Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Dienstag, 6. Mai 2025

dopo la pioggia viene il sereno * ventitreesimo gior

Keine eitrige Lippe mehr, hurra! Das ist das Erste, was ich unmittelbar nach dem Aufwachen spüre und so hüpfe ich frohgemut aus den Federn, um nach einer flinken Wäsche erstmal meinen Morgentee plus CDL-Wasser zu mir zu nehmen. Uli ist schon eine Weile länger wach, hat bereits abgewaschen und die Bedienungsanleitung für die Musikanlage des Palazzo fertiggestellt.
Ich lerne ein bisschen, während sich der Himmel zunehmend verfinstert. Es sieht nach Regen aus… besser eine Jacke mitnehmen, wenn wir gleich in den Morgen starten.

Schon auf dem Weg zu Comis müssen wir einen Schritt zulegen, denn die ersten dicken Tropfen beginnen zu fallen. Heute gibt es nur Mezzo-Granite, denn für’s spätere pranzo soll es das Grillhähnchen werden. Keine hörbaren Deutschen, dafür eine chinesische Reisegruppe - auch sehr lustig. Es werden Fotos ohne Ende geschossen, sogar vom Orangensaftglas. Zusätzlich flanieren wieder jede Menge Schaulustige über den Platz - trotz des immer wieder einsetzenden Regens. Deutsche glauben wir an der besonders unglücklichen Kleidungswahl zu erkennen: fiese Farben, Socken in Badelatschen, zu kurze Hosen, zu enge Oberteile, bissige Accessoires und so weiter und so fort!

Für den Marktgang holen wir zur Feier des vorletzten Tages mal etwas weiter aus und erleben sofort eine magische Begegnung: während wir einen 4-minütigen Schauer unter einem Vordach abwarten, schwebt strahlend-engelsgleich eine fröhliche Frau unter einem rot-weiß-gepunkteten Regenschirm zu uns, schwärmt kurz über das sonnenbeschenkte Catania (es regnet nur ganz kurz, keine Sorge!) und verschwindet zauberhaft lächelnd um die nächste Ecke. Meraviglioso!
In dieser Straße waren wir bisher noch gar nicht, obwohl sie keine 3 Minuten vom Palazzo entfernt ist. Es gibt einen winzigen Kräuterladen, der hochinteressant aussieht. Vielleicht später noch… oder nächstes Mal….

Nun wollen wir rauchen und zum mercato, aber vorher schnell zum Briefkasten: eine cartolina möchte noch auf die Reise gehen. Mal schauen, wie lange diese dann dauert.

Es sind heute einige Lücken sichtbar, denn diverse Händler haben wohl wegen des Regens lieber nicht aufgebaut. Absolut nachvollziehbar. Aber unsere Favoritenstände haben und es sind glücklicherweise noch genau zwei von den genialen Vakuumbeuteln vorhanden.
Der Händler ist ziemlich klein, aber möchte sich partout nicht von mir helfen lassen. Lieber stellt er sich auf Zehenspitzen, um die Teile wenigstens am unteren Rand der Verpackung greifen und sie dann vom Haken reißen zu können. Bittesehr, wenn er es so möchte…

Unser fruttivendolo genießt gerade seine bestimmt wohlverdiente Zigarettenpause, legt den Stengel aber subito zur Seite, als er uns erblickt. Ah, signore, signora, che bello, wie schön! Ja, finden wir auch. Wirklich!
Heute gibt es Melone (letzter Schontag für die Lippe, morgen dann einmal noch das gewohnte Gemisch) und Uli möchte Seltz. Während der junge Mann konzentriert arbeitet, wirbt er nebenbei für sein schönes Angebot, denn eine Gruppe von sechs eindeutigen Touristinnen (sie sprechen Englisch) beäugt kritisch aus sicherer Entfernung die Salatbecher. Er möchte gerne erklären, dass noch frischer Saft hineingepresst wird, aber ihm fehlen die englischen Begriffe. Seine hilfesuchenden Blicke in unsere Richtung nehmen wir wahr, selbstverständlich übersetzen wir gerne - und ich stimme obendrein natürlich noch ein Loblied auf diesen vollreifen, überaus köstlichen, weltbesten, absolut herrlichen Obstsalat an, sodass alle sechs dann sofort einen wollen, mit Orangensaft. Die stabile Spremutieranlage funktioniert gewohnt zuverlässig, der fruttivendolo arbeitet gewissenhaft, hört aber trotzdem unser ciao, a domani; kurz blickt er auf, lächelt herzlich und ruft uns noch Wünsche für einen schönen Tag hinterher.

Wir schlendern davon, etwa betrübt, denn die nahende Abreise schiebt sich immer deutlicher ins Blick- und Gedankenfeld.  

Langsam pilgern wir die Etnea hinab Richtung Duomo. Heute möchten wir mal Zerstreuung in Form einer Besichtigung: es gibt eine Lavagrotte mitten in der Stadt, in der ein Fluß zu bestaunen ist, der aus dem Ätna kommt. Die Fotos im Netz sehen vielversprechend aus und weit ist es auch nicht.
Aber zuerst wollen wir zeitig zum Hähnchen - nicht, dass sie wieder alle sind!
Auf dem Weg denken wir laut darüber nach, wie es eigentlich wäre, hier zu wohnen… scheinbar haben wir unabhängig voneinander den selben Gedanken gehabt - löwenlike eben.

Fürs und Widers werden erläutert, wir sind ganz bei der Sache, als wir in die Via Plebiscito einschwenken. Der Duft nach Hähnchen wallt uns bereits entgegen, es drehen sich mehrere davon im Grill vor dem kleinen Laden, gut gebräunt und über einem dicken Bett aus Rosmarin. Ein Halbes reicht für uns, wir wollen ja nur kosten. Der Herr am Grill arbeitet auch sehr routiniert, aber etwas vorsichtiger, schließlich knistert alles vor Hitze. Das Hähnchen wird vor unseren Augen zerteilt, es enthält eine Füllung aus Paprikagemüse, welches zum Glück auch mit in die Aluschale gelöffelt wird. Zusätzlich bestückt der Herr noch eine kleine Papiertüte mit Pommes, Zwiebelringen und Kroketten und für 5 € tragen wir eine recht schwere Tüte mit köstlich duftendem, heißem Essen davon. Gerade setzt der Regen wieder ein, also eilen wir Richtung Castello Ursino, denn dort gibt es Plätze unter einem großen Baum. Und tatsächlich: wir können ungestört durch Regen oder Straßenhändler fast das ganze überaus wohlschmeckende, perfekt durchgegarte Mahl verspeisen.

Kurz vor ultimo scharen sich plötzlich jede Menge Kinder um uns: sie lauschen einem Vortrag über diesen Platz. Oder über den Baum… Oder das Castello? Non lo so - ich weiß es nicht! Eine Weile wuseln sie um uns herum, dann strömen alle auf Zuruf ins nahe Lokal und es kehrt sofort Ruhe ein.

Dafür beginnt auch passend der Regen wieder, zur Abwechslung mal etwas stärker, sodass wir uns ein bisschen unterstellen müssen - und dabei entdeckt man manchmal die schönsten Dinge:


Nach drei Minuten ist auch dieser Guss vorbei; jetzt könnten wir mal zur Grotte. Ein bisschen irren wir herum, weil ich nur ungefähr weiß, wo sie sich befindet. Und auch, weil wir keine Lust darauf haben, irgendein Navi einzuschalten - aber schließlich muss es doch sein. Diese Labyrinth-Straßen haben es in sich… sogar google-maps kommt durcheinander und schickt uns wild hin und her. 

Zum Glück werden die dicken Stacheln vorsorglich entfernt!!


Wir sind die ganze Zeit in konzentrischen Kreisen um den Grotteneingang herumgelaufen und erkennen ihn beide wieder, als wir dann schließlich vor ihm stehen. Ach ja, hier waren wir doch schon! Die Sache hat nur einen Haken: der Eingang ist fest verschlossen und kein Mensch weit und breit.
Was dann?! Von einem Restaurant hatte ich gelesen, das einen Keller mit Grottenzugang hat - und richtig, es befindet sich direkt hinter uns, inklusive rustikalem Holzschild: Zur Grotte - nur leider ist auch dieser Zugang verschlossen und verriegelt. Hmmm, da will mal einmal ein bisschen Bildung, und dann das!

Also gut, suchen wir jetzt eben die allerletzten Mitbringsel zusammen, damit das auch erledigt ist und dann kaufen wir uns ein kühles Getränk und setzen uns irgendwo hin. Vielleicht auf die Marmorstufen des Duomo, dort saßen wir ja schonmal und Katzen gibt’s da auch. Alles ist nass, natürlich, aber gleichzeitig warm, sodass ein kurzes Drüberwischen reicht, damit wir uns niederlassen können. Ein Pelztier lagert elegant hinter dem Zaun - ein sicheres Plätzchen, das aber sehr eifrig verlassen wird, als die ersten Schmeckis fliegen. Direkt neben uns findet ein Mann seinen Platz: er wischt auch kurz, drapiert seine Jacke inklusive 20-Cent-Stück vor sich auf’s Pflaster, legt sich dann auf den Stufen zur Ruhe und kehrt dem Geschehen seinen Rücken zu.
Erneut überlegen wir, wie groß die Faktoren Armut und Arbeitslosigkeit hier wohl so sind…

Nun reicht es, seit vier Stunden sind wir unterwegs, wir wollen heim. Zuhause empfängt uns gnädig die kühle Wohnung und wir strecken erstmal alle Viere von uns - aber nur kurz, denn ich will unbedingt den nächsten Vakuumbeutel befüllen. Auch das klappt wie verrückt. Großartig! Wir starten die letzte lavatrice und sortieren nach und nach, was in welchem Koffer mitgeht. Dabei kommen mir plötzlich Zweifel: ob wohl die Seife reicht!?! Wenn wir zum Beispiel welche verschenken wollen… Nein, bevor der Geiz zuschlägt, hole ich lieber noch ein paar Stücke. Der freundliche Ladenbesitzer erkennt mich lachend wieder und freut sich über schnell verdiente 37 €.

Den größten Anteil blog-Beitrag schreibe ich in einem Rutsch, während vor den Fenstern erst Regen prasselt, dann ein Mini-Gewitter niedergeht und anschließend innerhalb weniger Minuten die Wolkendecke aufreißt und eine strahlende Sonne den blauen Himmel schmückt. Wie verrückt das hier ist!!

  16:00 Uhr:

16:20 Uhr: 
 
 

Ein paar Nachrichten wollen beantwortet werden, das tue ich auf einem der Balkone, während unter mir das Leben pulsiert. In der Via Coppola ist eigentlich immer was los. Ob es wohl daran liegt, dass direkt daneben der Rotlichtbezirk beginnt?

Das Abendessen ergibt sich logisch aus der vortags unfreiwillig erworbenen Menge: Butter-Kartoffeln mit Petersilie, Artischocken, Käsewürfel. Nebenbei sortieren wir schonmal den Müll, der ja an unterschiedlichen Tagen nach Thema abgeholt wird, morgen ist Papier dran.
Ein weiterer erfüllter Tag geht zu Ende. Das Sofa lädt freundlich ein und das Bettchen kann man im Hintergrund auch schon leise flüstern hören…
Bei duolingo habe ich heute nur ein paar Brocken Italienisch gelernt - aber in Echt jede Menge. Und tolle Erlebnisse gab’s wieder gratis dazu.

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