Catania at it's best

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la bella città nera

Sonntag, 4. Mai 2025

il bufalo d'acqua colpisce due volte * ventesimo giorno

Mitten in der Nacht merke ich, dass die Pustel an meiner Lippe vor sich hin eitert, Mist! Dennoch schlafe ich mich ungestört und gründlich aus - denke ich zumindest, als ich die Schotten aufklappe und die blitzblanke Morgenluft hinein lasse. Der Duft von frischen Backwaren beflügelt meine Lust auf Frühstück sehr; Intervallfasten gelingt hier irgendwie nicht so…  Au Backe, meine Lippe sieht ziemlich übel aus mit der dicken gelben Kruste. Mal gucken, was die Mittel des Alchemisten nachher bewirken. 

Heute meint die Dusche es gut mit mir und hält wacker durch, bis ich von selbst auf kälter regle. Dafür bricht meine Reise-Shampooflasche plötzlich mittig auf. Einen besseren Ort hätte sie dafür wirklich nicht wählen können, puh!
Als ich dann in der Küche die erste Uhr erblicke, bin ich doch sehr überrascht, dass es noch nicht einmal neun ist. Vielleicht braucht man ja nicht so viel Schlaf, wenn man ständig schöne Dinge erlebt?!  Tee, CDL, Lektionen, Nachrichten, Postkarten, kurz die Beine auf einem der Morgenbalkone in die Sonne legen - alles Wichtige wird abgehakt, bevor wir mit Felix zu Sa di Sapone pilgern und dort runde 200 € in Seife umtauschen. Dieser angenehme Duft, der von dem Laden ausgeht - unbeschreiblich gut, man kann nicht widerstehen!!! Die schweren Tüten mit den erbeuteten Schätzen schleppt netterweise Felix heim, während Uli und ich zum Granite-Colazione weitereilen. 

Superfreundliche Begrüßung durch den netten Chef, ein Lächeln vom Gnatzkellner, ein Platz im Schatten - besser geht es wirklich nicht. Einziges Manko: das deutsche Damenpärchen direkt neben uns, von denen die Eine die Andere unangenehm bevormundet. Auch die Szene am nächsten Tisch reizt nicht unbedingt zu Heiterkeit: ein Mann und ein etwa 10-Jähriger beim Schoko-Brioche-Essen - tonlos, denn der Junge starrt die gesamte Zeit wie hypnotisiert auf den Handy-Bildschirm, auf welchem im Mini-Format Filmchen flimmern. Zwischendurch wischt der Mann dem Jungen den Mund ab, schaltet das nächste Filmchen frei und gleich geht es weiter mit dem Grauen der Nichtanwesenheit.

Wir verlassen die Szenerie, um unserem täglichen Marktbesuch zu frönen. Voller Genuss erlebe ich diesen inzwischen; die vielen Menschen auf so engem Raum, einander so respektvoll begegnend - und dabei sind mir solche Situationen eigentlich immer extrem unangenehm.
Eine einzige Berührung spüre ich und als ich mich umdrehe, ist es ein großer hellhaariger Mann, der mich anrempelte und wortlos weiterging. Tedesco? 

Unser junger fruttivendolo hat alle Hände voll zu tun, wir lassen ihn walten und zum ersten Mal schaue ich mir den Knaben mal etwas genauer an: geschätztes Alter 27, tätowierte Arme, geübte Handgriffe beim Spremutieren und bei allen anderen Aktionen, dabei konzentriert, sorgsam und ruhig. Herzliche Grüße und freundliche Blicke wechseln wir, erhalten Melone und Seltz und verlassen den Markt Richtung Etnea: dort wollen wir an den Kunsthandwerk-Ständen nach Schmuck schauen, einerseits für mich, andererseits für Felix, der etwas für sein Patenkind braucht. Bereits beim ersten Stop finden wir unglaublich entzückende Armbänder und Halsketten für Mädchen - alle handgeformt von einer Dame, die mit ihrer erwachsenen Tochter hinter dem Stand steht. Dort bereitet das Betrachten so viel Freude, dass ich mich lange nicht losreißen kann. Aber es sollen ja unterschiedliche Schmuckstücke werden, also müssen wir weiter. 

Schon an der nächsten Ecke erstehen wir Halbedelstein-Armbänder für Felix Patenkind und für mich; direkt daneben entdecken wir einen Stand mit Schmuck aus Wasserbüffel-Horn. Dort muss ich mich kurz zum Lachen wegdrehen… warum um alles in der Welt schon wieder der Wasserbüffel?! Ein sehr netter commesso erklärt uns geduldig die Herkunft der verschiedenen Symbole und macht mir die Entscheidung leicht, gleich mehrere Gegenstände zu erwerben - die Sachen sind einfach nur wunderschön und absolut einzigartig. Nach kurzer Verhandlung erlässt der Herr mir 10 €, das macht den Kauf natürlich noch angenehmer und bleibt auf jeden Fall positiv in Erinnerung. Zudem wird mein Italienisch ausgiebig gelobt - mi piace molto!
Nur noch einen weiteren Stand braucht es, dann haben wir ausreichend Schmuck für Felix gefunden und können mit einem guten Gefühl des Erfolgs den Heimweg antreten.

In den Straßen steht die Hitze, aber wir kennen inzwischen alle schattigen Möglichkeiten, erreichen im Nu den kühlen Palazzo di Felice und präsentieren stolz unsere Beute. Alle sind zufrieden - herrlich! Uli behandelt meine dicke Lippe mit CDL und DMSO - und nur wenige Augenblicke später reduzieren sich Schmerzen und Schwellung auf ein sehr erträgliches Maß. Perfetto! 

Im voranrückenden pommeriggio erscheint ein Mini-Schläfchen höchst attraktiv; wir verschwinden in die jeweilige camera. Erst um kurz vor sieben werde ich wieder wach, schon bald ist es Zeit zum Aufbruch, denn wir sind zum Abschieds-Aperitif mit Carlo und Anita verabredet. Ein flotter Fußmarsch von etwa 30 Minuten liegt vor uns, die Abendluft ist warm und schwül, sodass wir reichlich erhitzt die winzige Enoteca erreichen. Dort erwartet man uns bereits und bittet um einen Moment Geduld, während der Tisch eingedeckt wird.
Carlo und Anita erscheinen in Begleitung ihrer französischen Freundin und natürlich Gino. Dieser erinnert sich offenbar an die Wasserbüffel-Würfel, denn er begrüßt mich freudig. Als ihm jedoch klar wird, dass es heute keine Snacks von mir gibt, wendet er sich direkt Felix zu und weicht diesem auch nicht mehr von der Seite. Grande amore! 

Es stößt auch noch Nachbarin Elena zu uns, wir sind komplett. Die einzige, die keinen Wein möchte, bin leider wieder ich - das führt erneut zu leichten Irritationen und der Frage, ob es denn vielleicht einen bestimmten Grund gibt… (trockene Alkoholikerin?). No, aber ich bleibe dennoch bei Wasser.
Der Enoteca-Besitzer fährt jetzt ordentlich auf: erst lässt er kleine Schälchen mit Nüssen, Chips und Oliven bringen, dann reicht man uns Sardellen-Häppchen und eingelegte Tomaten, überbackene Ciabatta und Mini-Pizza und schließlich große Platten mit zartem Aufschnitt und würzigem heimischem Käse. Dazu fließt der gute Wein in die hübschen Gläser und man prostet sich eifrig zu. Die gesamte Runde ist in fröhliche Gespräche vertieft, teils auf Italienisch, teils auf Englisch, und nebenbei vertilgen wir eifrig die Köstlichkeiten. Alles schmeckt einzigartig und mundet hervorragend. Felix verstärkt Gino’s Liebe noch ein bisschen, indem er seinen Anteil Aufschnitt ganz aus Versehen unter den Tisch fallen lässt… 

Kurz nach zehn möchten wir los, denn auch an unserem letzten Abend sollen die Karten nicht unbewegt bleiben. Klugerweise hat Felix bereits gepackt und sich eine Taxe vorbestellt, damit morgen früh nichts schief geht. Carlo und Anita bringen uns schnell rum, Felix fährt mit Elena und so sind wir fix zuhause. Ciao ciao, baci baci, a presto? Wann wir wiederkommen, fragt Carlo. Keine Ahnung, aber hoffentlich bald… 

An diesem Abend ist mir Fortuna so gar nicht hold, trotzdem zocken wir bis nach Mitternacht - dann siegt die Vernunft, denn um kurz nach acht klingelt Felix' Wecker. Für alle Fälle verabschieden wir uns schonmal, falls wir morgen früh noch schlafen sollten. Mit einem schweren Kloß im Hals umarmen wir unseren so überaus lieb gewonnenen Felix. Nur gut, dass wir uns schon bald wiedersehen, wenn auch in Germania! Und für morgen ist Regen angesagt!

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