Catania at it's best

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la bella città nera

Donnerstag, 1. Mai 2025

rompere il ghiaccio in gelateria * diciottesimo giorno

Natürlich waren wir nicht zeitig im Bett, sondern haben uns noch diverse brutale Terror-Ramsch-Runden gegönnt - erst nach zwei war das Licht dann aus, aber trotzdem hüpfe ich um neun schon wieder fröhlich ins Bad. Die Sonne strahlt nur so, meine Lippe sieht besser aus - klasse! Uli ist schon länger auf und beobachtet interessiert den Verkehrsstrom in der zierlichen Via Coppola, der heute scheinbar gar nicht abreißen will…
Als wir gegen elf zu Comis stiefeln, wird der Grund auch offensichtlich: Via Sangiuliano ist abgesperrt, dort findet ein Lauf statt und alle Fahrzeuge werden umgeleitet.

In unserer Lieblingsgelateria herrscht Hochbetrieb; dennoch bekommen wir auf Anhieb ein schönes Tischchen, müssen dann jedoch eine längere Weile warten. In der Zwischenzeit winkt uns plötzlich der gnatzige Kellner ein freundliches ciao zu - und er lächelt dabei sogar! Ich bin irritiert, amüsiert und auch gerührt: soll das etwa heißen, er hat uns nun als richtige Gäste akzeptiert und nimmt uns nicht mehr nur als flüchtige Streuner wahr? Unglaublich!

Oh, wie köstlich sind die Brioches und die Cappuccini und die wahnsinnig attraktiven Granite con la panna, mit dem Sahnehäubchen. Granite werden heute rundherum verspeist, liegt es an der hohen Temperatur? Diese bewirkt eventuell auch, dass sich plötzlich ein Mann in voller Montur in den Brunnen sinken lässt. Er scheint ein bisschen darin herum zu schwimmen, denn es dauert erstaunlich lange, bis er wieder aussteigt. In aller Ruhe wechselt er dann die durchnässte Kledage und schlendert von dannen. Niemanden stört’s!

Felix ruft an: seine Nachbarin Elena und deren österreichischer Gast Helene möchten zu Mittag essen und anschließend an den Stadtstrand - ob wir mit wollen? Ja, gerne doch, eine gute Idee bei der Hitze. Um halb zwei treffen wir uns an dem hübschen kleinen Lokal Vermut; daran sind wir bereits öfter vorbeigelaufen, aber noch nie eingekehrt. Zum Glück hat Elena einen Tisch reserviert, denn der Laden ist rappelvoll. So sitzen wir herrlich im Schatten und freuen uns über extra-leckere Kleinigkeiten wie zum Beispiel meinen Salat aus Avocados, Zitronen, Peperoni, roten Zwiebeln und Minze. Danach gibt es noch eine süße kleine Panna Cotta und dann kann’s losgehen zum "Strand".

Wir marschieren die gesamte Via Umberto hinunter, bis das schöne Blau des Wassers lockend sichtbar wird. Auch der Wind frisch etwas auf - wie angenehm, denn uns ist inzwischen ziemlich warm…
Als der Stadtstrand im Blickfeld erscheint, ist völlig klar, dass es auch dort sehr voll ist: dicht an dicht Menschen aller Altersstufen und alles quetscht sich in die sehr überschaubare Mini-Hafen-Ecke und lagert auf den umliegenden Riesensteinen. Ein mahnendes Schild verkündet in vier Sprachen Baden verboten! - aber dafür scheint sich absolut niemand zu interessieren. Zwischen Kippen, leeren Flaschen und anderem Müll breiten wir auf dem Betonboden unsere Tücher aus, über unseren Köpfen baumeln Füße, es sitzen jede Menge Menschen auf der Mauer über uns und rauchen und plaudern und lassen es sich in der Sonne gut gehen.

Die einzige Möglichkeit, ins Wasser zu gelangen, führt über eine Betonrampe, eigentlich für Boote gedacht. Diese ist mit Algen überwuchert und entsprechend rutschig. Felix schlägt fast lang hin und ich sehe noch mehrere andere Personen auf dieser Fläche ins Straucheln geraten. Das kann ja heiter werden! Aber bevor ich diese Tücke überwinde, muss ich mich erstmal umziehen, ohne auch nur das geringste Eckchen intime Haut zu zeigen. Gar nicht so einfach. Zum Glück habe ich mein großes Strandtuch dabei, darunter gelingt mir das Manöver, ungesehen in mein costume da bagno zu schlüpfen. 

Nun die nächste Mutprobe: ohne zu stürzen ins Wasser gelangen, vorbei an den sich wie wild gebärdenden Lumpis, die sich gegenseitig schubsen und einen Köpper nach dem anderen ins dafür viel zu flache Hafenbecken wagen. Sie kennen eben einfach keine Angst, diese jungen Hunde!
Felix wartet lieber auf mich und wir staksen gemeinsam bis an die Wasserkante, ohne ins Rutschen zu geraten. Bah, ist das kalt! Aber hinein wollen wir trotzdem, wir sind zu erhitzt und es sieht so einladend aus mit dem türkisblauen Schimmer und der glasklaren Sicht bis auf den steinigen Boden. Mutig hinein, mit einem kurzen Quieken, und dann wird es auch ganz schnell weniger schlimm mit der Kälte. Fröhlich paddeln wir herum, der Rest der Mannschaft verkneift sich die Erfrischung und sonnt sich lieber genüsslich.


Der Ausstieg gelingt besser als befürchtet, wir sind herrlich abgekühlt, so lässt es sich jetzt erstmal eine Weile aushalten.
Es ist bezaubernd und höchst spannend, den balzenden Youngsters zuzugucken. Da ja alles auf engstem Raum passiert, ist es unvermeidlich, die hormongetriebenen Interaktionen in voller Gänze mitzuerleben. Insgeheim bin ich froh, nicht mehr in dem verrückten Alter zu sein - was die noch so alles ausprobieren und ertragen müssen…

Meine Lippe muckt wieder herum, sie pocht heftig vor sich hin - eine Reaktion auf die Sonne? Sehr lästig!
Elena und Helene möchten noch bleiben, aber uns treibt es zurück. Erneut muss die Via Umberto bezwungen werden, dieses Mal in Richtung Zentrum - und schon auf der Hälfte des Weges wünschen wir uns das erfrischende Bad zurück. 

Aber heute nicht mehr, es reicht an Sonne und Wasser und Menschenmengen. Denke ich - und als wir die Via Etnea erreichen, nimmt uns ein Trubel in Empfang, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Der Lauf endete wohl auf der Piazza Università, dort sind eine Bühne und diverse Stände aufgebaut; eine Dame schmettert lautstark Melodeien ins Mikro - leider trifft sie die Töne nicht richtig und uns rollen sich kurz die Fußnägel hoch…
Wir wollen Felix den neu entdeckten Arancinu-Laden zeigen, denn er möchte auch so gerne den mit Garnelen probieren, aber der ist prompt vergriffen. Wahrscheinlich hatte man dort reichlich Andrang heute, wegen des Laufs.


Natürlich findet sich ein guter Ersatz (con funghi), wir verspeisen die leckeren Reisklopse direkt vor Ort und eilen dann heim - es reicht für heute!
Zumindest für Uli und mich - der sportliche Felix springt munter in seinen Laufdress und dreht seine gewohnte Joggingrunde.
Ich schreibe, Uli duscht und liest und dann ist Felix auch schon wieder da, hält noch einen Plausch mit Elena und regt dann die abendliche Kartenrunde an.

Und morgen ist bereits unser letzter gemeinsamer Tag... es graut mir davor, schon wieder Abschied nehmen zu müssen, gerne dürfte diese schöne Zeit noch viel viel länger dauern!

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