Mit ängstlichem Blick Richtung Lichtquelle (regnet es?) und trüber Gewissheit (Felix ist weg!) wage ich mich ins Bad. Erstmal die Lippe… ich glaub’, es wird besser… (aber geht mir natürlich nicht schnell genug!). Schon durch die Jalousie sehe ich einen bläulichen Himmel, also kein Regen. Immerhin, das ist doch schonmal tröstlich. Auf meinem Weg in die Küche sehe ich Felix Schuhe: oh, wie schön, ich darf ihn doch nochmal sehen!! Das hebt meine Laune sehr. Tatsächlich haben wir noch 15 minut, bis es wirklich ciao heißt. Die Taxe erscheint pünktlich, wir schauen unserem lieben Freund noch kurz nach und versuchen, nicht traurig zu sein, sondern uns auf das baldige Wiedersehen zu freuen und dankbar für die herrliche gemeinsame Zeit zu sein. Basta!
Also los, wie starten in den knusprig frischen Tag mit colazione, wie immer bei Comis. Diese Gewohnheit spendet tatsächlich Trost, ebenso der leicht wolkige, windige Himmel und die Erlebnisse um uns herum. Dieser schöne Platz bietet uns ständig neue Unterhaltung, aber auch Vertrautes, wie den alten Mann mit dem dreibeinigen Hund, der jeden Tag vorbeikommt und immer in die gleiche Richtung marschiert. Natürlich gibt es hier auch tolle Szenen mit Touristengruppen, weil der Brunnen und die Oper so sehenswert sind und damit auf die für-Catania-reicht-dicke-1-Tag-Liste gehören. Die Fluktuation ist entsprechend. Am lustigsten sind die motorisierten Gruppen: 10, 15 Personen auf Segways oder Rollern flitzen in einer langen Reihe einmal um den Brunnen herum und sind blitzschnell wieder verschwunden. Und die Nächsten sind garantiert nicht weit...
Heute bezaubert uns eine kleine Parade von fröhlich-bunten, tanzenden Menschen. Ihnen dürfen wir etwas länger zuschauen und lassen uns von der strahlenden Freude der Teilnehmer bereitwillig anstecken.
Nun möchte ich gerne rauchen und nochmal zum Wasserbüffel-Stand und Uli hat einen Laden am Duomo mit Mitgebringsel gesehen. Andiamo, durch menschenleere Gassen, in denen wir letztes Jahr noch dachten jetzt passiert’s!!
Tja, und heute fühlen wir uns hier vollkommen sicher und richtig wohl - wie schön, dass die Dinge sehr selten so sind, wie sie erstmal scheinen.
Der Wasserbüffel-commesso springt begeistert von seinem Stuhl, als er uns erblickt. Erst begrüßt er uns ausgiebig nebst intensivem Augenkontakt und Lachen im gesamten Gesicht, dann lobt er den gestrigen Kauf an mir (natürlich musste dieser heute angelegt werden!). Ja, ich finde ihn auch wunderschön und liebe ihn schon jetzt sehr!
Seine Frau kommt dazu, erklärt die Bedeutungen der einzelnen Symbole und beantwortet Uli’s Fragen, z.B. nach der Färbung (natürliche Farbstoffe aus Pflanzen und Mineralien).
Ich bin ja aus einem bestimmten Grund zurückgekehrt… wie sich denken lässt… Gestern hatte ich nämlich nebenbei ein Armband angelegt und das war mir abends, nachts und auch morgens im Geiste erschienen - es ruft nach mir, dachte ich, und so etwas sollte bekanntlich nicht ignoriert werden!
Prachtvoll schmücken mich die dicken, sonnenwarmen Perlen, ein tolles Gefühl, oh ja, die will ich! Uli überprüft kurz die Energie… ja, sie dürfen mit. Interessiert beobachten die Standbetreiber uns und erklären uns, wie positiv und besonders unsere Ausstrahlung wäre. Natürlich, sie wollen verkaufen, aber es fühlt sich dennoch nicht geheuchelt oder falsch an. Und als wir nochmal auf meinen Anhänger zu sprechen kommen, muss ich doch hart schlucken, um nicht zu weinen: das schöne Symbol repräsentiert die universale Liebe in Vervielfältigung. Zu einhundert Prozent für mich gemacht!
Das Perlenarmband muss mit, wieder erhalte ich eine Reduktion, aber hadere dennoch kurz mit mir über den Preis (30 €). Uli schüttelt den Kopf, hör auf, Preis völlig egal. Und richtig: wer weiß denn, wie lange wir noch auf Erden herumturnen dürfen?! Vielleicht ist es auch blitzschnell vorbei mit dem Geturne… dann aber bitte mit Schmuck, der ein ganzes Leben und noch viel länger halten wird. Ganz genau!
Wir erhalten noch jede Menge Ausflugstips und eine warme, herzliche Verabschiedung und hüpfen beglückt von dannen, mit dem überaus ernst gemeinten Versprechen, dass wir keinesfalls wiederkommen werden (percé è molto pericoloso qui! und nochmal lachen wir gemeinsam). Wundervoll. Es gibt kein anderes Wort dafür.
Wenn schon Verschwendung, dann auch richtig! Jetzt erstmal ein kühles Getränk, es ist nämlich inzwischen ziemlich drückend. An einem Chiosco erkenne ich das neu erlernte Wort Seltz - perfekt, das wollen wir. "Bestimmt ist das hier doppelt so teuer für Touristen!" unke ich herum, wegen der Lage an der Piazza Stesicoro, aber dann verstumme ich andächtig, weil der alte Herr hinter dem Tresen ein Kunststück der Zubereitung vollführt. Unzählige Seltzs (?) muss er in seinem Leben hergestellt haben, so fließend und schnell sind seine Handbewegungen. Sensationell! Wir starren ihn förmlich an und sind dabei voller Bewunderung. Und nein: kein Touristen-Nepp, nur 1,25 € pro Becher (beim fruttivendolo zahlen wir 2). Das Zeug erfrischt pronto rapido!
Nun können wir den Weg Richtung Duomo trotz der mittäglichen Wärme bestreiten und erreichen zügig den ausgesuchten Laden. Hier finden wir ein paar schöne Gimmicks und auch noch zwei zusätzliche Kacheluntersetzer für Felix' Wohnzimmertisch, passend zu den beiden bereits vorhanden.
Und so langsam reicht's uns dann auch für heute! Zügig geht’s heim und hinein ins kühle Haus. Aahh, so angenehm bereits im Innenhof!
Dann ruft auch schon das Bett. Wir schlafen runde zwei Stunden -> offenbar nötig, denn die letzten Nächte waren alle zu kurz.
Felix ist inzwischen im grauen Deutschland aufgeschlagen und schickt ein Foto aus dem trüb-regnerischen Lübeck - urgs! Nächstes urgs: la lavatrice spuckt zwei total verfusselte schwarze Lieblingskleidungsstücke aus; ein weiterer Spülgang hilft leider nicht, da muss eine Fusselrolle her. Morgen.
Essen möchten wir lieber ruhig zu Hause und wandern deshalb nur kurz zum decò für Aufschnitt und Käse und Salat und so. Toll, dass das am Sonntagabend problemlos möglich ist. Eine etwas ungemütliche Diskussion vermiest uns ein paar Augenblicke, aber wir bekommen schnell wieder die Kurve in angenehmeres Fahrwasser. Und so dümpelt der Abend dahin mit lecker belegten Broten, Italienisch-Lektionen, Lesen, Schreiben und Serie gucken.
Nur für’s bloggen reicht es nicht - das muss auf morgen verschoben werden.





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