Aus einem wüsten Verfolgungsangst-Traum hochschreckend bringen mich zwei Dinge auf den Boden der angenehmen Tatsachen: der ruhige Atem meines Mannes an meiner Schulter und die Vorstellung des herrlichen Brioche-Granita-Geschmacks.
Beruhigt darf ich weiterschlafen bis kurz nach acht - die Nächte werden hier irgendwie immer kürzer! Aber Schlaf kann ich auch prima in Germania nachholen, hier möchte ich noch so viel wie möglich sizilianisch leben. Was für uns im Klartext heißt: Comis, mercato insbesondere fruttivendolo und dann mal gucken.
Auf der Terrazza freut sich der kleine Kaktus so sehr, dass er hübsche Blättchen treibt.
Bereits beim Frühstück warten kleine Zwocken auf uns: fast nur deutsche Gäste - und ein Paar, etwas älter als wir, direkt neben uns. Ich vermeide es zu sprechen, weil ich nicht erkannt werden möchte. Es ist erstaunlich, wie auch hier wieder Klischees bedient werden: kein Gruß, kein Bitte, kein Danke, kein Nicken, kein Lächeln - einfach rein gar nichts sind diese Herrschaften bereit zu geben. Auch im Miteinander beherrschen Maulereien den Dialog. Weghören leider unmöglich… gute Vorbereitung auf viel zu bald!
Hervorragend dafür das Winken des schwierigen Kellners und natürlich wie jedes Mal die unglaubliche Kombi von nussigem Halbgefrorenen, warmem Gebäck und feiner Espressowürze. Ein Hochgenuss, den ich bestimmt mehr als nur ein bisschen vermissen werde.
Auf dem Markt suchen wir noch ein paar Kleinigkeiten, die in der Wohnung helfen können: Behälter für Wäscheklammern plus ein paar mehr von Selbigen, Fusselbürste (Uli’s tolles schwarzes Hemd sieht schlimm aus), Glühbirnen (im vorderen Bad fielen kurz vor Felix’ Abreise beide Lampen aus) und eine Schraube (für die abschließende Feinarbeit im Studio: alle Kabel der Musikanlage sind bereits sauber verlegt, nur die Steckdose soll noch an die Wand). Am Schraubenstand entdecke ich einen praktisch aussehenden Vakuumbeutel für einen Euro und denke an unsere bald zu packenden Koffer. Gebongt, geht mit.
Dann erblicke ich entzückende junge Kartoffeln (kg 0,75) und gleich nebenan Artischocken; daraus könnte man ein feines Abendessen zaubern. Der Händler gibt mir ein Tüte, wir suchen uns schöne kleine Exemplare aus, è tutto sage ich. Nein, denkt der Händler und wirf noch ein paar Handvoll dazu. Mir fehlen die Worte. Einen Euro will er haben, den bekommt er auch, aber wir brauchen doch gar nicht mehr so viele Kartoffeln! Artischocken gibt’s nur im Rudel, nämlich zu zehnt. Ebenfalls ein bisschen viel… Okay, dann essen wir ab jetzt abends nur noch zu Hause. Ein Sträußchen frische Petersilie muss zur Abrundung des Ganzen auch noch mit.
Inzwischen haben wir jeder mehrere Plastikbeutel am Arm hängen. An einem Fischstand sagt der Verkäufer zu Uli: pass auf, du zahlst und sie isst. Dabei zeigt er abfällig auf mich. Es ist nicht immer toll, die Sprache zu verstehen!
Ganz anders bei unserem fruttivendolo, der heute als erstes Uli mit Faust begrüßt und ihn einem Kumpel als seinen Freund vorstellt. Ich werde sehr zuvorkommend und höflich von ihm empfangen. Meinen Melonenbecher hatte ich bereits bei seinem ebenso netten Vater mitgenommen, hier sollen es zwei Seltz sein. Gerne, aber erstmal spült er gründlich seine Spremutieranlage und entfernt so alle Fruchtreste und Kerne. Ich grinse in mich hinein, Felix weiß warum.
Zwei randvolle Becher gehen jetzt auch noch mit; es wird Zeit für einen Sitzplatz. Und unbedingt im Schatten, da es sehr warm ist und auch wieder ziemlich drückend. Schließlich ist ja auch Regen angesagt und Gewitter. Bleibt nur abzuwarten, ob’s denn heute mal stimmen wird mit den vollmundigen Vorhersagen….
Das schattige Plätzchen ist schnell erreicht - was für eine Erholung, hier einfach zu sitzen und das großartige Getränk zu genießen. Es ist so friedlich und ruhig nach dem mercato-Trubel, der mir heute tatsächlich zwei Rempler beschert hat. Das bin ich gar nicht mehr gewohnt!
Das Baromenter stand da schon
Kurze Lagebesprechung: noch irgendwo hin? Auf jeden Fall nicht mit dem ganzen Zeugs am Arm. Also zum Palazzo. Dort fällt mir wieder ein, dass der gestrige Tag ja noch in Worte gefasst werden möchte und beschließe, mich gleich darum zu kümmern. Aber zuerst wird Uli’s Hemd weitestgehend entfusselt, der Rest muss sich bei den nächsten Wäschen verabschieden. Und dann muss ich den Vakuumbeutel ausprobieren: absolut genial! Davon kaufen wir morgen gleich noch ein paar, dann wird das Kofferpacken ein Kinderspiel. Einige Dinge können tatsächlich schon verstaut werden, vor allem der Brocken Seifen. Mit der Beutellösung entzerrt sich die Sorge, der Kofferplatz könnte knapp werden, dramatisch. Währendessen sorgt Uli dafür, dass es im Badezimmer wieder hell ist, super!
Vom angedrohten Regen keine Spur, auch das Gewitter lässt sich nicht vernehmen. Also spaziert Uli nochmal los, denn die Schraube vom mercato ist zu kurz. Er hat da bereits einen passenden Laden im Visier, den will er ansteuern. Auf dem Rückweg wird er auch noch beim decò vorbeigehen, Butter und Brot mitbringen. Prima, dann kann ich mich komplett ins Schreiben vertiefen. Das dauert einige Stunden und schwups: die Sonne sinkt bereits.
Circa 40 Minuten brauchen die Artischocken, also setze ich sie schonmal auf und die Babykartoffeln gleich dazu. Das Ganze köchelt eine Weile gemütlich und duftend vor sich hin, ebenso gemütlich verspeisen wir das köstliche Gemüse dann auch und freuen uns nun auf einen ganz ganz ruhigen divano-Restabend.
(Ach ja, und meine Lippe muckt immer noch!)








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