Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Samstag, 3. Mai 2025

cose molte utile * diciannovesimo giorno

Viel zu früh endet die Nacht, aber ich kann einfach nicht länger im Bett bleiben, das freundliche Licht lockt gar zu sehr. Die Pestbeule ist wieder dicker geworden und eine zweite hat sich dazugesellt. Na danke, wirklich großartig!!
Zuerst wollen die Sprach-Lektionen abgehalten werden - ich liege arg im Hintertreffen, habe aber viel zu wenig Zeit für ausgiebiges Geräte-Training. Das kann zuhause in Deutschland wieder Fahrt aufnehmen, hier habe ich mehr Lust, ins echte Leben einzutauchen.

Wir favorisieren wie gewohnt unser begehrtes Granita-Frühstück bei Comis und dürfen beobachten, wie eine Filmcrew in der Piazza Bellini und auch im Café zugange ist. Eine lustige Truppe inklusive Kleinkind, alle ungeheuer fröhlich und derart liebevoll zu dem Kind, dass ich weinen muss darüber, wie bei uns mit Kindern umgegangen wird: entweder gluckenhaft überbehütet oder lieblos vernachlässigt. Was sind wir bloß für ein seltsames Volk, so gestört im Umgang miteinander und mit unseren Schwächsten….

Heute suchen wir auf dem mercato eine Zitruspresse (für die vielen Orangen, die Felix geschenkt bekommen hat), einen Kabelschlauch (für die Musikanlage im Studio) und keinen Obstsalat, sondern möglichst nur Melone (wegen der brennenden Lippe). Inzwischen ist es eine wahre Freude, hier durch die Gänge zu schlendern. Wenn ich überlege, wie verunsichert wir anfangs waren... immer in Sorge, ausgeraubt zu werden! Und nun lächeln wir über Touristen, die ihre Rucksäcke wie Känguruh-Eltern vorm Bauch tragen. Alle Verkäufer sind absolut zuvorkommend, hilfsbereit und verbindlich-freundlich.

Der fruttivendolo hat zwei Stände: am ersten steht ein älterer Herr, der mir einen Becher mit Melonenstücken verkauft, und am zweiten lacht uns schon der nette junge Mann entgegen. Das ist von meinem Vater erklärt er und zeigt auf den Melonenbecher. Ah, ein Familienunternehmen, molto bene. Eine kleine Melogranen-Spremute darf es für mich sein und Uli entscheidet sich für Seltz, unglaublich erfrischend und super gesund - daran kann man sich gewöhnen.
Meine Mutprobe für heute: um ein Foto mit dem fruttivendolo bitten. Er strahlt und stellt sich für Uli’s Kamera mit mir in Pose. Was für ein Spaß! Erneut schmeichelt er mir, verabschiedet sich herzlich und lässt mich fröhlich lachend von dannen ziehen. So einfach geht Freude.

Erfrischt und beschwingt wandern wir auf schattigen Wegen abseits des Getümmels Richtung Fischmarkt, vorbei an herrlichen Plätzen und bunten Ecken, an denen wir genüsslich schauen, verweilen und einfach nur genießen. Ah, la bella dolce vita!

An einem Obststand entdecken wir diese spannende Beeren, die wir sofort probieren möchten. Nicht waschen, einfach essen trägt uns der freundliche fruttivendolo auf. Wird gemacht! Sehr lecker, zuckersüß und so hübsch anzusehen…. und recht intensiv färbend, also besser nicht zu nah an die Kleidung bringen, die vollreifen Früchtchen. 

Und weiter geht’s, zum Tabaccho-Laden: Uli hat kein Papier mehr und mir fehlen 5 Briefmarken. Die junge Frau erkennt uns sofort und lacht so nett, dass es eine Wonne ist. Und auch die Info über diesen Besuch wird sofort via Buschfunk zu Felix transportiert. Neben dem Laden befindet sich ein kleines Lebensmittelgeschäft, das vor dem Eingang einen Hähnchengrill stehen hat. Die Hähnchen sehen hervorragend aus: braun gebrannt und duftend und ich bin sehr interessiert - aber noch so satt vom Frühstück, dass der Appetit sich nicht recht einstellen möchte. Vielleicht später. Jetzt möchten wir erstmal eine schattige Bank, auf der wir ein bisschen verweilen können, und eine Flasche Wasser, denn leichter Kopfschmerz stellt sich bei mir ein. Bei der Wärme muss ich einfach mehr trinken.

Nach dieser erquickenden Pause wollen wir langsam zurück gen Palazzo, vorher aber noch ein paar Mitbringsel besorgen. Auf dem Weg zur Via Etnea entdecke ich einen Trödelladen, der gerade geschlossen wird, davor zwei alte Herren, die freundlich grüßen.
Ich frage mutig nach einer Trinacria - certo, sagt der eine, schließt den Laden wieder auf, knipst die Lampen an und wühlt ein wenig im Hintergrund herum. Mit einem Karton kehrt er zurück und zeigt mir einen Wimpel mit dem gesuchten Wahrzeichen - leider ist es nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Macht nichts, lacht der Ladenbesitzer - und übrigens: Ihr Italienisch ist sehr gut, Signora. Oh, wie mich dieses Lob freut, von so einem sizilianischen Urgestein ganz besonders!

Uli greift sich im Vorbeigehen einen Arancinu und heimwärts geht’s. Auf dem Markt ist Aufräumen angesagt - auch jede Menge harte Arbeit!

Kurz vor der Haustür mache ich einen Abstecher in den vollgestellten Second-Hand-Laden Freak im Nachbarhaus - sehr hoffend, dort die gewünschte Trinacria zu finden. Und voilà: ich bin erfolgreich. Noch ein Wunsch erfüllt, wie schön.
Jetzt erstmal die Schätze nach oben bringen. Felix erscheint kurz nach uns und auch Anna trudelt bald ein; sie kommt zum Saubermachen, wie jede Woche.
Ein bisschen Wäsche ist zu erledigen, ein paar Nachrichten sind zu beantworten, ein bisschen Arbeit steht an - und schon ist der Nachmittag so fortgeschritten, dass der Gedanke an ein leckeres Grillhähnchen mich wieder in die Stadt treibt. Uli begleitet mich, nur leider gibt es keine Hähnchen mehr - wir sind zu spät dran, sagt die Verkäuferin. Ist wohl ein Mittagssnack. Also ein andermal, eventuell ja schon morgen.
Nun bin ich allerdings ziemlich hungrig und suche etwas unglücklich nach Essbarem. Arancinu fällt aus: die knusprige Panade hat mir bereits gestern die Pestbeule unangenehm aufgerieben - das möchte ich heute nicht noch einmal!

Im Restaurant-Gewimmel um den Fischmarkt entdecke ich das Zeichen für senza glutine an einem Stand mit frittierter Pizza. Perfetto, die wollte ich sowieso schon länger mal probieren. Und obendrein findet Uli hier endlich seinen Sepia-Arancinu - das passt doch.
Wir lassen uns an einem besonders hübschen Tisch nieder und betrachten neugierig das geschäftige Treiben: es werden gerade Waren angeliefert und so herrscht ein eifriges Schieben und Räumen überall.

Die Pizza ist sehr gut, der Arancinu auch - jetzt ist Uli nach Eis. Das findet sich problemlos auf der Etnea. Dann fällt mir ein, dass wir noch nie bei Comis Eis probiert haben, warum eigentlich nicht?! Wird direkt nachgeholt. Und so sitzen wir in der milden Spätnachmittagssonne und genießen das weltbeste Pistazieneis.

Zuhause werkelt Anna immer noch fleißig herum, Felix telefoniert und wir haben mit Wäsche und Kabelsalat eine kleine Weile zu tun, bis Felix uns die frohe Nachricht überbringt, dass er doch erst am Sonntag fliegen kann. Evviva, das Schicksal hat uns einen Extra-Tag zusammen geschenkt!

Abendessen bei Mamma Rosanna? Okay, direkt vor der Tür, aber gewagt… man wartet manchmal sehr sehr lange! Ja, das tut man. So auch wir. Über eine Stunde! Immer wieder vertröstet uns der nette Kellner "der Reis muss noch gekocht werden / nur noch 5 Minuten / geht gleich los" etc.
Um kurz nach halb zehn wird endlich serviert und wir stürzen uns wie hungrige Wölfe auf das unbestritten sehr wohlschmeckende Essen. Binnen kürzester Zeit sind die Teller geleert, Felix wird noch in ein etwas längeres Gespräch verwickelt und dann können wir endlich los - der Terrorramsch ruft…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen