, dass meine Lippe zunehmend gereizt ist. Das trübt das Wohlbefinden erheblich. Uli behandelt die Stelle mit CDL, ich mit Rosensalbe - und dann hoffen wir beide, dass der Spuk bald vorbei ist…
Nach Ausgehen ist mir nicht, so trabt Felix alleine los und wir machen es uns auf dem divano gemütlich. Irgendwie tun die Knochen auch ein bisschen weh, vielleicht vom Vulkanausflug, daher schadet es gar nicht, den Abend mal mit Spielen, Lesen und Schreiben zu genießen und vielleicht sogar früh schlafen zu gehen.











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