Catania at it's best

Catania at it's best
la bella città nera

Mittwoch, 7. Mai 2025

il nostro fruttivendolo regala troppi frutti * ventiquattresimo giorno

Nun ist er da, der letzte Tag. Sonnig, duftend, lebendig-lärmend strömt er ins Zimmer und lässt mein etwas tristes Herz trotzdem hüpfen. Was für ein Genuss das immer wieder ist: dieser erste morgendliche Moment…
Der Dusche wische ich eins aus und benutze die herrliche Asche-Seife, die sich sofort abwäscht, sodass ich schon mit allem fertig bin, als der unvermeidliche kalte Guss kommt. Hah!!
Dass die Kabinentür nicht gut schließt, merke ich an den großen Pfützen nach jeder Dusche. Da muss ein passendes Frottee-Bodentuch her. Stichwort: mercato. Es gibt bereits eine mercato-lista, auf der befindet sich -Schuhlöffel, -Reis (nur eine Hand voll, für den Salzstreuer) und -Farn (ich hatte einen tollen Kunstblumenstand gesehen und der Palazzo verträgt noch ein paar grüne Akzente).

Kurz steige ich in die Italienisch-Lektionen ein, merke aber, wie meine Sinne nach Mandorla-Granite mit Brioche gieren und rege einen baldigen Aufbruch an. Wie nebenbei zeigt Uli mir den tiefen Schnitt, dem ihm die Kaffeedose heute Morgen zugefügt hat - autsch!! Blutet doch gar nicht mehr, sagt Uli; vorsichtshalber verpflastere ich ihm aber die Stelle doch lieber, vor allem im Hinblick auf den Markt, wo wir wieder alles mögliche anfassen….

Da heute ein frischer Wind weht, legen wir doch lieber etwas Schützendes an. Die Luft ist klar und sauber, womöglich durch den gestrigen Regen. Bei Comis gibt es die übliche Graniten-Bestellung und da der fröhliche Kellner heute Dienst hat, bekommen wir sogar drei Luftküsschen zum Abschied!

Ein noch größerer Schlenker Richtung Markt führt uns an dieses, uns auch bisher unbekanntes schattiges, Plätzchen mit blühenden Bäumen und Palmen - eigentlich eine übergroße Verkehrsinsel, denn rund um uns bewegt sich ein mehrspuriger, stetiger Strom aus Bussen, LKWs, Rollern und Autos.

Auch ein anderer Herr hat es sich hier gemütlich gemacht - verständlich, denn es ist wirklich schön, zumal Duft und verlockendes Glitzern des Mittelmeers greifbar nah sind („nur“ die Bahnlinien liegen dazwischen).

Die Blüten der Bäume verströmen ein intensives Aroma, so lieblich, dass ich mich kaum sattriechen kann. Hier möchte man Biene sein - allerdings sehen wir keine einzige. Ganz in Ruhe rauchen wir, auf eine der vielen Bänke lässig in den Schatten gefläzt. 

Dann treten wir den Gang zum Markt an und erleben dort noch einmal das turbulente Treiben und lautstarke Angepreise, die Mopeds und Fahrräder, die sich durch’s Getümmel schlängeln, vorsichtig, aber erstaunlich zügig. Die Menschen weichen ohne sich auch nur umzudrehen seitwärts aus, um sofort die Gasse wieder zu schließen, nachdem das Fahrzeug durch ist. Dem besonders lauten Sockenverkäufer steht der Schweiß auf der Stirn; kein Wunder, er legt sich ins Zeug wie ein stolzer bunter Gockel, sein Ruf schallt weit über den Platz. Heute haben wir Augenkontakt, ich lächle sehr freundlich grazie, ma no, grazie - da stoppt sein Lockruf für einen Moment, wir lachen herzhaft miteinander und sein sonst eher verbissenes Gesicht wird weich und fröhlich. Diese winzig kleinen Erlebnisse am Rande sind es, die mich am meisten faszinieren.

Der Dialog mit den beiden Verkäufern am Stand für Heimtextilien ist etwas anspruchsvoller und es braucht mehrere Anläufe, bis ich mich verständlich gemacht habe - erfolgreich, denn man reicht mir das gewünschte Objekt in hervorragender Qualität. Grazie mille! Ich erhalte das zweifach in Folie verpackte schneeweißes Bodentuch und wir können den ersten Punkt auf der Liste streichen.
Punkt zwei, der Schuhlöffel, braucht noch mehr Anläufe inklusive Scheußlichkeiten, bis wir bei unserem  bereits vertrauten Händler ein superstabiles, ansehnliches Exemplar erspähen. Perfekt!
Mit dem Farn wird es nichts, der Stand ist leider nicht auffindbar und nachdem wir ein paar Richtungen abgeklappert haben, verschieben wir diesen Punkt auf ein anderes Mal - nicht so wichtig.

Beim nächsten Stop wird mir etwas mulmig, denn nun stehen wir vor unserem fruttivendolo, der jauchzt und uns sofort einem sehr nett lächelnden halbjungen Mann als seine guten Freunde vorstellt. Beide sind in bester Plauderlaune und alles ist so wunderschön, aber als ich erkläre, dass heute unser letzter Tag ist, wird das Gesicht des fruttivendolo auf einmal ernst - nein, das darf nicht sein! Wann kommt ihr denn wieder?! Und dann erhalte ich nicht nur meinen Obstsalat und mein Seltz, beides randvoll, sondern er schenkt mir einen Becher mit Melone, einen mit Kokosstücken und dann möchte er mir auch noch eine Spremute schenken… mühsam wehre ich ihn ab, ho solo due mani e un stomaco - wir lachen gemeinsam und er kommt hinter seinem Stand hervor, um uns zu umarmen. Herz auf Herz zeige ich ihm; er versteht und hält mich kurz ganz fest an sich gedrückt, so herzlich, dass mir die Tränen in die Augen steigen. Dann umarmt er Uli ebenso intensiv und ich muss gleich noch mehr weinen!
Einen kleinen Melograno möchte er mir schenken, als Souvenir - nein danke, das ist unpraktisch, aber ich küsse den Granatapfel; er fasst sich ans Herz und schenkt mir den letzten hingerissenen Abschiedsblick.
Wir stolpern ganz schnell fort, sonst wird’s zu doll mit dem Wegfahr-Weh.
Beladen mit mehreren klebrigen Bechern müssen wir praktisch denken und erstmal schnell eine Bank finden, und zwar unbedingt schattig. Dann können wir uns in Ruhe sortieren und die Gemüter abkühlen; dabei helfen die leckeren Obststücke. 

Was allerdings nicht schön ist und uns ein bisschen in Schrecken versetzt, ist die Tatsache, dass auf der gründlichen Verpflasterung plötzlich Blut erscheint, welches an Uli’s Hand herunterläuft! Schnell hochhalten, drücken, weitere stramme Pflaster drauf und vor allem Ruhe bewahren. Halb so wild, sagt Uli, lass uns jetzt mal zur Aussichtsplattform an der Villa Bellini. Kurz noch Reis kaufen, hinter uns ist ein Lebensmittelgeschäft, dort stehen offene Säcke und eine sehr irritierte Verkäuferin wiegt uns Körner im Wert von 20 Cent ab. Ich weiß, es ist sehr seltsam, aber mehr brauchen wir eben nicht. 

Der Weg zum schönen parco ist nicht weit, es ist warm und laut und plötzlich möchte Uli nur noch eine schattige Bank und eine kalte Cola und eine Pause, um seinen Kreislauf wieder zu stabilisieren. Puh, der Schreck war wohl doch größer als zuerst gedacht. So beenden wir den Stadtgang lieber und treten direkt den Heimweg an. 


Wir räumen und packen; ich schreibe, Uli macht es sich auf dem divano bequem und schwenkt schnell in  einen kleinen sonnelino ein. 

Der frische Wind weht durch die Räume und bringt mit einem Mal ein Hupkonzert mit, das dramatisch klingt. Neugierig schaue ich hinunter: oh, in der Coppola hat wieder jemand so blöd geparkt, dass nur schmale Fahrzeuge durchpassen. Nun möchte aber ein Transporter die Straße passieren… Millimetergenau geht es im Schneckentempo vorwärts; zum Glück sind sofort mehrere Helfer herbeigeeilt und assistieren beim Durchfädeln. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber der dicke Transporter geht durch’s Nadelöhr und hinterlässt keine Spuren!

Eine halbe Stunde später ein ähnliches Schauspiel - nur, dass dieser Transporterfahrer sich die Passage nicht zutraut. Ein Ordnungshüter betritt die Szene, hilft dem Fahrer, sich rückwärts wieder auszufädeln, um dann von der anderen Seite rückwärts zirkelnd in die Straße zu gelangen. Wildes Gehupe, viele Schaulustige - nicht nur wir hängen rotznäsig gaffend auf dem Balkon…

das nenne ich mal kunstvoll eingeparkt!

Wir sammeln die letzten Esswaren aus dem Kühlschrank, um uns nachher ein paar Sandwichs für den Rückflug vorzubereiten (von Catania nach Amsterdam gibt es nichts, in Amsterdam haben wir erneut drei Stunden Transferzeit und die hohen Preise dort sind uns vom Hinflug noch sehr präsent). Aber zuerst geht es Arancini schlemmen; die letzte Woche war das wegen meiner Lippe ja gar nicht möglich, deswegen verdrücke ich heute davon gleich zwei und obendrein auch noch eine ganz frische Iris mit Vanillecreme (viel viel besser als die erste!!). Der Glöckner des Duomo spielt derweil ein beeindruckendes Abschiedskonzert für uns.

Pappsatt und müde beschreibt unsere Verfassung am ehesten, wir machen noch einen kurzen Abstecher zum ZOB und erwerben schon mal Tickets für den Ali-Bus, dann haben wir morgen damit keinen Hustle.
Im Palazzo sieht es sehr nach Aufbruch aus! Alles liegt parat, die Haufen werden kontinuierlich kleiner und ich hoffe, dass wir problemlos starten können morgen früh. Granite gibt es ja vielleicht auch in Fontanarossa?!?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen